Wochenend-Wetter spezial, 3. bis 5. April 2009

Apr 02, 2009 @ 08:01 pm by Frank Wettert

Willkommen zusammen. Ich möchte die Wettervorhersage für diese Woche revidieren. Das ist übrigens kein Zeichen von Schwäche, wie ich gleich erklären werde. Da das Wetter momentan so bombastisch ist, schreit das jedenfalls nach einer extra Wettervorhersage für das Wochenende. Und im Detail kann diese Wettervorhersage ziemlich spannend sein. Kommen Sie mal mit, ich möchte Sie in ein, zwei Geheimnisse der Wettervorhersage einführen.

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Frühlings-BlumeMan bekommt ja im Radio zwangsläufig mit, wenn dem ein oder anderen doch eventuell danach ist, seinen Glückshormonen den ersehnten UV-Kick zu geben. Die Menschen gehen einen Schritt langsamer, schauen sich die Blumen an und lächeln. Wen zieht es in der ganzen Zeit nicht nach draußen?

Und da ab morgen die Temperaturen eigentlich fast überall in Deutschland stimmen, verdient das Wetter eine genauere Betrachtung. Denn gerade an diesem Wochenende ist es gar nicht mal unkompliziert. Ich möchte Sie also den noch erträglichen Leiden eines Meteorologen näher bringen. Denn die Umwelt reagiert schon recht sensibel, wenn man das erste gefühlte Frühlingswochenende zuerst freundlich vorhersagt, um dann einen Tag vorher umzuschwenken. Was ist also das Problem?

Freitag

Am Freitag gibt es eigentlich noch wenig Probleme. Die Sonne scheint, kaum eine Wolke zeigt sich am Himmel. So meint man auch, schaut man sich die Höhenkarte an. Hier dargestellt sind die so genannten Isohypsen für die 500 hPa-Fläche. Sie müssen jetzt aber nicht gleich abschalten, wenn Sie das nicht verstehen. Stellen Sie sich die enger zusammenhängenden Linien einfach als Autobahn vor, über die die Tiefs ziehen:

Höhenkarte für Freitag, den 03.04.09, 20 Uhr MESZ
Höhenkarte für Freitag, den 03.04.09, 20 Uhr MESZ. Quelle: MeteoGroup

Konzentrieren wir uns also nur auf die enger zusammen liegenden Linien. Fahren wir diese von West nach Ost ab, so sehen wir, dass unser Finger einen Bogen nördlich um Deutschland herum macht. Und so sollte das auch sein, wenn wir schönes Wetter haben wollen. Was sehen wir noch? Ein kreisförmiges Gebilde über dem Osten Deutschlands, das ist das Hoch Nives, ein anderes über dem Mittelmeer, das ist das Tief Kristian. Die Kombination brauchen wir auch, damit wir nicht nur sonniges (Hoch), sondern auch warmes (Tief) Frühlingswetter behalten.

Also: der Freitag ist überwiegend sonnig, nur im äußersten Südwesten kratzen Wolken des Tiefs, die zu Anfang auch etwas Nebel und Niesel, nachmittags einzelne Schauer mitbringen können. Die Höchsttemperaturen liegen im Innenland meist bei 18 bis 20°C, rechnen Sie am Niederrhein auch mal mit t-shirttauglichen 22°C. Wenn Sie es genauer wissen möchten, dann schauen Sie einfach hier.

Man könnte also meinen, dass an diesem Tag nichts auffälliges passiert. Prinzipiell stimmt das auch, aber wenn man genauer hinsieht, dann bemerkt man auch, dass sich etwas tut. Schauen Sie mal hier, ich zeig Ihnen, was ich meine:

Luftdruck und Wind am Freitag, dem 03.04.09, 20 Uhr MESZ
Luftdruck und Wind am Freitag, dem 03.04.09, 20 Uhr MESZ. Quelle: MeteoGroup

Hier kommt es jetzt auf die feinen Unterschiede an. Betrachten Sie sich mal die so genannten Windfieder. Sie zeigen Stärke und Richtung an, aus die der Wind kommt. Die Stärke ist dabei zweitrangig, achten Sie auf die Richtung: im Osten Deutschlands weht der Wind aus Südost, aber zwischen Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern aus Süd bis Südwest. Das bedeutet, dass die Luft aufeinander zufließt.

Wenn Luft aufeinander zufließt, dann muss sie ja irgendwo hin. Nehmen Sie sich mal ein Blatt Papier, legen Sie es vor sich auf den Tisch und schieben beide Enden aufeinander zu. Was passiert? In der Mitte wölbt sich das Papier nach oben. Und genau das passiert auch mit der Luft; sie steigt auf. Aufsteigende Luft kühlt sich ab, wenn sie feucht genug ist, dann kondensiert die Luft, Wassertröpfchen bilden sich, ein Schauer oder ein Gewitter entsteht. Nun ist der Wind in unserem Fall aber noch sehr schwach, daher wäre es eher etwas für ein Wettbüro, um zu entscheiden, ob dieser schwache Effekt für einzelne Schauer ausreicht oder nicht. Die wärmste Luft hält sich im Osten auf, darum gibt es hier auch bis zu 23°C, im Westen liegen wir zwischen 17 und 20°C.

