Tief Daisy: “Schnee-Chaos, Katastrophen-Wetter”
» Was ist wirklich dran?

Jan 06, 2010 @ 03:19 pm by Frank Wettert
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AngstEs ist wieder einmal so weit. Es tritt – sagen wir mal – markantes Winterwetter auf, und schon drehen die Medien frei. Von “Katastrophen-Wetter” ist natürlich bei der BILD die Rede, hier liest sich der Bericht wie die aufkommende Schnee-Apokalypse. Ich möchte mit Ihnen jetzt einen entspannten Blick vom Boden der Tatsachen aus auf das kommende Wetter werfen und die Schrei-Meldungen von Zeitungen und sogar einigen Meteorologen wieder ins rechte Licht setzen.

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1. Die Wetterlage
Über die Hintergründe in Sachen Schnee am Wochenende habe ich mich schon bei Scienceblogs ausgelassen. Es genügt, wenn ich die Entwicklung hier kurz zusammenfasse: Tief Daisy ist auf dem östlichen Atlantik wie so oft am Rand eines weiteren Kaltluftvorstoßes entstanden. Dieses Tief wird nun weiter ostwärts über das Mittelmeer ziehen und sich über dem noch recht milden Meerwasser kräftig verstärken. Dementsprechend muss man auf der Südseite der Alpen auch mit extremerem Wetter durch viel Schnee und Wind rechnen.

Ab Freitag streift uns dann Tief Daisy mit erstem Schnee im Süden und später auch in der Mitte Deutschlands mit Schwerpunkt im Osten. Denn es entsteht ein Teiltief über dem Balkan, und dieses Tief zieht im Laufe des Wochenendes in Richtung Baltikum. Diese Zugbahn ähnelt zumindest der eines so genannten Vb-Tiefs. Die Bezeichnung Vb (sprich: fünf B) erhält das Tief wegen seiner Zugbahn. Damals wurden Tiefdruckgebiete nämlich danach klassifiziert, einzig der Vb-Verlauf wurde dabei wegen seines markanten Wetters bis heute namentlich behalten:

Vb Tief
Zugbahnen der Tiefs und ihre römischen Ziffern nach dem Meteorologen Javob van Bebber

Ein Vb-Tief nimmt dabei nämlich über dem Mittelmeer viel Feuchtigkeit auf, um östlich der Alpen nord- bis nordostwärts zu ziehen. Durch das Aufgleiten auf die kältere Luft entstehen flächendeckend kräftige Niederschläge, die besonders den Osten Deutschlands betreffen. Man muss dabei allerdings sagen, dass wir es hier nicht mit einem “optimalen” Vb-Tief zu tun bekommen. Und nun zeige ich Ihnen, was aus einer Pressemeldung des DWD werden kann. Die Kernaussage:

“Von 10 bis 40 Zentimeter ist alles möglich”, sagt Christian Herold. Entscheidend sei die Zugbahn von “Daisy”: “Je weiter westlich, desto mehr Schnee.”

Diese Aussage finde ich etwas unglücklich formuliert, wenn auch im Kern richtig. Ich persönlich würde lieber die Betonung auf die 10 als auf die 40 Zentimeter legen, da letzteres wohl nur örtlich der Fall sein dürfte. Und natürlich wird es große Probleme auf den Straßen, bei der Bahn und auf Flughäfen geben. Aber man muss nicht gleich wie in der BILD alle Zutaten vermischen, in einen Topf werfen und umrühren:

Ein Blick in die Geschichte genügt, um zu verstehen, was da auf uns zukommt. Alle drei großen Hochwasser-Katastrophen der vergangenen Jahre in Deutschland – die Oderflut 1997, die Elbeflut 2002 und die Überschwemmungen in der Alpenregion 2005 – gingen auf genau diese atmosphärische Strömungsanordnung zurück.

Wetterkatastrophe? Vergleich hinkt
Dieser Vergleich ist unzulässig! Richtig ist zwar die Aussage, dass die oben genannten Unwetter auf Vb-Tiefs zurückgehen. Aber wie oben schon erwähnt ist Vb nicht gleich Vb. Wir hatten schon viel, viel mehr Tiefs dieser Zugrichtung, die nichts weiter als länger anhaltenden Regen gebracht haben. Und im Winter sind die Vb-Tiefs ohnehin seltener und tauchen vorwiegend im Frühwinter auf, so lange das Mittelmeer noch warm genug ist.

