Wetter-Streit | Wie eine falsche Sommerprognose Großbritannien ärgert
Der britische Wetterdienst MetOffice hat derzeit arge Prestige-Probleme. Grund hierfür war die so genannte “Seasonal Forecast” im April. Der versprochene “Barbecue Summer”, also “Grillsommer”, blieb laut Bericht auf Bluewin bisher komplett aus, und die Inselbewohner sind jetzt wirklich “not amused”. Womit man sieht, was eine Langfristprognose kann und was sie nicht kann.
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Die Briten sind sauer
Jedenfalls bleibt festzuhalten: Die Engländer sind so richtig stinkig auf ihren Wetterdienst. Alle haben sich mit Grillwürstchen bewaffnet, haben Urlaube im eigenen Land geplant und sitzen nun in ihren Gärten und auf ihren Terrassen, eine rohe Bratwurst in ihrer Grillzangen, das verregnete Gesicht ärgerlich gen Himmel gerichtet, während ihnen der von der Melone tropft.
Was kann eine Jahreszeiten-Prognose?
Denn einen “Barbecue Summer” kann man in einem April einfach nicht versprechen. Das geht nicht! Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie oft und wie lange die Sonne scheinen kann. Denn schon in der Temperaturprognose ist ein Langfristmodell sehr wackelig. Die besseren von ihnen bekommen in der überwiegenden Zahl der Fälle gerade einmal das Vorzeichen so oft richtig genug hin, dass es zufriedenstellend ist (will sagen: Sie können eine Auskunft darüber geben, ob es wärmer oder kälter als im langjährigen Mittel werden wird).
Bei Niederschlagsprognosen sieht es aber noch etwas schlechter aus. Mehr als vielleicht eine grobe Tendenz, wenn man sich ganz Europa anblickt, sollte man nicht erwarten. Das ist aber auch kein Wunder, denn eigentliches Ziel einer solchen Jahreszeiten-Prognose ist weniger der alltägliche Durchschnittsverbraucher, sondern es sind zum Beispiel Energiefirmen, die ihre Vorratsplanung auf derartige Prognosen aufbauen oder andererseits auf dem Energiemarkt damit Handel betreiben.
Des (nassen) Pudels Kern
Wo liegt bei diesem Streit also das Hauptproblem? Wie so oft an der Schnittstelle Prognose-Öffentlichkeitsarbeit. Denn so griffige Bezeichnungen wie “Grillsommer” werden natürlich von den Medien gerne aufgegriffen, weil sie ein Bild im Kopf erzeugen. Sie können aber ziemlich irreführend sein, weil die meisten Menschen dann in ihrem Kopf wochen- bis monatelange sonnige Phasen im Kopf haben, während alle glücklich um ihre Grills herumliegen.
Wie ich auch immer bei den Jahreszeiten-Prognosen hier auf meinem Blog betone, sollte man also auf der Basis von Langfristprognosen keine definitive Planung erstellen. Vielleicht hilft es manchmal bei der Auswahl von Reisezielen in Europa. Aber auch da kann man, wie Sie an diesem Beispiel sehen, mächtig auf die Nase fallen.
Was kann man daraus lernen?
Ich denke, eine derartige Schlappe für das MetOffice sollte allen, die so gerne ihre langfristigen Prognosen auf den Medienmarkt werfen – sprich verkaufen – möchten, als wichtiger Hinweis dienen. Ich denke da zum Beispiel an den Deutschen Wetterdienst, der sich ja neuerdings mit längerfristigen Prognosen auch einen neuen Schwerpunkt geschaffen hat. Daten veröffentlichen, ja. Aber immer und immer wieder mit den Worten versehen, was eine Langfristprognose kann und was sie nicht kann. Einen Barbecue Sommer kann sie jedenfalls nicht.

Hallo Frank,
wie immer kurz und bündig auf den Punkt gebracht.
Danke und Grüße
Alexander
Kommentar by Alexander — 14. August 2009 @ 10:12
Hallo Frank,
eigentlich ganz einfach: mit dem Zeithorizont wächst die Unsicherheit einer Prognose. Das kennt man von der Börse, vom Gold- oder Ölpreis, von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung. Besonders augenfällig ist es beim Wetter.
Die Klimaforschung liefert übrigens einen gegenläufigen Trend. Je näher dran, desto unsicherer; je weiter weg, desto genauer und verläßlicher. Der Norddeutsche Klimaatlas des GKSS http://www.norddeutscher-klimaatlas.de/ ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür.
Auf lange Sicht sind wir alle tot. Ganz sicher.
Kommentar by Helmut Erb — 15. August 2009 @ 7:44
Naja, das Wetter in Deutschland wird auch fast nie richtig vorhergesagt. Meistens stimmt das nicht.
Lg
Kommentar by Barbara — 17. August 2009 @ 10:42
Barbara,
Dein Kommentar ist ebenso undetailliert wie falsch. Tatsächlich liegt die Vorhersagegenauigkeit über die nächsten 24 Stunden bereits deutlich über 90%.
“Stimmt meist nicht” kann man das nicht nennen…
Kommentar by Frank Wettert — 18. August 2009 @ 23:31