GEIL, Teil 2: Was jeder über Tornados wissen sollte


GEIL, die Globale Erwärmungs-Informations-Liste. – Teil 2: Tornados

Das klingt schon so richtig nach Spannung und Katastrophenfilm, oder? Tornados! Da flattern mir gleich vor Blut triefende Filmtitel ein. Was eigentlich gar nicht nötig ist, denn es gibt sie ja schon. Vielleicht haben Sie den ProSieben-Film Tornado – Zorn des Himmels gesehen. Zorn des Himmels.

So medial düster beleuchtet wirkt so ein Tornado dann auch wie eine Film-Bösewicht. Darth Vader macht Pirhouetten mit ausgefahrenem Lichtschwert, oder: Ein Tornado: das Böse als Mixer. Und so kann einer aussehen:

Bild Tornado, NOAA

Im Moment ist so ein Tornado also ein von den Medien geliebtes Ungeheuer, bevor wir es wirklich kennen lernen konnten. Sie kennen aber nun GEIL, die Globale Erwärmungs-Informations-Liste, deswegen wissen Sie hoffentlich bald mehr.

Inhaltsverzeichnis:

2.1: Was Sie zu wissen glauben
2.2: Was ein Tornado ist
2.3: Wie ein Tornado entsteht
2.3.1: Was eine Superzelle ist
2.3.2: Was in der Superzelle passiert
2.3.3: Wie ein Bürostuhl Sie zum Tornado macht
2.3.4: Wie ein Tornado sichtbar wird
2.4: Wo und wann Tornados auftreten können
2.5: Was noch über Tornados zu sagen wäre
2.6: Nachklatsch

2.1: Tornado Mythen – Was Sie zu wissen glauben

Da gibt es ja gleich mehrere Varianten. Wie bei so vielen Themen, die gerne als Grundlage für den Meinungskampf herhalten, gibt es Behauptungen, die in verschiedene Richtungen zeigen und falsch oder zumindest fraglich sind:

  • Tornados gibt es nur in Amerika
  • In Amerika hat man ja ständig damit zu tun
  • Bestimmt hat es hier auch schon Tornados gegeben, aber die können hier doch gar nicht so stark sein
  • Tornados? Na ja, bisher gab es die noch nicht. Aber jetzt sieht man sie immer häufiger. Ist ja auch klar, die Klimakatastrophe.
  • Wegen der globalen Erwärmung werden die Dinger bei uns immer kräftiger. Sie werden Haus und Hof wegfetzen. Wir werden alle sterben!
  • Das alles sind Aussagen, hinter die Sie gerne gedanklich ein Fragezeichen machen können. (Sollten Sie eher der plakativere Typ sein, drucken Sie es aus, nehmen Sie einen schwarzen Edding. Sollten Sie Lehrer sein, nehmen Sie den roten.) Dazu kommen wir aber später.

2.2: Definition Tornado – Was ein Tornado wirklich ist

Selbst da besteht schon Klärungsbedarf. Vielleicht sollte ich damit anfangen, was ein Tornado nicht ist. Bitte, liebe Journalisten der Boulevardpresse. Bitte, bitte nennt einen Tornado nie wieder einen Orkan. Das tut wirklich weh, das ist schlimm. Denn “Orkan” bezeichnet lediglich eine Windgeschwindigkeit ab 119 km/h. Das wäre, als würde ich behaupten, dass ein Haus das gleiche wie ein Dachziegel sei.

Das Wort Tornado kommt aus dem Spanischen und bedeutet “drehend”. Mehr nicht. Es geht hier um einen Luftwirbel auf engem Raum (im Gegensatz zu einem Hurrikan), der aus quellender Bewölkung hervorwirbelt (üblicherweise im Zusammenhang mit kräftigen Gewittern).

2.3: Wie ein Tornado entsteht

Jetzt bringen Sie mich mit den Erklärungen ganz schön ins Schwitzen. Denn auch heute sitzen Wissenschaftler an Tischen und in Labors und ziehen an ihren Haaren, um die Details zu verstehen. Aber: um die Details geht es bei GEIL ja auch gar nicht. Wie meine Mutter immer so schön sagte: es geht ums Prinzip!

2.3.1: Was eine Superzelle ist

Und das puzzeln wir uns jetzt grob zusammen, wobei folgende Grafik uns leiten möge:

Tornado Entstehung Superzelle - Schematische Ansicht
Schema einer so genannten Superzelle mit Tornado | Quelle: Wikimedia

Dabei fällt mir gerade auf, dass das Wort Superzelle auch schon wieder so ein Ausdruck ist, der den Architekten der Klimakatastrophen-Berichterstattung leuchtende Augen verschafft. Ganz kurz: eine Superzelle ist ein einzelnes Gewitter, das aber in sich gut erkennbare Merkmale hat, wie zum Beispiel einen Bereich, in dem der Wind schnell nach oben gesogen wird. Man schätzt, dass an jeder zehnten Superzelle Tornados entstehen. Es gibt auch noch andere Arten der Tornado-Entstehung, aber darüber können Sie sich an anderer Stelle informieren, falls Sie sich hirn-durstig fühlen.

