Wettervorhersage für eine Woche (19. KW)
So etwas wird ja immer gerne gesehen. Wettervorhersage für eine Woche! Praktisch! Den Taschenkalender rausgekramt, Kugelschreiber gezückt, und losgeschrieben: wann gehe ich im Park joggen?
…Oh, Moment, Telefon….Ja?
(Sie müssen dabei nicht zuhören, wenn Sie nicht wollen. Sie können das Vorgeplänkel auch überspringen und sich direkt zur Wettervorhersage klicken)
“Was mache ich eigentlich am Freitag, den 11. Mai 2007 um 13 Uhr 27, Herr Abel? Und wieviel Grad sind es da? Ach so, falls Sie das brauchen: ich wohne in Castrop-Rauxel-Henrichenburg. In der Kaluppen-Zahnewitz-Straße 23.” — “Ja, überhaupt kein Problem, Frau Zuppenzausel. 13 Uhr 27? Moment. 12,32°C. Und seit 13 Minuten und 12 Sekunden hat es aufgehört zu regnen. Schönen Tag noch!”
Klingt komisch? Ich gebe zu, etwas dramaturgische Übertreibung kann ich dem vorangegangenen Kunstdialog nicht absprechen. Nichtsdestotrotz werden solche oder ähnliche Anfragen teils gestellt. Kurz und gut: je weiter es in die Zukunft geht, desto ungenauer wird die Vorhersage. Wird also vermeldet: in neun Tagen wird es in Berlin-Spandau maximal 19°C sein und auch trocken, so sollte auf dieser Basis, ich sage mal, zumindest keine Open-Air-Herzoperation geplant werden.
Außerdem kommt es sehr auf die Wetterlage an, wie lang und wie genau der Blick in die Zukunft schweift. Das ist kaum besser zu demonstrieren als am Unterschied zwischen meiner letzten Wochenvorhersage und der jetzigen. Denn das ehrgeizige Projekt “Wochenwettervorhersage” wurde nur aus dem Omega heraus geboren, einer äußerst stabilen Wetterlage, bei der man auch mit einer Wochenvorhersage glänzen kann. Da war nicht viel los: stabiles Hoch, und die Wolken machten einen großen Bogen. In dieser Woche passiert genau das Gegenteil: Deutschland befindet sich auf der Autobahn der Tiefdruckgebiete:
Quelle: Wetter24 News
Die farbigen Flächen bedeuten starken Höhenwind. Hier treffen die warmen und kalten Luftmassen aufeinander. Genau in diesem Grenzbereich entstehen ständig Tiefs und – das ist in dieser Woche besonders wichtig – Wellen. Diese Wellen erkennt man bei den lang gestreckten Frontenlinien:
Quelle: MetOffice
an diesen Frontenlinien wandern die Wellen schnell von West nach Ost. Und wer im Niederschlagsband solch einer Welle sitzt, der hat zumindest eine schlechte Wahl getroffen, wenn er gerade sein PC-Motherboard auf seiner unbedachten Terrasse repariert. Da kann nämlich einiges an Regen runterkommen! (Daher meine Andeutung von gestern.)
Und genau diese Lage unter der Tiefdruckautobahn versaut mir die genaue Wochenvorhersage: denn so ein Ding hat nur wenig Luftdruckunterschied zu beiden Seiten und ist auch ziemlich launisch. Ganz plötzlich entwickelt so eine Welle eine Eigendynamik und wackelt ganz woanders her.
Also: in dieser Woche müssen Sie statt mit genauen Vorhersagen nur mit Trends vorlieb nehmen. Ich könnte Ihnen natürlich auch sagen: “kommender Sonntag, München-Innenstadt, 18°C, wolkig, meist trocken”. Könnte ich. Und dann schicke ich auch gleich noch die Lottozahlen-Vorhersage hinterher: “12 32 44 49 3 22 Zusatzzahl: 6″. Was ich damit sagen will: unseriöse Vorhersagen überlassen wir doch einfach mal anderen.
Wettervorhersage für die 19. Kalenderwoche (07. bis 13. Mai)
Könnten Sie vorher vielleicht mal eben bei YiGG und Webnews Bescheid geben?
