Wetterphänomene: Kobolde und Elfen und trotzdem keine Verschwörungstheorie

Nein, ich habe nicht psychoaktiven Genussmitteln zugesprochen, wenn ich von Sprites (Kobolde), Blue Jets (blaue Strahlen) und Elves (Elfen) schreibe. Tatsächlich gibt es diese Begriffe im Zusammenhang mit Wetter. Und sie sind selten und ästhetisch!

Nur wenige haben sie bisher gesehen. Und wenn, dann sind sie in einem Augenblick da und im nächsten bereits wieder verschwunden. Ich verstehe, wenn sich das für Sie immer noch anhört wie ein alkoholgeschwängertes Gelalle. Es ist aber nun so, dass man den Berichten von einigen Piloten glauben kann, die immer wieder von blauen und roten Lichterscheinungen berichten. Und dank der Allgegenwart von Smartphone-Kameras werden sie auch immer häufiger festgehalten. Hier ein Red Sprite aus dem Jahr 2016 aus Texas. Schauen Sie hin, genau über der Wolke:

Von einem Jahr zuvor, 2015, gibt es ein schönes Video, das einen Blue Jet in Australien festgehalten hat:

Was sind nun diese Sprites und Elves?

Die Namensgebung klingt merkwürdig und riecht förmlich nach Verschwörungstheorie. Allerdings handelt es sich hier um Abkürzungen, die mit dem typischen Humor schelmisch kichernder Geeks erstellt wurden. In diesem Fall von Meteorologe Walt Lyons, der seinerzeit an der Universität von Colorado tätig war und mit seinem Kollegen diese Wetterphänomene untersucht hatte. Sprite bedeutet dabei „Stratospheric/Mesospheric Perturbations Resulting from Intense Thunderstorm Electrification“ und Elve steht für „Emissions of Light and VLF perturbations from EMP events“. Der geübte oder gebürtig angelernte Englischsprecher hat nun eine ungefähre Idee, in welche Richtung es in diesem Fall geht: Es handelt sich um Lichterscheinungen im Umfeld von sehr stark elektrifizierten Gewitterwolken, womit der grundsätzliche Großteil der Erklärung schon gegeben wäre.

Diese Sprites und Elves erscheinen dabei in großer Höhe, von der Oberkante einer Gewitterwolke bis an den oberen Rand unserer Atmosphäre. Die wohl bekannteste Abbildung im Zusammenhang mit den koboldigen Lichterscheinungen ist wohl diese hier:

Abestrobi, Upperatmoslight1, CC BY-SA 3.0

Was weiß man über Sprites, Blue Jets und Elves?

Mittlerweile ist klar, dass es sich bei Red Sprites um großräumige elektrische Entladungen oberhalb einer Gewitterwolke handelt. Sie verwandeln die Umgebung irgendwo zwischen 50 und 90 km Höhe in ein leitendes Plasma und erscheinen rötlich-orange oder grünlich-blau. Unter den hier beschriebenen kurzlebigen Phänomenen sind sie die am wenigsten kurz lebenden. Manchmal geht ihnen noch eine ringförmige Entladung voraus; zusammen mit ihrer lamettaartigen Form sehen sie dann aus wie eine atmosphärische Qualle. Die Sprites werden durch positive Blitze zwischen Gewitterwolken-Unterseite und Erdboden ausgelöst.

Blue Jets wurden noch nicht so häufig beobachtet wie Sprites. Sie entstehen eher unmittelbar über der Gewitterwolke und können sich als schmaler, blauer Blitz bis in 40 oder 50 km Höhe erstrecken. Allerdings ist ihr Auftreten scheinbar nicht in Zusammenhang mit Blitzen zu bringen. Offenbar hat es hier aber doch mit elektrischer (elektrostatischer) Entladung zu tun, ähnlich wie wenn Sie „einen gewischt bekommen“, nachdem Sie sich 30 Minuten an einem Luftballon gerubbelt haben (oder – so möchte ich zu Ihrer Ehrenrettung als Alternativbeispiel vorschlagen – einfach über einen Teppich gelaufen sind, in dem einige Polyester gestorben sind) und sich danach die Hand gaben. Denn diese Blitze entstehen über Gewittern mit großem Hagel. Vermutlich stammt die bläuliche Farbe von teils ionisierten Stickstoffmolekülen.

Elves sind dagegen nicht so direkt in ihrem Auftreten, sondern erscheinen nur als rötliches Dämmern oder Glühen auf großer Fläche mit typischen Durchmessern von etwa 400 Kilometern in großen Höhen von 100 Kilometern oberhalb von Gewittern. So gigantisch ich hier mit räumlichen Parametern um mich werfe, umso kleinlicher werde ich bei der Zeit, denn dieses Phänomen hat nur eine Lebensdauer von etwa einer Millisekunde.  Ihr Name (Emissions of Light and VLF perturbations from EMP events) erklärt dabei auch ihr Auftreten. Hierbei handelt es sich um elektrisch angeregte Stickstoffmoleküle, nachdem sie mit einigen Elektronen zusammengestoßen sind. Diese wiederum könnten durch den elektromagnetischen Impuls eines irdischen Gewitterblitzes auf ein höheres Energieniveau gehievt worden sein.

Wie Sie sehen, haben Sie es hier mit sicherlich faszinierenden, im Detail aber noch nicht vollständig erforschten Phänomenen zu tun. Und dennoch hat niemand eine Wettermanipulationsspule aufgestellt, wie in solchen Fällen ja gerne von Idioten behauptet wird. Aber nun meine Frage an Sie: Haben Sie schon einmal eines dieser Wetterphänomene beobachtet? Dann her mit Ihren Berichten und Bildern? Oder haben Sie Fragen dazu? Dann ab in die Kommentare damit! Ich überlege, ob ich diese Wetterphänomen-Reihe weiter schreiben soll, was denken Sie darüber?

Update zu Orkantief THOMAS für Weiberfastnacht und Freitag

Kölner Karneval 2016 im Regen. Bildlizenz: Creative Commons CC-BY-2.0
„Kölner Karneval 2016 im Regen“ von Marco Verch. Bildlizenz: Creative Commons CC-BY-2.0

Eigentlich war nicht geplant, dass ich heute auch noch etwas in dieses Blog schreibe. Wenn viel Wetter ist, gibt es auch viel zu tun.

 

Aber da Uwe Schulz dankenswerterweise bei WDR 2 auf diese Seite hingewiesen hat, möchte ich Sie auch nicht im waagerecht fliegenden Regen stehen lassen. „Update zu Orkantief THOMAS für Weiberfastnacht und Freitag“ weiterlesen

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