Wettert auf dem Extremwetterkongress (II)
1. Die Verleihung
So, ein bisschen strukturierter sollte der zweite Teil, noch im karlmay-esken Stil vorgetragen, werden. Stoßen wir also die Tür zum Hörsaal auf und kommen Sie mit mir:

Wir platzierten uns in mittlerer Höhe und gangnah im Hörsaal. Überraschend und respektvoll zugleich schweifte mein Blick in die Menge: das war ein teils altbekannter Blick in die Studienzeit, zum gleichen Teil aber auch das wahnwitzigste Spektrum an Zuhörerschaft, das ich je gesehen hatte:
altgediente Experten, die über dem Jackett noch eine zweite Haut Seriosität zu tragen schienen, saßen neben dem Klischee an Naturwissenschafts-Crack schlechthin: wirrer Blick und eine Kleidungszusammenstellung, die an einen zufälligen Griff in die bis dahin unerforschte Welt des eigenen Schlafzimmerschranks erinnert.
Das Prozedere begann mit einem Vorwort des Chefredakteurs der „Bild der Wissenschaft“, Wolfgang Hess. Ich möchte nicht viele Worte verlieren über diese Einleitung. Um ehrlich zu sein, kann ich es auch gar nicht, da es schier unmöglich war, diesem Vorwort länger als ein paar Minuten zu folgen. Mag sein, dass Herr Hess eine journalistisch brillante Ansprache vortrug. Der Vortragsstil verdiente allerdings nur die Bezeichnung unterirdisch: monoton und überbetont. Vielleicht würde ein akustischer Mitschnitt gut als abschreckendes Beispiel im Rahmen einer Sprechausbildung herhalten, denn bei dieser Einführung wurde klar, wie ein eventuell guter Inhalt auf dem Weg vom Mikrofon bis zum Ohr der Hörers weg-erodiert. Schade.
Umso spannender aber dann das Interview mit Ewa Wisnierka, die mit einem Gleitschirm in einem Cb bis auf knapp 10 km Höhe gezogen wurde und überlebte, darüber berichte ich aber dann in einem mehr meteorologischen Posting.
Es begann die Vorführung der Teilnehmer für den Medienpreis der Meteorologie, und sie begann mit einem merkwürdigen ersten Akt: eine größere Gruppe von Teilnehmern stand auf und verließ geschlossen den Saal. Wir blickten uns fragend an, hatten aber eine Vermutung: möglicherweise wollten die Mitarbeiter von Kachelmanns meteomedia demonstrativ ihre Unzufriedenheit darüber ausdrücken, dass ihre Firma bei den Finalbeiträgen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Denn kein Beitrag, bei dem irgendein „Meteomedianer“ wie etwa Sven Plöger oder Alexander Lehmann auch direkt vor der Kamera oder dem Radiomikro stand, war unter den Finalteilnehmern. Mein Wettert-Kommentar: man muss ooch jönne könne…
Begonnen wurde nun aber mit der Kategorie Printmedien. Der grundsätzliche Ablauf war nun bei allen Kategorien (es folgten noch Hörfunk und Fernsehen) identisch: eine Ansprache, eine Vorführung der Finalistenbeiträge und anschließend die Ehrung des Gewinners – in diesem Fall das Hamburger Abendblatt. Schade in dem Zusammenhang, dass nicht bekannt gegeben wurde, wer der Zweit- oder Drittplatzierte in der jeweiligen Kategorie war. Falls Sie diesen armen, gebeutelten, ignorierten, geschundenen Menschen (unter anderem also auch mir) noch einmal die Ehre erweisen würden…bitte: hier können Sie sich noch einmal die Finalbeiträge anlesen/hören/sehen. (Wo ist eigentlich die Kategorie „Internet-Präsentation“?)
2. Spaß von Hamburg bis zum Ätna…
Wie auch immer, ich muss weiter straffen: nach der Verleihung fielen wir ein in „den Sizilianer“… eine Pizzeria, in der es tatsächlich die „Pizza Etna“ gab. Das Essen (auch diese Pizza) war lecker, sah aber, um mit Loriot zu sprechen, auf dem Teller „sehr übersichtlich“ aus. Dafür zeigte sich MC-Wetter auch beim Rotwein spendabel. Gülden im Abgang!
Den beiden da unten links schmeckte allerdings mehr die Art von alkoholischen Getränken, bei denen in meinem Kopf gleich die Assoziation „Glykol“ auftauchte: süß muss es sein. Was soll’s, die Parole konnte nur lauten: Deutschland war Fußball, Deutschland ist Papst,
Wir sind Melanie Hoffmann!
3. …und zurück bis zur Reeperbahn
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihnen jetzt noch den Abschluss des Abends zumuten soll. Wir rüsteten uns mit einem Taxi aus, ich rief Thomas Becker an, und wir tranken noch einen Absacker auf der Reeperbahn. Ein Foto konnte ich mir dabei nicht verkneifen:

