Die CIA vergiftet uns mit “Chemtrails” (künstlichen Gaswolken)?

Was sind Chemtrails?

Sehen Sie, das ist eine gute Frage. Ich fasse so kurz wie möglich zusammen, worum es in der Chemtrail-Theorie geht: Sie haben an klaren Tagen bestimmt auch am Himmel Streifen gesehen. Kondensstreifen von Flugzeugen, die sich dort teilweise sehr lange halten:

Kondensstreifen in Haarlemmermeer. Lizenz: CC 3.0 by-sa
Kondensstreifen in Haarlemmermeer, Foto von SketchUp. Lizenz: CC 3.0 by-sa

Doch Stopp! Haben Sie sich eigentlich nie darüber gewundert, wieso diese Streifen dort so lange am Himmel bleiben? — “Nein, wieso? Das sind doch einfach nur Wolken?”

Da haben Sie Recht. Sehen Sie, offensichtlich sind Sie mental gesund, herzlichen Glückwunsch.

Die Theorie: Kondensstreifen bestehen aus Chemikalien

Es gibt da allerdings andere Leute, die sich auf das anti-amerikanische Propagandapferd setzen und losgaloppieren. Was kommt also dabei heraus, wenn irgend ein nicht-Physik-Student nach allzu ausschweifenden Drogenexperimenten auf seiner Ausnüchterungswiese auf dem Campus in den Himmel sieht? Folgende Theorie:

  • die Kondensstreifen (Contrails) am Himmel werden absichtlich verbreitet
  • sie bestehen aus Gasen und Chemikalien
  • diese Chemikalien sollen die Einstrahlung vermindern und damit das Klima beeinflussen
  • für die Politik und das Militär geht es dabei um bewusste Wetter-Manipulation
  • zum Teil soll eine Geburten- oder Gedankenkontrolle der besprühten Bevölkerung erreicht werden

Die Motivation, durch Schwefel-, Barium- und Aluminiumverbindungen die globale Erwärmung zu kontrollieren, ist ja noch halbwegs nachvollziehbar, jedoch auch nicht ganz unproblematisch, wie im ZDF bereits zu sehen war:

Paranoider Verschwörungswahn

Ganz und gar lächerlich wird es aber, wenn man sich auf der Seite chemtrails-info.de umsieht. Hier bekommen Sie tatsächlich mit was passiert, wenn Pseudo-Intellektuelle zu viel Zeit haben. Herrlich ist dabei übrigens die Tatsache, dass auf der Hauptseite selbst eine Auflistung darüber gegeben wird, wer diese Theorie als das tituliert, was sie ist: absolut hirnfreie Verschwörungspampe: so sagt das Umweltministerium (natürlich, diese sind ja von der CIA gekauft) und der Deutsche Wetterdienst. Selbst Greenpeace hält diesen Wolkenabfall für krampfhaft, womit die Organisation gleich in eine “dubiose Rolle” gedrängt wird.

Schließlich wurde auch Jörg Kachelmann interviewt, der sich sogar die Mühe machte zu antworten. Ich möchte einmal in voller Sympathie seine Zeilen hier zitieren:

Aufgrund der immer häufigeren Mails habe ich mir mal die erschütternden Beweise für die angeblichen Chemtrails angesehen, und siehe da: ganz gewöhnliche Kondensstreifen (nicht Kondenzstreifen, Ihr allerwertesten Massen-eMail-Schreiber) mit mal mehr, mal weniger Ausbreitungslust. Was halt Kondensstreifen so tun in sieben bis zwölf Kilometern Höhe, wenn es mal feucht, mal weniger feucht rundrum ist.

Alle Fotos vom Himmel genau so, wie ich sie schon in den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gesehen habe. Und, gigantische Überraschung, da treten die Kondensstreifen auch noch haufenweise und womöglich in quadratischen Mustern auf. Boah, die Welt hat die Existenz von Luftverkehrsstraßen entdeckt! Skandal! Da ist die CIA sicher auch schuld, dass es die gibt!
26.05.04: 08 Uhr 39: Von ‘zufälligen’ Flugrouten wird man hier kaum sprechen können….

Und so steht halt auch in der obigen Mail Blödsinn, tut mir leid. Kondensstreifen lösen sich eben manchmal, wenn’s eben wie erwähnt dort oben schön feucht ist, gar nicht auf und breiten sich über den ganzen Himmel aus. Jaja, Alu-Barium-Streifen, die die Erde abkühlen und die Ozonschicht sanieren. Wäre ‘ne super nicht funktionierende Idee, die Ozon-Schicht-Sanierung 20 bis 30 Kilometer unter derselben anzugehen.

