Klimawandel: Offener Leserbrief an Spiegel Online

Jun 20, 2009 @ 05:52 pm by Frank Wettert

Laut Spiegel Online (und später auch anderen Nachrichtenquellen) glauben einige Experten, dass der so genannte “Klimakollaps” nun nicht mehr abzuwenden ist. Schlittern wir wirklich in einen Weltuntergang? Zu diesem Artikel schrieb Herr Raimund Leistenschneider einen interessanten Leserbrief, den ich mit seiner Erlaubnis hier veröffentliche:

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Leserbrief an Spiegel Online
Zum Artikel Erderwärmung: Forscher fürchten Klima-Kollaps vom 18.06.2009

Sehr geehrtes Redaktionsteam, obwohl ich meine größten Bedenken habe, dass Sie einen kritischen Leserbrief, der nicht nur die Autoren, sondern auch das Magazin betrifft, nicht veröffentlichen werden, möchte ich Ihnen dennoch diese Entgegenhaltung zukommen lassen, damit zum Ausdruck gebracht wird, dass es in unserem Land auch noch Menschen gibt, denen eine unabhängige, logische Betrachtungsweise nicht abhanden gekommen ist. Ihr Einverständnis vorausgesetzt, habe ich noch einige Fachleute auf den Verteiler mit aufgenommen.

Leserbrief:

Wissenschaft als Magie

Es mag seine Wirkung auf die gewünschte Zielgruppe nicht verfehlen, ein Bild von einem verdörrten Getreidefeld zu platzieren. Für ein seriöses, sich mit der komplexen Thematik unter fachlichen Gesichtspunkten auseinanderzusetzendes Fachteam, dessen Status Sie für sich sicherlich in der Fachredaktion beanspruchen, ist solches unwürdig. Es zielt allein auf einfache Berichterstattung in Form einer Boulevardpresse ab. Dennoch möchte ich Ihren Wissenstand erweitern und Ihnen kurz schildern, wodurch es zu einem ausgetrockneten Getreidefeld in unseren Breiten kommt. Vorneweg, mit einer etwaigen Erderwärmung hat dies rein gar nichts zu tun.

Seit der sog. “grünen Revolution“ konnte die Getreidemenge pro Flächeneinheit auf über das Doppelte gesteigert werden. Neben der intensiven Düngung konnte dies vor allem auf die Züchtung von Nutzpflanzen, die weniger Blattwerk und weniger Stängel, dafür aber größere Körner austreiben – der Kohlenstoffhaushalt der Pflanzen also in die Körner umdirigiert wurde, erzielt werden. Nur hat die Pflanze in ihren Blättern und Stängeln Kohlenstoff gespeichert, um damit Dürreperioden zu überstehen (Spektrum der Wissenschaft 11/07, “Ackerbau der Zukunft“). Bei Trockenperioden, die es immer schon gab, können die heute auf Erträge hoch gezüchteten Pflanzen nicht nur weniger von in ihrem Wurzelwerk gespeichertem Wasser verwenden, sondern sie verhungern auch, da ihre Nahrungsreserven (gespeicherter Kohlenstoff im Blattwerk und Stängeln) drastisch abgenommen haben. Die Folge sind verdorrte Felder in Trockenperioden. Anzuführen ist auch, dass die auf hohe Erträge gezüchteten einjährigen Pflanzen immer flachere Wurzeln ausbilden, so reicht deren Hauptwurzelwerk lediglich bis in eine Tiefe von 30 cm, wogegen übliche, vergleichbare Pflanzen, ein Wurzelwerk von 2 m Tiefe und mehr aufweisen und somit ganz andere Zugänge zu Wasser haben.

Es ist schon erstaunlich, wenn Schellnhuber et al. bei drastisch anhaltend fallenden Temperaturen (einfach mal aus dem Fenster schauen oder sich im Internet die diversen Temperaturreihen ansehen) davon sprechen, die jetzige Konzentration von Treibhausgasen wie Kohlendioxid könne bereits die Temperaturen um 2,4°C hochtreiben. Herr Prof. Schellnhuber lässt seine erstaunten Leser mit dem Beweis hierfür alleine. Aber vielleicht warten die Treibhausgase auf einen Wink des Herrn Professor, um dann mit aller medialen wirksamen Macht zuzuschlagen. Es ist in Ihrem Artikel davon die Rede, die Temperaturen würden den „Worst Case-Kurs“ beschreiten. Anmerkung: Hierbei soll es sich wohl um den Worst-Case-Fall der Klimaprognosen des AR4 handeln. Ich möchte Ihnen daher zeigen, was es mit diesen Prognosen auf sich hat, wird die reale Temperaturentwicklung daran gespiegelt [...]

