FRIEDERIKE, das Orkantief. Missratener Versuch eines kurzen Updates.

Vielleicht eine Friederike mit Sturm-Frisur
Schöne Frau, vielleicht eine Friederike? Weniger schön: Sturm und Regen. (Foto von Pixabay)

Es schneit, es graupelt, es gewittert in Deutschland. Und dabei ist FRIEDERIKE noch gar nicht da! Aber nun sind wir relativ nahe an dem Sturm-Ereignis, sodass sich mein Beitrag von gestern noch präzisieren lässt (vielen Dank übrigens für die vielen positiven Rückmeldungen auf diversen sozialen Kanälen). Hier also der Versuch, mich kurz zu fassen:

Sturm-Vorhersage: Keine wesentlichen Änderungen

Die gute Nachricht zumindest für mich als Meteorologen ist: Die Prognose hat sich gegenüber gestern nicht mehr wesentlich geändert. Die schlechte ist: Auch heute gibt es – vor allem hinsichtlich der Intensität – immer noch Unsicherheiten. Oder besser gesagt: Es gibt die Hoffnung, dass sich FRIEDERIKE weniger intensiv entwickeln wird, als ich jetzt hier zusammenfassen möchte. Denn leider gibt es selten die Vorhersage. Sondern man entscheidet sich für die nach bestem Gewissen wahrscheinlichste Variante, die von der Gesamtzahl an Modellen plus Erfahrung dann vor den Köpfen des oder der Meteorologen entsteht. Also:

1. Sturm-Gefahr

Das Tief dürfte am morgigen Tag ziemlich schnell mit Südost- bis Ostkurs über das Norddeutsche Tiefland donnern. Direkt in seinem Zentrum wird der Wind für eine Zeit komplett abflauen (Geek-Assoziation: Dafür kommen Sie sich im Auto bei dem Flockenwirbel vor wie in einem Star Wars Raumgleiter beim Eintritt in den Hyperraum, aber fahren Sie lieber sowieso besser nicht zu dem Zeitpunkt). Überhaupt wird der Wind nördlich des Tiefdruck-Zentrums beherrschbar bis harmlos werden. Es könnte aber vor allem im hohen Norden noch genug übrig bleiben, sodass er im Zusammenhang mit dem dort fallenden Schnee für Schneeverwehungen sorgen könnte.

Maximale Sturmgefahr herrscht in dem Streifen südlich des Kerns, und zwar genau dann, wenn die Kaltfront durchzieht. Das ist an der Ems schon am Morgen der Fall und geht dann weiter über Niederrhein, nördliches Ruhrgebiet, Münsterland, nördliches Ostwestfalen-Lippe und angrenzendes Niedersachsen. Dann geht es bei nur leichter Abschwächung weiter, nördlich am Harz vorbei ins mittlere Sachsen-Anhalt. Hier reden wir von der Gefahr von Orkanböen mit häufig über 100, ab und zu über 110 und örtlich über 120 km/h! Ein Baugerüste- und Bäumekiller also (versuchen Sie mal, ein Verkehrsschild bei 120 km/h auf der Autobahn aus dem Fenster zu halten — nein, lieber nicht. Stellen Sie es sich einfach nur vor).

Auch im Süden Deutschlands kann es häufiger in Richtung 90 oder 100 km/h gehen, und das reicht auch. Richtig fetzig wird – oder besser gesagt: bleibt es auf den Bergen. Denn der Schnee, der dort bereits jetzt eifrig übertreibt, wird genug sein, um noch bei Orkanböen bis rund 130 km/h in imposanten Haufen quer über diversen Straßen und Schienen zu liegen.