Sehen Sie? Jetzt haben wir uns für eine kleine, unsichtbare Störung ganz schön lange aufgehalten. Was ich damit aber zeigen wollte war, dass man bei 19°C vielleicht noch nichts außer ein paar Quellwolken sieht und man bei 20°C und einem Gebirge in der Nähe vielleicht schon Schauer begrüßen darf. Es ist also möglich, dass Freitagabend im Westen einzelne Schauer entstehen. Möglich, wie gesagt. Nicht sicher.

Samstag

Bisher haben Sie alles verfolgt? Dann wenden wir uns dem Samstag zu und ziehen die Daumenschrauben noch etwas an. Es wird noch etwas komplizierter. Bis Samstagabend befindet sich diese oben beschriebene Konvergenzlinie dann im äußersten Nordosten am Oderhaff. Sicher ist, dass von Samstagabend bis Sonntagfrüh von Frankreich eine schwache Kaltfront durchzieht, die uns auch hier und da ein paar Schauer bringt, besonders in der Südhälfte Deutschlands. Am Großteil des Samstags befinden wir uns aber zwischen dieser Konvergenzlinie im Osten und vor der Kaltfront von Südwesten. Was passiert da?

Jedenfalls wird sich die Sonne dazwischen über längere Zeit zeigen und man kann sagen, dass es besonders im Osten Deutschlands meist trocken und auch heiter bleiben wird. Was aber passiert im Westen?

Luftdruck und Wind am Samstag, dem 04.04.09, 20 Uhr MESZ
Luftdruck und Wind am Samstag, dem 04.04.09, 20 Uhr MESZ. Quelle: MeteoGroup

Eigentlich das gleiche wie Freitagabend schon. Schauen Sie sich mal Süden bis knapp vor München an. Hier dreht der Wind ein bisschen auf Nord ein. Das bedeutet, dass hier schon wieder ein Zusammenfließen der Luft, eine so genannte Konfluenzzone, entsteht. Würde man sich nur die normale Fernseh-Wetterkarte ansehen, so würde man erwarten, dass Schauer oder Gewitter höchstens in der Nacht zum Sonntag kommen. Aber durch die Luftfeuchtigkeit, die Sonneneinstrahlung und die herankommende kältere Luft in der Höhe sind am Samstag im Westen durchaus Schauer oder Gewitter möglich.

Sie sind jetzt wahrscheinlicher als am Freitag, weil zusätzlich zwischen dem Tief über dem Mittelmeer und der kälteren Luft, die da aus der Höhe von Westen ankommt, ein kleines bisschen mehr Dynamik entsteht. Sollte es aber nur ein klein wenig anders laufen, als hier von den Modellen vorhergesagt, dann könnte auch einfach gar nichts passieren.

Sonntag

So, jetzt habe ich Ihnen eine Menge Sachen an den Kopf geworfen, ich kann Sie aber beruhigen. Am Sonntag schippern wir wieder in sichereren Gewässern, was die Vorhersage betrifft. Denn der Ablauf ist Standard: die Kaltfront zieht von West nach Ost über Deutschland. Sie ist nicht besonders kräftig, darum ziehen nur vorübergehend ein paar äußerst schwache Schauer durch.

Tagsüber fangen wir dann mit etwas Sonne, teilweise auch dichteren Wolkenfeldern an. Am ehesten grau bleibt es an den Nordrändern der Gebirge, also etwa Schwarzwald oder Alpen, Thüringer Wald, Harz und Erzgebirge. Wenn die Sonne dann steigt, ist die Kaltfront im Osten Deutschlands angekommen, und so dürfte es dann und besonders in Richtung Sachsen und Bayern noch Schauer oder vielleicht auch Gewitter geben. Dafür kommt an der Nordsee in der kälteren Luft schon wieder zwischen den Wolken die Sonne zum Vorschein, und es dürfte trocken bleiben. In Dresden nehmen Sie also lieber mal den Regenschirm mit, während Sie an der Nordseeküste einen gemütlichen Spaziergang machen können. Bei Temperaturen, die dann von Nordseeküste in Richtung Ostsachsen gesehen nur noch zwischen maximal 9 und 18°C liegen werden.

Fertig, Sie können aufatmen!

Sie sind bis hierhin gekommen? Fein, dann haben Sie es jetzt geschafft. Was sollte also dieser ganze Vortrag für ein paar kleine Schauer? Ich wollte zeigen, wie komplex offenbar “einfaches” oder “langweiliges” Wetter sein kann, wenn man es sich im Detail betrachtet. Und dass es eben doch manchmal auf Kleinigkeiten ankommt, die den Unterschied zwischen Sonne und Gewitter ausmachen können. Jetzt jedenfalls wünsche ich Ihnen, dass so viel Sonne wie nur möglich für Sie am Wochenende möglich ist. Ab nach draußen!

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