An dieser Stelle wird eine Grafik aus dem Spektrum der Wissenschaft 02/09 angeführt, das aus Copyrightgründen hier nicht angeführt werden kann. Stattdessen sei gesagt, dass die wahre Temperatur verglichen mit den jüngsten Projektionen des IPCC-Klimarates um 0,25°C zu kühl sind. Im Jahr 1990 sei es gerade einmal 0,08°C kühler gewesen als 2008 (nachzulesen bei Spektrum der Wissenschaft) [Ende eigene Anm.]

[...] Es ist deutlich zu sehen, dass sich die Temperaturen sogar aus dem günstigsten Szenario, „Commitment“, wenn also die CO2-Konzentration der Atmosphäre aus dem Jahr 2000 eingefroren wäre, nach unten herausbewegen.

Der unwissenschaftliche Charakter des Berichts wird durch die Aussage Prof. Schellnhubers, über die sog. „einprogrammierte Erwärmung“: “Würden wir irgendwann einmal Schwefelfilter überall auf der Welt einbauen, dann wären wir schon bei 2,5 Grad Erwärmung” hervorgehoben. Der Herr Prof. hat demnach Bedenken, dass die Aerosole, im Vordergrund SO2, den überfälligen Temperaturanstieg derzeit verhindern und es, wären diese nicht vorhanden, die Temperaturen (sprunghaft) um 2,5°C steigen. Diese Aussage ist physikalisch blanker Unsinn, wie ich Ihnen zeigen werde.

Einige von uns erinnern sich noch an den Ausbruch des Pinatubo und wie dieser anschließend die globalen Temperaturen zeitweise um fast 0,8°C fallen ließ, folgende Abbildung:


Quelle: NASA

Wir erinnern uns weiter, dass auf Grund der Kraftwerksentschwefelung, der Kat-Ausrüstung, industrieller Entschwefelungsanlagen und den Vorgaben für Heizanlagen, die Aerosolkonzentration in der Atmosphäre stark zurückging. Herr Prof. Schellnhuber scheint von diesen politischen Erfolgen nichts mitbekommen zu haben. Die folgenden Abbildungen zeigen den Rückgang der SO2-Emissionen und die Auswirkung auf die Durchlässigkeit der Atmosphäre.


Die Abbildung zeigt die Transmission der Atmosphäre im Zeitraum von 1952 bis 2002. Sie zeigt, dass die Durchlässigkeit der Atmosphäre für die kurzwellige, direkte Sonneneinstrahlung mit der Verringerung von Sulfat- und Russpartikel (bilden Aerosole) zunimmt. In der Abbildung sind auch gut die Vulkanausbrüche El Chinon (1982 in Mexiko) und Pinatubo (1991 auf den Philippinen) zu erkennen, durch die der Eintrag von Sulfataerosolen in die Tropos- und Stratosphäre erhöht und damit die Durchlässigkeit der Atmosphäre kurzfristig stark verringert wurde, was zu einem spürbaren Kälteeinbruch führte.


Die Abbildung zeigt die SO2-Emissionen der USA. Die roten und orangefarbenen Balken in der Abbildung oben, geben, zum Referenzjahr 1970, die Veränderung des SO2-Ausstoßes an. In Europa sieht es nicht anders aus (Quelle der beiden letzten Abbildungen: Klimakatastrophe)

Wenn zum einen bereits heute ein fast vollständiger Rückgang der SO2-Emissionen zu verzeichnen ist und der Ausbruch des Pinatubo, der die atmosphärische Transmission von ca. 0,8 auf 0,65 fallen ließ, „nur“ einen Temperaturrückgang von ca. 0,8°C hervorrief (derzeit liegt die atmosphärische Transmission, wie auf dem Chart ersichtlich, bei über 0,8 und mehr als 1,0 nicht geht, wie soll dann eine weitere Verringerung des SO2-Gehaltes (3/4-Reduzierung erbrachten lt. IPCC mit dem CO2-Anstieg, lediglich eine globale Temperaturerhöhung um 0,6°C im 20. Jahrhundert), dieses verbliebene 1/4, eine Temperaturerhöhung von 2,4°C erzielen. Der Herr Prof. scheint ein Zauberer zu sein!

Zum Abschluss noch ein kurzes Wort zum vermeintlichen Meeresspiegelanstieg. Dieser soll laut Alfred Wegener Institut im 20. Jahrhundert bei 17 cm liegen. Darauf wurden, wie aktuell bei Ihnen wieder nachzulesen, die komplexesten Horrorszenarien abgeleitet. Ein Blick auf die Internetseite der Uni Zürich zeigt Ihnen, dass der mittlere Meeresspiegelanstieg der letzten Jahrhunderte bei 24 cm lag (ohne anthropogenen Klimawandel). Also weit höher als die gemessenen 17 cm, die dem anthropogenen Klimawandel zugeschrieben werden. Übrigens fällt derzeit der Meeresspiegel mit den fallenden Temperaturen, wie die folgende Abbildung belegt.


