Siebenschläfer: die Geheimnisse einer Bauernregel

Immer mehr Leute interessieren sich in den letzten Tagen für das Wetter zu Siebenschläfer. Der Siebenschläftertag ist der 27. Juni, und er wird von den Bauern sehr beachtet.

Denn Sie konnten danach mit Weitsicht prahlen, wo das damalige Stadtvolk sich unwissend von Sonne oder Regen überraschen ließ. Denn, so die Erfahrung, wie das Wetter am Siebenschläfertag ist, so soll es auch lange, lange bleiben. Daher gibt es viele Bauernregeln zu diesem Datum. Die wohl bekannteste:


Das Wetter am Siebenschläfertag
7 Wochen bleiben mag.

Was steckt wirklich hinter dieser Bedeutung? Kann man sich auf so eine Bauernregel verlassen? Oder ist das Humbug?

Was Bauernregeln mit Horoskopen gemein haben

Grundsätzlich muss zu Bauernregeln erst einmal gesagt werden, dass sie höchst unterschiedlich zu gebrauchen sind. Viele sind etwa so genau wie eine Sommerprognose, die im April gestellt wird. Also nicht so richtig aussagekräftig. Ich vermute, dass sie aus dem gleichen Antrieb wie langfristige Vorhersagen oder Horoskope entstanden sind: es gibt ein inniges Bedürfnis, mehr von der Zukunft zu erfahren. Und dann nimmt man jeden Strohhalm, der einem hingereicht wird. Psychologisch interessant finde ich dabei, dass so eine Vorhersage oder so ein Horoskop immer und immer wieder völlig ins Kraut schießen kann ohne dass das Interesse daran verloren wird, es zu lesen. Toll.

Wie treffsicher die Siebenschläferregel ist

Darum bietet sich doch erst einmal an zu überprüfen, wie treffsicher diese Regel überhaupt ist. Zum Glück muss ich gar nicht die Statistik wälzen, das hat Horst Malberg bereits getan in seinem Buch: “Bauernregeln, Ihre Deutung aus meteorologischer Sicht”. Sein Ergebnis:

“Legt man den Wetterverlauf um den 27. Juni zugrunde, so werden mit 61% Wahrscheinlichkeit die 7 Folgewochen ebenso ausfallen, d.h. zu nassen Tagen um Siebenschläfer folgt ein zu nasser Sommer, einem Siebenschläfer mit unterdurchschnittlicher Regenmenge ein zu trockener Sommer.” [H. Malberg, Bauernregeln, 1989, S. 67]

61 Prozent, das kann man zumindest schon als Trend bezeichnen, was man von längst nicht allen Bauernregeln sagen kann.

Wie man “Siebenschläfer” tunen kann

Nehmen wir an, es wäre heute Siebenschläfer. Dann würde ich jetzt gerade aus dem Fenster sehen und sehe ein paar Wolkenfelder vorbeiziehen, es sieht aber ganz schick aus und es ist trocken. So bleibt es jetzt also 7 Wochen lang? Das ist natürlich Quatsch.

Wenn Sie über Bauernregeln stolpern, so ist eines ganz wichtig: sie dürfen nicht nur das aktuelle Wetter, sondern eher die grobe Richtung benutzen, in die es geht. Zum Beispiel hat es hier gestern geschüttet, morgen sind schon wieder Gewitter angesetzt, mit anderen Worten: die Tendenz ist: “wechselhaft, kühl”. Es geht also nicht immer nur um den direkten Tag, sondern auch um die anderen drumherum.

Wenn Sie aber die Siebenschläfer-Regel jetzt tunen wollen bis zum Anschlag, dann gebe ich Ihnen einen Tipp: nehmen Sie nicht den 27. Juni, sondern nehmen Sie die Witterung zwischen dem 5. und 10. Juli. Denn dann beträgt die Trefferwahrscheinlichkeit sogar 65%, stimmt also in zwei von drei Fällen. Damit kann man als Anfänger-Orakel schon halbwegs punkten.

Der Grund hierfür ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Kalenderreform von 1582. Dabei haben sich die gesamten Tage, zu denen die Bauernregeln gelten, ja um etwa 10 Tage verschoben. Damit würde dann der Siebenschläfertag auf den 7. Juli fallen. Passt!

Noch etwas für Klugscheißer

Normalerweise schiebt man den Siebenschläfertag ja diesem Tierchen zu.

Wenn das jemand behaupten sollte, setzen Sie Ihr besserwisserischstes Grinsen auf, das Sie haben, und entgegnen Sie:

Nein! Grundlage ist die alte Legende der sieben Brüder, die sich bei der Christenverfolgung im Jahre 251 in einer Höhle bei Ephesus versteckten, einschliefen und erst im Jahre 446 wieder aufwachten.

So. Jetzt haben Sie es dem Kerl an der Bushaltestelle aber gezeigt, der Ihren Nachbarn immer so aufreißerisch Geschichten für wahr verkauft, obwohl sie es nicht sind. Ha!

Und wie sieht es in diesem Jahr aus? Das habe ich in meiner Juliprognose ja schon zart angedeutet.

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