Wetter im Dezember 2007

Nov 28, 2007 @ 10:05 am by Frank Wettert

Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir uns um den kommenden, den familiären, den kuscheligen, den harmoniesüchtigsten aller Monate kümmern. Den Dezember. Das fällt mir insbesondere deswegen leicht, weil die Wettervorhersage gerade für die ersten Tage kaum spannender sein könnte. Es knistert in der Wetterküche; der Winter möchte kommen. Die Frage ist nur, ob er das auch schafft.

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Wie wird also das Wetter im Dezember aussehen? Ihnen sollte klar sein, dass mehr als grobe Trendaussagen über so einen langen Zeitraum wie immer einfach nicht möglich sind. Und jeder, der etwas anderes behauptet, der lügt. Gerade in der derzeitigen Wetterlage, die sich wie folgt auf den Karten malen lässt:

Bodendruck-Vorhersage für Freitag, den 30.11., 19 Uhr MEZ
Bodendruck-Vorhersage für Freitag, den 30.11., 19 Uhr MEZ, aus den Profikarten der MeteoGroup

Das hier ist die Lage für den Start in den Dezember. In blau sehen Sie ganz oben links ein kräftiges Tief bei Island. Dieses Orkantief ist quasi der Dirigent für das Konzert, das wir am Wochenende geboten bekommen. Der Dezember startet also teilweise windig, so viel ist beinahe sicher. Wie windig es wird, kann man heute allerdings noch nicht sagen.

Gleichzeitig schiebt dieses Tief warme Luft vor sich her, die uns dann zum Samstag mit Regen erreicht. Am ersten Advent, also dem 2. Dezember kommen wir dann in ein ziemlich unangenehmes Wetter. Besonders im Westen muss mit reichlich Wind und Regen gerechnet werden. Wirklich nur Regen? Das ist noch nicht so ganz gesichert, denn die Amerikaner haben in Ihrem Modell noch eine knuspernde Überraschung versteckt. Bei solchen kräftigen Tiefs können sich nämlich auch kleine Randtiefs bilden. Diese benehmen sich wie ein Yorkshire-Terrier: klein, schnell und fies (Orkan Lothar war so ein Randtief):

Der Yorkshire-Terrier. Kommt ein Randtief am späten Sonntag/Montag?
Der Yorkshire-Terrier. Kommt ein Randtief am späten Sonntag/Montag? (Quelle: MeteoGroup)

In der Nähe solch eines Randtiefs kann viel passieren: besonders in einigem Abstand südlich vom Zentrum können Sturmböen oder noch kräftigere Dinge auftreten, während der Wind nördlich nicht ganz so kräftig ist. Dafür wird auf der Hinterseite die kalte Luft angesaugt, und es kann sogar ordentlich schneien. Erinnern Sie sich noch an die umgeknickten Strommasten durch den Schnee? Das war im Münsterland am 26. November 2005, und auch hier war es so ein fieses kleines Tief.

Man muss aber dazu sagen, dass die Wettervorhersage schwierig ist, da man bis jetzt die genaue Lage am Sonntag und Montag nicht einschätzen kann, und besonders nicht, was danach passiert. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. die Tiefs über dem Atlantik bekommen die Lufthoheit und versorgen uns immer wieder mit Wind und Regen, Schnee wird dabei nur vorübergehend ein Thema sein.
  2. die Tiefs bleiben schön draußen über dem Wasser, dafür baut sich bei uns wieder ein kräftigeres Hoch auf. Dann kommen die Tiefs von Osten und schleudern uns die kalte Luft ins Land. Dabei wird es mal ruhige und sehr kalte Phasen geben, mal kann es aber auch zu Schneeschauern kommen.

Diese beiden Möglichkeiten stehen im Raum, und es ist längst nicht entschieden, wer den Zuschlag bekommt. Dass selbst die Vorhersagemodelle nicht wissen, wo es hingeht, zeigt diese 14-Tages-Vorhersage in Ensembles (also mehrere Berechnungen für den gleichen Zeitraum, nur mit verschiedenen Anfangsbedingungen):


15-Tages-Ensemble-Prognose

Einer möchte es warm, der andere kalt: 15-Tages-Vorhersage, Quelle: MeteoGroup

Besonders dürfte Ihnen diese Unsicherheit bei der Temperatur in München zur Monatsmitte auffallen: während eine Berechnung des Europäischen Modells am liebsten den Frühling ausrufen möchte (orange), scheint es beim amerikanischen Modell (blau) ziemlich frostig zuzugehen. Wenn Sie einen Anhaltspunkt möchten, so sollten Sie sich an die weiße Linie beziehungsweise den grauen Bereich halten. In diesem werden die Temperaturen aller Wahrscheinlichkeit nach liegen.
Wie es also weitergeht, weiß man nicht, und das macht das Wetter im Moment so spannend. Wir werden uns aber gemeinsam die kommende Woche genau ansehen, denn sie dürfte richtungweisend für den Winter sein.

2 Kommentare »

  1. Hallo,
    kann man eigentlich eine Aussage darüber treffen ob das europäische oder das amerikanische Modell eine höhere Trefferquote hat ?
    Ich würde mich mal wieder über Schnee in diesem Winter freuen. Bislang konnte sich dieser ja im Flachland noch nicht durchsetzen.

    Gruß

    Kommentar by Martin — 28. November 2007 @ 20:43

  2. Hallo Martin,

    es gibt durchaus Lagen, mit der das amerikanische Wettermodell, also GFS besser umgehen kann.

    Generell ist aber überprüft worden, dass das europäische Wettermodell ECMWF generell die bessere Vorhersageleistung bringt. Daher ist es auch nicht frei verfügbar, sondern kostenpflichtig.

    Es kommt also auf die Wetterlage an. Und hier steckt unter anderem auch der Vorteil des Multi-Model MOS von der MeteoGroup. In diesem Vorhersageverfahren wird je nach Wetterlage dem einen oder dem anderen Modell den Vorzug gegeben.

    Kommentar by Frank Wettert — 29. November 2007 @ 5:39

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