Hier ein, wie ich meine, realistisches Vorhersagemodell, das hoch aufgelöste AROME. Wie sagt ein Kollege so schön? Ab Rot ist Not. Aber bei Violett wird’s noch viel weniger nett! Oben links sehen Sie die Zeit, für die die Prognose gilt:

Böen, Spitzenwerte der letzten Stunde, AROME Modell
Höchste Windgeschwindigkeiten der vorangegangenen Stunde vom hoch aufgelösten AROME Vorhersagemodell für Orkantief FRIEDERIKE am 18.01.18. Quelle: Meteociel

2. Viel Schnee und Regen

Verdammt, ich werde wieder zu lang! Gut, dann in aller Schnelle: Das kleine Tief schiebt eine Woge warmer Luft vor sich her. Nördlich seines Zentrums bleibt allerdings die Kaltluft oder wird sogar noch angezapft und auf die Rückseite geführt. Das führt zu Folgendem:

Nach Beruhigung der Schauer, die heute mit allem gespickt sind, was Rand und kalten Namen hat (also Regen, aber auch oft Schnee, Graupel, teils elektrisch mit Blitzen verziert), gibt es erstmal eine Wetterberuhigung. Dann kommt morgen relativ früh im Westen Regen und Schnee auf. Und wenn es Schnee ist, dann wird der dort schnell zu Regen werden, denn mit der Schneefallgrenze geht es von dort nach Süden hin bis auf 1.000 bis 1.500 Meter hoch, sodass es vor allem in den süddeutschen Regionen darunter ein schönes Matschepampen-Getaue geben wird. Im Osten und Norden dagegen schneit es erst mal eine Weile, und im und nördlich des Tiefdruckzentrums sind da durchaus ordentliche Schneefälle in kurzer Zeit drin. Oft hört man da von 10 bis 15 cm. Ich denke, das wird nur einen ganz schmalen Streifen zutreffen, direkt unter dem Tiefdruckzentrum. Meist sollten Sie aber dort auf jeden Fall mit ein paar Zentimetern rechnen, die in kurzer Zeit fallen und natürlich auch entsprechende Verkehrsprobleme mit Auto und Bahn bedeuten dürften.

Hier eine schöne Animation. Schauen Sie sie sich am besten mehrmals an, die Farbgebung ist ziemlich geschickt! Denn dabei bedeutet Blau Regen, Weiß fallender Schnee und Violett liegen bleibender Schnee, also die Schneehöhe “danach”. Damit haben Sie auch eine realistische Abschätzung, wie winterlich es wo morgen werden wird. Beachten Sie dabei auch den Alpenrand!

Winter-Übersicht Orkantief FRIEDERIKE, ICON-EU, wxcharts.eu
Regen (blau), Schnee (weiß) und Schneehöhe (violett), Animation nach dem ICON-EU Vorhersagemodell für Orkantief FRIEDERIKE am 18.01.18. Quelle: wxcharts.eu, hier auch die große Version

Noch Fragen?

So, das war mein komplettes Versagen in der Kategorie, sich kurz zu fassen, umfangreich dokumentiert. Sollten Sie dennoch Fragen haben, dafür sind ja die Kommentare hier unten da! Oder eben Facebook oder Twitter. Und informieren Sie sich regelmäßig beim Unwetterradar!

2 Antworten auf „FRIEDERIKE, das Orkantief. Missratener Versuch eines kurzen Updates.“

  1. Hallo, Danke für die KURZE Zusammenfassung 😉 Andere Modelle sehen ja das Ganze noch ein wenig südlicher, gerade hinsichtlich der Hauptböen. Insgesamt sind Stürme und deren höchste Böen ja immer wieder sehr schwer vorhersagbar, ich selber habe auch bei Facebook eine Wetterseite und warne seit heute Morgen dann auch vor Sturm. Das Risiko, dass die Böen nicht runtergemischt werden bleibt natürlich bestehen, für einen Wetterfrosch nicht so schön, da man sehr schnell “Panikmache” wieder lesen würde, für mich als Waldspaziergänger wäre es sehr schön. Verstehe ich das richtig, das Arome auf ECMWF Daten basiert, oder ist das ein eigenständiges Modell?

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