Heute, Montag: Zisternen voll und Juchheirassa, der Regen kommt. Im Süden, besonders in Ostbayern, eher graue Flaute. Getröpfel hier und da, aber Sie hatten ja auch schon. Im ‘mittleren Norden Deutschlands’ wird abgesoffen bei Regen, später auch Gewittern. Viel Spaß mit Windböen und Co! Die Temperaturfrage: 13 bis 14°C maximal in Hannover und Emden, 15°C in Dresden, 19°C in München.
Quelle: Wetter24 News
Dienstag: “Immer noch Regen? Na ja, die Natur braucht’s.” Es wird gepustet aus West. Und es wird geschauert, und das immer wieder und überall. Jetzt auch im Süden, und sogar besonders hier! Mit Pausen zwar und nicht überall, sogar mit nem kleinen Bisschen Sonne dazwischen, wenn’s aber schüttet, dann richtig. Also aufpassen, gerade an den Alpen kann das gefährlich viel werden. Mit kleinen Bächen, die es einfach nicht mehr im Bett aushalten. Auf den Bergen haut’s einem windtechnisch die Perücke von der Fleischmütze. 12°C auf Rügen, in Bayern sind auch mal 18 oder 19 drin.
Mittwoch: “So langsam könnte nun aber wirklich die Sonne wiederkommen. Was soll das Geschütte? Es wird alles immer extremer, echt. Das ist die Klimakatastrophe. Früher hätte es sowas nicht gegeben. Wissen Sie, als ich klein war….” Regen. Überall. Wirklich überall? Nein! Nicht mehr! Im Norden und Nordosten gibt’s sogar kaum Schauer. Dafür ein bisschen Sonne zwischen den Wolken. Aber sonst: wer viel Wasser sehen will, also ich meine: VIEL Wasser, der sollte sich jetzt in Richtung Donauäquator bewegen. Haben Sie langsam genug? Warten Sie ab…Temperaturen: ach, wissen Sie was? 12°C in Nürnberg, 18°C in Freiburg. Dazwischen liegen fast alle.
Donnerstag: “Verdammt noch mal, jetzt ist aber Schluss hier! Der ganze Rasen wird matschig!” Jetzt schwappt das Regenband wieder nach Norden, in Richtung Hannover, ungefähr dahin, von wo es am Montag kam. Kopfschmerzfeuchteluft dagegen im Süden, weil hier auch mal ganz ordentlich die Sonne durchbricht, dann bringt sie uns mal wieder 22 bis 24°C. Ohne Sonne sieht’s da natürlich anders aus bei den Temperaturen: in Kiel bleiben wir bei 14°C, Essen ist bei 16.
Freitag: “VER*$%*%&% REGEN!” Lässt zwar insgesamt nach, besonders am Rhein-Neckar-Dreieck bleibt’s sogar oft trocken. Viel Sonne ist aber nicht. Und: Schauer, Schauer, Gewitter, besonders in Nordrhein-Westfalen. So langsam kommt Unzufriedenheit auf. In Boulevardzeitungen erscheinen erste Berichte von einem irgendwo aufgetauchten kräftigen Gewitter, das in Zusammenhang mit dem drohenden globalen Wetterkollaps gebracht wird. Im Norden ist die globale Erwärmung bei 12 bis 14°C noch nicht so richtig spürbar, im Süden schon. 21°C im Mai? Ist das denn normal?
Samstag: Sonne! Bitte, Sonne! Na gut. Ein bisschen. Aber wenig. Besonders in Sachsen, Thüringen, Südschwaben und Oberbayern. Jetzt ist aber endlich der äußerste Norden dran! Kräftige Schauer und Gewitter in Richtung Hamburg und Oldenburg! Sonne in “Meck-Pomm”? Kaum. (Falls der Klimakatastrophenbericht am Freitag keinen Aufhänger hatte: jetzt hätte er eine zweite Chance) Und bei den Höchsttemperaturen haben wir entweder 13 oder 18°C. Die bayerische Sonne bringt hier und da auch über 20°C.
Sonntag: Da, wo die Alpen weniger als eine Autostunde entfernt sind, darf man sich über neue Schauer und Gewitter freuen! Sonst schlabbern Wolkenfelder durch, die auch noch ein paar Regentropfen ablassen. In Hessen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gibt’s an manchen Orten auch einen fast trockenen Tag. Aber Liegestuhl, Terrasse und Freibad? Schon wieder nur in Südbayern bei 23°C. Sonst ist irgendwo zwischen 15 und 19°C Schluss auf dem Thermometer.




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