Kommen wir also zu den Zutaten: das Grundrezept ist selbstverständlich das eines Gewitters, wie Sie es auch aus GEIL, Teil 1 kennen. Falls nicht, dann begeben Sie sich dorthin. Wir benötigen: feuchte und labile Luft, die berühmten Schubser (wer es offizieller mag: die Hebung).

Unser Tornado braucht aber die Superzelle. Da gibt es noch etwas Besonderes: der Wind muss sich mit der Höhe drehen, und auch schneller oder langsamer werden. Würde man also in dieser Wolke in einen Fahrstuhl mit einem Windfähnchen dran steigen, so müsste sich die Windfahne immer woanders hin drehen, das bezeichnet man als Scherung. Dass der Wind zum Beispiel in 9 Kilometern Höhe aus einer anderen Richtung kommt wie am Boden geschieht in der Natur relativ häufig.

2.3.2: Was in der Superzelle passiert

Die Luft schießt nach oben. Das ist neu für Sie? Dann sind Sie gerade dabei erwischt worden, dass Sie entsprechendes Kapitel in GEIL Teil 1 überlesen haben. Das macht aber nichts. Kommen Sie, ich spendier’ Ihnen ‘nen Link! Das Besondere an einer Tornado-verdächtigen Superzelle ist ja nun, dass die Luft nicht nur nach oben schießt, sondern dass sie sich auch noch dreht.

2.3.3: Wie ein Bürostuhl Sie zum Tornado macht

Sehen Sie sich das Bild oben mit dem Schema noch einmal an. Sie sehen, die Luft bewegt sich nach oben. Und wenn sich Luft nach oben bewegt, dann fehlt sie am Boden, wie schnell einleuchtet. Die kommt auch, und zwar von der Seite. Und jetzt passiert das Spannendste an der ganzen Angelegenheit. Möchten Sie bei einem Experiment mitmachen? Dann seien Sie ein Tornado. Dazu brauchen wir lediglich dieses Gerät hier:

Biene auf einem Drehstuhl
Das Tornadoexperiment: Biene Maja ist ganz begeistert!

Eindrucksvoller wird die Angelegenheit, wenn Sie jemanden haben, der Ihnen hilft. Sollten Sie gerade im Büro sitzen, kann das zum Beispiel derjenige sein, der Stielaugen auf Ihren Monitor macht. Scheuen Sie sich nicht, holen Sie ihn ran!

Jetzt setzen Sie sich auf den Stuhl und strecken Arme und Beine weit von sich. Dann weisen Sie Ihren erstaunten Mitarbeiter an, Sie anzudrehen und nach einer Weile loszulassen. Kümmern Sie sich nicht darum, dass Ihre Kollegen verbalvulgär Ihren Geisteszustand kommentieren. Denn jetzt machen wir Tornado: ziehen Sie die Beine und Arme so kräftig an sich, wie Sie können. Was passiert? Sie drehen sich viel, viel schneller! Breiten Sie Ihre Extremitäten wieder aus: langsamer. Einziehen: schneller. Das ist ein physikalisches Gesetz, das sich Drehimpuls-Erhaltung nennt.

Jetzt wird Ihnen auch einleuchten, wieso sich die Luft in so einer Superzelle schneller dreht, je mehr sie in Richtung Mitte fließt. Jetzt gehören noch zusätzliche Effekte dazu, dass der berühmte Rüssel aus der Wolke zeigt, aber damit hätten wir immerhin schon einen wichtigen Teil erklärt.

2.3.4: Wie ein Tornado sichtbar wird

“Wie, sichtbar?” Es ist tatsächlich so, dass der Trichter, der den Tornado zeigt, zuerst gar nicht da ist. Denn erst dreht sich die Luft, dann sieht man den Rüssel. Dieser ist übrigens nichts anderes als eine Ansammlung von Wassertröpfchen, wenn Sie so wollen eine drehende Wolke.

Glas ColaNun wäre GEIL nicht GEIL, wenn ich Sie mit dem Halbwissen einfach so dort rumsitzen ließe. Wie wird ein Tornado also sichtbar? Dazu stellen wir uns vor, wir würden ein halbvolles Glas Cola auf einen Drehteller stellen. Ja, heute sind wir richtig experimentierfreudig. Dann werden Sie beobachten, dass die Cola zum Rand hin drängt und in der Mitte eine Vertiefung entsteht, denn die Fliehkraft drückt die Flüssigkeit an das Glas.