Ich möchte Ihren „was soll das?“-Faden, der jetzt verloren da herumliegt, nun aufnehmen und mit der Spiegel-TV-Stricknadel wieder in meine Story einarbeiten: was das soll? Manche von Ihnen haben doch sicherlich schon einmal diese Tankstelle gesehen…Spiegel TV! Na. RTL! VOX! Die erste Tankstelle auf der Reeperbahn, die mit dem Wachschutz! Mit der gesunden Mischung aus Zuhältern, alkoholisierten Dosenbiertouristen und äääh….sonstigen Kunden. Ich stelle es Ihrer Interpretation frei, in welche Kategorie sie das obige Bild einordnen möchten…
Der Rest des Abends (oder auch frühen Morgens) bestand aus einem Bier (ja, wirklich! Einem einzigen) und einem Powerslide, mit dem der Taxifahrer auf dem Rückweg noch ein wenig zeitweilige Überlebensangst und damit Abenteuergefühle zurückzaubern konnte.
4. Traumbuffet und Digicam mit Erektionsproblemen
Der nächste Morgen…easy going. Buffetausnutzung deluxe mit dem besten Lachs, den ich je gegessen habe, einem 9-Uhr-Telefoninterview bei radioBERLIN (aberwitzigerweise wollte mir der Sender einen 7-Uhr-Termin vorschlagen) wegen meines Abschneidens und mit den letzten Fotos, die meine Kamera noch aufnehmen konnte.
Nun liegt er da, der digitale Patient. Hier neben mir, mit dem Objektiv. Und dieses kann nicht mehr ausfahren…drücken Sie mir die Daumen, dass die Reparatur schnell und preiswert vonstatten geht.

Hi Frank,
einfach genial der Bericht.
Fehlt nur noch etwas zum Vortrag von Inge Niedeck (ZDF-Wetterredaktion).
Der war für “Laien” wie mich hervorragend, oder?
Weiter so.
Gruss und schönen Sonntag noch,
Lutz
Kommentar by Lutz Bertram — 25. März 2007 @ 18:16
Hallo Lutz,
vielen Dank! Den (hervorragenden) Vortrag von Inge Niedeck werde ich noch in einem eigenen Posting gebührend bedenken, da ist dann etwas über den meteorologischen Teil des Extremwetterkongress zu lesen.
Liebe Grüße zurück!
Kommentar by Frank Wettert — 25. März 2007 @ 20:50
[...] aus der Bahn werfen, werde ich auch wieder dort zugegen sein. Und da mein Blog quasi mit dem Extremwetterkongress 2007 begonnen hat, werde ich auch dieses Jahr wieder so umfassend wie möglich informieren, per [...]
Pingback by Extremwetterkongress 2009 - Was möchten Sie wissen? » Frank Wettert — 30. Januar 2009 @ 17:57