In unserem Fall sollte man mit Vergleichen zur Oderflut sehr vorsichtig sein. Allerdings ist es auch nicht notwendig, unnötige Autofahrten am Wochenende zu unternehmen. Denn Wind und Schnee in Kombination sind in der Tat nicht ungefährlich. Schneeverwehungen bedeuten dabei “Schneehaufen”, die der Wind zusammenträgt und irgendwo, gerne auf Straßen, liegen lässt. Dabei ist es durchaus möglich, dass hier und da Strecken unpassierbar werden. Nach den Erfahrungen der letzten Woche würde ich auch mit Problemen bei Schienenverkehr und auf Flughäfen rechnen. Es droht jedoch keine Apokalypse! Und nicht vergessen: Dadurch kann man endlich auch im Süden häufiger Schneemänner bauen…

Also: Lassen Sie sich nicht verrückt machen, wenn von 40 oder sogar 50 Zentimeter Schnee gesprochen wird. Fahren Sie einfach vorsichtig oder am Wochenende einfach nicht, wenn nicht unbedingt notwendig. Zum Schluss zeige ich Ihnen noch was passiert, wenn sich ein Winterfan, namentlich Kai Zorn in Rage schreibt:

Das wäre schon einmal ein Ereignis, das uns in Erinnerung bleiben könnte und von dem sicherlich noch Jahre erzählt werden würde. Und genau solch ein Ereignis bahnt sich an[...] Fakt ist allerdings, dass die Schneefälle kommen und zum Teil eine “Schneerate” von 5 bis 10 Zentimeter Schnee binnen 6 Stunden haben – und das fast überall! [...] Rüsten Sie sich auf sehr raue Winterverhältnisse mit Schnee, Eis und Schneeverwehungen ein. Der Winter wird zum Wolf.

Gemach, gemach. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr gespannt.

13 Kommentare »

  1. Man Man man,
    ist ja richtig spannend! Also die Version mit 50 cm würde mir gefallen :-) hoffe daisy mag den ruhrpott und kommt am samstag zur feierlichen eröffnung der Ruhr 2010 Vorbei! Ich glaube die können dann Ihr 30 min. Eröffnungsfeuerwerk vergessen :-)
    Ich werde am Samstag abend von Bochum nach Essen fahren und vorsichtshalber mal Schneeketten einpacken :-) .
    Denke aber ehrlich gesagt nicht das so viel Schnee runter kommt! Sorgen mache ich mir nur darum ob Die Städte noch genug Streusalz haben, denn ich glaube mit so einer langen Frostperiode hat hier in NRW keiner gerechnet!
    Schönen gruß aus Bochum

    Kommentar by Stephan — 6. Januar 2010 @ 16:07

  2. Hallo Stephan,

    50 cm glaube ich so weit im Westen niemals. Selbst 10 cm werden bestimmt nicht überall erreicht werden. Aber es kann schon relativ schwierig werden auf den Straßen, und sicherheitshalber Schneeketten einpacken kann ja nicht schaden, obwohl wahrscheinlicher ist, dass Du schon ohne durchkommen wirst. Ich bin aber auch sehr gespannt auf das, was da kommen mag.

    Gruß in den Pott
    Frank

    Kommentar by Frank Wettert — 6. Januar 2010 @ 17:30

  3. Apropos Salz…
    …ich bin ganz froh wenn die Salzvorräte etwas knapper werden. Meiner meinung nach wird viel zu viel Salz gestreut. Eine “weiß” geräumte Straße (also den Groben Schnee weggeschoben, so dass man auf einer dünnen Schneedecke fährt) fährt sich auch ganz gut. Vorallem wenn es Tagsüber ohnehin taut braucht man Nachts, Innerorts keine 10 kg Salz pro m² auf jede Straße zu ballern. Bei Autobahnen und anderen sehr stark befahrenen Straßen finde ich das OK obwohl es dort auch hin und wieder übertrieben wird. Man kann auch mal dem Wetter angepasst fahren und dann kommt man mit Winterreifen auch auf einer Schneedecke sicher vorran.
    Was meint ihr so dazu? Oder bin ich der einzige dem es zu salzig ist?

    Kommentar by Tumi — 6. Januar 2010 @ 19:52

  4. Die Irre in Berlin mit Ihren Klimafaschisten sorgt schon dafür das wir alle schön viel Kälte haben werden .Ist ja auch notwendig bei der Globalen Klimaerwärmung.
    Das Wetter ist gemacht kommt denn hier keiner selber drauf ?
    Wochenlang kein freier Himmel und wenn, kommen sie wieder die Flugzeuge und 1,3,2 ist der Himmel wieder schön zugegaast. Toll ,Wetter war einmal und alles was jetz noch ist hat mit natürlichen Abläufen nichts zu tun.
    coi bono,wem nützt es!!