Genau das passiert auch, wenn sich die Luft in der Gewitterwolke dreht, und darum sinkt der Luftdruck in der Mitte. (Weniger Luft heißt eben auch weniger Luftdruck) Was dann passiert, haben Sie vielleicht schon einmal gemerkt, wenn Sie (wie ich als Kind) eine Haarsprayflasche komplett im Badezimmer versprüht haben: der Behälter wird dann richtig kalt (schon wieder Physik). Und wenn es kalt wird, dann kann die Luft nicht mehr das ganze Wasser halten, sie kondensiert, es bilden sich also Wassertröpfchen.

Übrigens: ein Tornado ist erst ein Tornado, wenn der Luftwirbel (nicht unbedingt der sichtbare Rüssel) die Erde erreicht hat.

2.4: Wo und wann Tornados auftreten können

Wo Tornados auftreten können? Das erklärt sich jetzt fast von selbst: überall da, wo auch Gewitter auftreten können. Also selbstverständlich auch bei uns. Selbstverständlich gibt es aber auch Schwerpunkte: am liebsten rüsselt es sich da, wo es oft schwül ist und wo gerne die ganz warme auf die ganz kalte Luft trifft.

Und das ist eben der amerikanische Kontinent. Denn hier verläuft das Hauptgebirge, die Rocky Mountains, eben von Nord nach Süd. Darum schwappt die ganz kalte Luft von den Polen (Sie wissen schon, nicht unsere Auto liebenden Nachbarn) öfter gegen die feucht-warme Suppe aus dem Golf von Mexiko. Das ist der Grund dafür, dass Tornados gerne eine amerikanische Angelegenheit sein möchten, hier werden dann auch gerne über 1000 im Jahr gesichtet.

Jetzt wird Sie aber vielleicht erstaunen, dass auch in Deutschland in den letzten zwei Jahren jeweils über 100 Tornados als gesichert gelten. Das ist übrigens kein neues Phänomen. Sehen Sie sich einmal die Tornadoliste von Thomas Sävert an, sie reicht bis in das Jahr 855 zurück.

Und sie müssen auch nicht zwingend bei Hitze auftreten: im ganzen Jahr können Sie die Rüssel finden, zum Beispiel im Zusammenhang mit Kyrill am 18. Januar 2007. Da steckten sogar Birkenstämme wie Pfeile in der Hauswand.

Hier zwei bekannte Tornados aus den vergangenen Jahren:


Mühlberg a. d. Elbe, Brandenburg, 24. Mai 2010


Großenhain, Sachsen, 24. Mai 2010

Zum Schluss noch eine wichtige Aussage der Tornadojäger-Gruppe TorDACH, die ich hier so nachdrucksvoll wie möglich zitieren möchte:

„Es gibt aber keinen Hinweis auf eine Zunahme der signifikanten Tornados: Der F3 Tornado von Acht im Jahr 2003 war z.B. ein Ereignis, das genau in die bestehende Klimatologie passt.“

“Kein Hinweis auf eine zunehmende Häufigkeit von Tornados” – Dies Ergebnis wird auch gestützt von den beiden Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, 1996, 2001). Weitere Informationen zu diesem Thema bietet das sehr lesenswerte Buch von H. Kraus und U. Ebel, 2003: Risiko Wetter: Die Entstehung von Stürmen und anderen atmosphärischen Gefahren. Springer Verlag, Berlin, 250 S.

Mit anderen Worten: nach wie vor kann man nicht entdecken, dass in den vergangenen Jahren mehr oder stärkere Tornados auftreten.

2.5: Tornados Windgeschwindigkeit und Was noch über Tornados zu sagen wäre

So ein Tornado hat eine ganz ordentliche Wucht: die größte jemals abgeleitete Windgeschwindigkeit auf der Erde wurde in so einem Rüssel erreicht: 496 +/- 33 km/h in den USA im Jahre 1999.

Noch etwas: in dem TorDACH-Text im vorigen Absatz wurde von einem F3 gesprochen. Das hört sich natürlich sehr nach Insider an, wenn Sie sagen: “Du, ich habe gestern einen F2 gesehen.” Aber sie sollten eben auch wissen, was das bedeutet. Hier geht es darum, die Stärke eines Tornados abzuschätzen, und zu sehen, was so ein Kollege denn alles an sich reißen kann. Das ist ja besonders für Versicherungen interessant. Darum gibt es die so genannte Fujita-Skala, die von F0 bis F12 reicht. Ein stärkerer Tornado als F5 wurde bisher aber nicht nachgewiesen.

2.6: Nachklatsch

Ich hoffe, Ihnen ist jetzt nicht schlecht, weil Sie sich so begeistert auf Ihrem Bürostuhl gedreht haben und hoffe, der ein oder andere Erhellungspunkt ist vor Ihrem Auge aufgetaucht.

Sie sind damit jetzt tornado-gewappnet und resistent für reißerische Meldungen, die auch sicherlich wieder auftauchen werden, wenn irgendwo ein Tornado durch eine größere Stadt rumpelt.

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