Verschwörungstheorien nerven: Zähne lösen sich in Coca-Cola auf, und die Amerikaner sind selber ins World Trade Center geflogen und haben Aids erfunden und was nicht noch alles. Jeder darf seinen Knall haben und so was glauben, aber bitte nicht in meiner Mailbox. Also: Ein Kondensstreifen ist ein Kondensstreifen ist ein Kondensstreifen. Nicht mehr und nicht weniger.

God bless America. Auch und gerade 60 Jahre danach. Und für andere Dinge. Und für viele Dinge auch nicht. Aber Chemtrails sind nicht dabei.

Herzlich

Jörg Kachelmann

Damit wäre auch das Wichtigste bereits gesagt. Natürlich sind Themen wie “globale Kontrolle, Massenvergiftungen” und “Verschwörung der wichtigsten Organisationen” eine weitaus spannendere Erklärung als “Wasser in der Luft”.

Mehr kann man aus dem Thema aber einfach nicht herausholen, auch wenn durch die nachfolgende Analyse noch Widersprüche aufgedeckt werden sollen, die keine…

Ach, vergessen Sie’s. Es erscheint mir sinnlos, über diese Spinnereien noch weitere Worte zu verlieren. Es stimmt mich jedoch nachdenklich, wenn zu unkritische Leute dann verängstigt solche Dinge ins Netz setzen:

Widerlegung: Einfacher geht es kaum

Zu Ihrer Beruhigung habe ich mir die Wetterlage einmal angesehen, Herr Steinbach:

Wetterkarte vom 02.04.2016
Wetterkarte vom 02.04.2016 – Quelle: met.fu-berlin.de

Wie gut zu sehen ist: Deutschland lag am Rand von Hoch LEO, das sich selbst mehr in der Heimat Karel Gotts in Prag wohlfühlte. Aber das ist nicht alles: Gleichzeitig pumpt das Islandtief zusammen mit dem Randtief LUANA vor Frankreich von Westen her Feuchtigkeit in die obere Atmosphäre. Und nun sagen wir diesem selbst ernannten Sherlock noch, dass es Nachmittag ist und er in Richtung Südwesten seine „Chemtrails“ ausmacht, eben dort, wo die höhere Luftfeuchtigkeit zu finden ist. Wenn die Luft in höheren Schichten feucht ist, dann ist sie schnell gesättigt, wenn ein Flugzeug dort Dampf ablässt. Das Wasser kann also nicht verdunsten, die Kondensstreifen bleiben sichtbar. Andersrum, wenn er nach Osten blickt, blickt er in die trockene Luft in Richtung Nordosten. Und wo weniger Wasser, da auch weniger Kondensstreifen. So einfach ist das!

Dann noch ein Wort an die fleißigen, wenn auch orthographisch suboptimal operierenden Schreiberlinge von chemtrails-info: nach Eurer Aussage wurden die typischen, schachartigen Muster der “Sprühflugzeuge” erst ab 2002 beobachtet. Doch was ist dann dieses hier?

Kondensstreifen, Karlsruher Wolkenatlas 1998
Kondensstreifen, Karlsruher Wolkenatlas 1998

Ein Bild aus dem Jahr 1998. Es stammt aus dem Karlsruher Wolkenatlas mit dem Namen “Kondensstreifen”. Na huch? Hat die CIA jetzt etwa auch die Zeitmaschine erfunden? Oder waren das die Illuminaten?

Mein Vorschlag zur Lebensgestaltung: bitte hängt doch Eure Sprühflugzeug-Mobiles in Euren Schlafzimmern ab und steckt die gleiche Energie in Euer nächstes Bewerbungsschreiben. Ihr seht ja, was passiert: auf solchen hetz-fähigen Unsinn fallen auch schnell diese – man müsste sie “beknüppelt” und “hirnlos” nennen dürfen – Mitglieder der NPD herein. Da ist dann auch sofort wieder die Jüdische Weltgemeinschaft beteiligt, und Tausende filmen völlig normale Wolken als Beweis für die Weltverschwörung ab.

Noch nicht genug? Bei Martin Wagner gibt es noch mehr Argumente, dass es sie nicht gibt.

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