Wettert auf dem Extremwetterkongress (I)

Mrz 24, 2007 @ 01:07 am by Frank Wettert

Extremwetter. Tornados. Extremeres Wetter. Hurrikane. Großhagel. Extremstwetter. Monsterwellen. Extremstklimaveränderungshageltornadofreakwavemedienpreiskongress. Sie merken schon: eine Woche den nächtlichen Durchschnittsschlaf zu haben mit der Länge von vier Stunden (oder zwei „The Day After Tomorrow“-Filmen) verknotet doch zeitweise die Hirnwindungen. Eigentlich war ich bis eben noch überzeugt bei meinem derzeitigen Fitnessgrad ins Bett zu gehen. Andererseits: wenn ich spätabends in einer Kneipe sitze überlege ich auch nicht vor dem ersten Satz, ob ich schon zu müde bin, um eine längere Kommunikation mit jemandem zu führen. Meine Hoffnung ist, dass Ihr Interesse am Inhalt den zwischen meinen Zeilen hüpfenden Fehlerteufel väterlich an die Hand nimmt. „Komm, Fehlerteufel…es ist schon spät…ein bisschen kannst Du hier noch hüpfen, aber dann gehst Du ins Bett“. Also: einfach drauf los…

Die Reise beginnt menschlich: mit einem Bedürfnis im Berliner Hauptbahnhof. Auf dem Gebiet mancher öffentlicher Nahverkehrstoiletten ist optisch ja im Vergleich zu meiner Kindheit ein Quantensprung vollzogen worden. Aus einem vollgekotzten Clochard ist ein stilvoller Geschäftsmann geworden, der am Eingang freundlich, aber bestimmt die Hand aufhält:

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80 Cent fürs Pinkeln! Wenn der Wasserlass-Tarif so weiter steigt, kann man sich in ein paar Jahren zwischen Prepaid- und Flatrate-Pinkeln entscheiden…Sie haben Recht. Es wird Zeit, das Thema zu wechseln.

Angekommen in Hamburg folgte der schnelle Umstieg in die U-Bahn der Hochbahn (So heißt ein Hamburger Verkehrsbetrieb…Ja-ha! Sie haben Recht: plattes Sprachspiel, aber wenn so ein verbaler Steilpass vorgelegt wird, dann halte ich einfach den Fuß rein). Die Liebe des Gewichts meiner Reisetasche zur Gravitation, die daraus folgende Verlängerung des daran hängenden Trag-Arms und mäßiger Regen waren dann meine Begleiter auf dem Fußweg zum Mercure-Hotel. Dort wurde ich sehr freundlich begrüßt. An der Rezeption, aber auch beim Öffnen der Zimmertür. Und zwar so:

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So empfing mich der Fernseher bei meiner Ankunft, und der ist wirklich direkt auf die Eingangstür gerichtet. Wenn man also die Tür öffnet, fällt der Blick sofort auf diese Begrüßung. Wie finden Sie denn das? Wer soll uns denn bitte noch alles begrüßen? Erst hatten einen Kinoleinwände begrüßt, bevor ein Film angefangen hat. Dann waren es Geldautomaten. Navigationsgeräte. Jetzt schon Fernseher. Freuen Sie sich auf den Tag, an dem Sie von ihrem Elektrorasierer respektive Lady-Shave nach Ihrer Befindlichkeit gefragt werden…ich musste unmittelbar an Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ denken, in dem diese geschwätzigen Türen vorkommen.

Von diesem Gedanken amüsiert kam ich dann mit Schlips um den Hals und Sprühregen im Haar beim Extremwetterkongress an. Sehr vorteilhaft: MC-Wetter war nicht zu verfehlen: öffnete man die Tür, fiel man meinen Kollegen direkt in die Arme. Und die Stimmung war prächtig, unter anderem weil bereits das blau-orange Meteogroup-Logo via Tagesschau-Bericht in viele Wohnzimmer lächeln durfte. Und es lächelte auch unsere Melanie Hoffmann, Finalistin auf dem Fernseh-Sektor des Medienpreises. Und das geschlossene Team schritt die Treppe zum Hörsaal hoch, hinter dem drei kiloschwere marmorne Tornadoskulpturen warteten, Zeitungen nannten ihn später den „Wetter-Oscar“. Ich finde diese Bezeichnung doof, weswegen ich sie nun bereits das letzte Mal verwendet habe.

So, lieber Leser. Sie haben mich bis hierhin begleitet, was mich sehr freut. Stelle ich mir jetzt aber vor, wie Sie da vor dem Computer sitzen, erahne ich auch bei Ihnen jetzt Ermüdung, weswegen wir jetzt in den Hörsaal hineingehen, und ich Sie für’s erste draußen stehen lasse.
Das hat zwei Gründe: erstens hat sich der meteorologische Teil ein oder zwei eigene Postings verdient. Und zweitens kommt mir mein Gehirn gerade wie ein tauendes Spaghetti-Eis vor: es deformiert zu einem strukturlosen Etwas. Es ist also Zeit zu gehen.

Das Ergebnis der Preisverleihung möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten. Melanie Hoffmann hat es bis zum ersten Platz geschafft! Meine Beiträge erwiesen sich als Kavalier: auf dem Gebiet des Radio-Wetterns reichte es immerhin für den zweiten und dritten Platz.

Die Gewinner

Vor mir als Gewinner und zugleich rechts auf dem Foto derjenige, der mich überhaupt zur Medienmeteorologie brachte: Thomas Becker von radio NRW.

Mein Bett ruft nicht mehr, es keucht bereits. Meine Bettdecke verzehrt sich so nach mir, wie ich mich gerade nach ihr verzehre. Darum gehe ich nun. Gute Nacht.

1 Kommentar »

  1. [...] ihr zu Hause hat, möchte ich meiner Freude am Gewinn des “Wetter Oscars” beim Extremwetterkongress Ausdruck [...]

    Pingback by Medienpreis für Meteorologie » Frank Wettert — 31. März 2008 @ 11:25

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