    Kommentar by Steff — 6. Januar 2010 @ 20:02

  5. Tumi, dem kann ich nur so zustimmen. Es leiden Umwelt und Autos gleichermaßen, und in unseren Nebenstraßen wird auch nicht geräumt, was kein Problem darstellt.

    Nur bei gefrierender Nässe oder gar Glatteis wird es auch hier notwendig.

    Gruß
    Frank

    Kommentar by Frank Wettert — 6. Januar 2010 @ 21:48

  6. @ Tumi und Frank

    genau das Eis ist ja das Problem! Und auch das es Tagsüber ja meistens auf den Straßen auch ohne Salz taut! Wenn jetzt nicht gestreut wird hast du keine schöne schneedecke auf der du fahren kannst, sondern nur Eis und da kommst du mit Winterreifen nicht mehr weit! Ich spreche aus Erfahrungen.
    In Kanada streuen sie im Winter garnicht das ist es sowieso so kalt das das Salz nicht mehr viel bewirkt.
    Ich bin aber auch dafür nur Hauptstraßen und Autobahnen zu Streuen und die Gehwege sollte man garnicht Streuen! das macht nur reck matscht usw. gerade in Großstädten!

    Kommentar by Stephan — 6. Januar 2010 @ 22:20

  7. Spannender Winter…

    Über langweiliges Wetter kann man sich in diesem Winter nicht beschweren. Auch für das Wochenende deutet sich eine spannende Wetterlage an. Viel Schnee könnte fallen. Das hat einige Medien schon zu apokalyptischen Nachrichten hinreißen lassen.
    Wer…

    Trackback by Wetter-Center.de Blog — 6. Januar 2010 @ 22:41

  8. [...] Sie auf Hamstereinkäufe. Es kommt kein Hurrikan auf uns zu… hier mehr zum angeblichen Schneechaos. Previous post / Kategorie Wettert über Medien, Wettert über’s Wetter [...]

    Pingback by “Es schneit. Bitte gehen Sie jetzt in die Schutzbunker.” - Über Tief Daisy und die Medienfolgen » Frank Wettert — 7. Januar 2010 @ 9:33

  9. [...] die ähnlich auch im August 2002 das sog. Jahrhunderhochwasser auslöste (Anmerkung: Es aber auch einige andere Vb-Wetterlagen seither, die nur unbekannt blieben und deutlich milder verliefen), wird Neuschnee und vor allem [...]

    Pingback by Nochmaliges Schneechaos in Deutschland? | KFZ-Versicherungsblog — 7. Januar 2010 @ 12:47

  10. Hallo Herr Abel,

    vielen Dank einmal für Ihren sachlichen Wetter-Blog. Endlich habe ich mal (zufällig-unzufällig) vernünftige Aussagen zum möglichen Wochenendwetter gefunden und werde Zuhause bleiben und ‘nen Schneemann bauen, statt mich mit dem Auto von Hannover nach Rheinland-Pfalz zu bewegen und dann womöglich 10 statt fünf Stunden auf der Autobahn zu verbringen.

    Ich habe das gute Gefühl, hier ehrliche Aussagen zum schwierigen Thema Wettervorhersage erhalten zu können und werde mir diese Seite auf jeden Fall merken.

    Freundliche Grüße

    Ach ja: Ich wünsche noch ein frohes neues Jahr.

    Kommentar by Chrissy — 7. Januar 2010 @ 14:27

  11. [...] verschoben und stattdessen im Supermarkt Vorräte für Wochen gekauft haben… Nur Wetter(t) Frank halt einen kühlen Kopf behalten und wohl Recht behalten. Mein Briefträger mag mich [...]

    Pingback by Tief Dy - Schnee und Chaos bleiben aus — 9. Januar 2010 @ 20:09

  12. [...] Wenn Winter wie Winter ist und Daisy heißt, dann ist das gleich eine Katastrophe [...]

    Pingback by Kurzes von der Couch #1 – Wetter - Der Couchkopf — 12. Januar 2010 @ 18:25

  13. [...] solches Vb-Tief (sprich: “fünf B Tief”) hat ja schon zweifelhaften Ruf erlangt. Es ist jedenfalls [...]

    Pingback by Unwetter auf Mallorca - Vorboten für Deutschland? » Frank Wettert — 5. Mai 2010 @ 7:10

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