Es ist deutlich erkennbar, dass mit der zurückgehenden Sonnenaktivität der Meeresspiegelanstieg nicht nur gestoppt ist, sondern wieder zurückgeht! Insofern sind die “Warnungen” von Prof. Schellnhuber wohl mehr als Irreführung der Medien und der Politik zu betrachten als fundierte Wissenschaft. Quelle: Niche Modeling, kleine Abbildung: University of Colorado.

Meine Herren Redakteure des Spiegel, Sie werden von den Klimaforschern Schellnhuber und Co. zum Besten gehalten und merken es nicht einmal. Nun reagieren Menschen unterschiedlich, wenn man sie für dumm verkaufen möchte. Es liegt an Ihnen, ob Sie denjenigen, die dies versuchten und offensichtlich weiterhin versuchen, die Antwort geben, die ein Schiedsrichter als Ultima Ratio zieht, wenn Spieler falsch spielen, bzw. dem Schiedsrichter versuchen, auf dem Kopf zu tanzen. Diesen Personen eben diese Karte zeigen. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Raimund Leistenschneider

8 Kommentare »

  1. Ja klar… Und die Gletscher hier in der Schweiz sind auch kaum geschmolzen in den letzten 10 Jahren.

    Kommentar by Kuno — 20. Juni 2009 @ 19:02

  2. Hallo Frank,
    hier hätten wir schon unseren Beweis dafür, dass die Sonne eine wesentliche Rolle spielt. :-) Auch ich glaube, dass der Klimawandel von der Presse derart verzerrt wird, dass nun wohl jeder Mensch in der Meinung dasteht, dass die Erde jedes Jahr wärmer wird. Vieles, was Herr Leistenschneider belegbar aufgeführt hat, deutet auf ein kaltes 21. Jahrhundert hin.
    Liebe Grüße
    Jannik

    Kommentar by Jannik — 21. Juni 2009 @ 10:40

  3. dämliche menschen haben an stelle der evolution einen “gott” erfunden.
    schön blöd ! bei einer etwaigen Klimaänderung (eisbohrkerne weisen dies für lange zeiten nach” will der mensch schuld sein. ist doch inbesondere der dämliche mensch “gottes ebenbild”

    Kommentar by helmut kuncar — 23. Juni 2009 @ 7:50

  4. Machen Sie sich doch nicht so viele sinnlose Gedanken. Der deutsche “Spiegel” hat durchaus viele Leute, die trotz hervorragender Forschungen von Klimaforschern über den menschengemachten Klimawandel weiterhin Ihre Meinungen vertreten. Lesen Sie doch einfach mal, was Hendryk M. Broder oft schreibt. Der ist auch auf jeder “antideutschen” website verlinkt, das sind ganz lustige Gesellen, die Deutschland ein bißchen arg überschätzen und meinen, alle Deutschen wären automatisch Nazis. Freilich mit Ausnahme der deutschen “Antideutschen”.
    Es gab, wie Sie auf Ihrer website zurecht feststellen, nach dem Al-Gore-Film 2006 ein monatelanges Gebrüll in den Medien. Das lag aber – und das berichten Sie nicht – daran, daß die Klimaforscher bereits seit 1988 recht sicher waren, daß die jetzige Klimaerwärmung durch CO2-Verbrauch verursacht wird. Es war also eher eine völlig überdrehte Überreaktion auf 15-18 Jahre Blindheit. Und was wollen Sie – 3-4 Monate später war die Schreiberei wieder vorbei. So funktionieren Medien. Mit Klimaforschung hat das alles nichts zu tun, und die Leute nutzen Billigflieger wie verrückt, Deutsche bauen weiter zu große SUVs für Innenstädte, es läuft doch alles in Ihrem Sinne… von “Katastrophe” redet doch fast niemand mehr. Viele werden nicht mal zugeben, wenn dann z.b. Bangladesh unter Wasser stünde in einigen Jahrzehnten, dass es da wissenschaftliche Fakten gab, die uns nun allen bekannt sein könnten…

    Und Meteorologen, wie wir alle wissen, sind ebenfalls keine Klimaforscher…sondern, was auch sehr schön und wichtig ist, Meteorologen… Die Klima-Wissenschaftler sind hochintelligente, skeptische Leute, die nur leider gegen die Machart von Medien wenig Chancen haben. Sie wissen das doch selbst von Ihrem Kollegen Kachelmann. Das ist ein Medien-Profi. Mit Wissenschaft hat es aber halt – wenig zu tun, was er sagt. Seien Sie einfach besser als der olle Kachelmann. Mit Berichten wie diesem jetzt nähern sie sich ihm leider sehr an.

    Kommentar by IPCC- Leser — 25. Juni 2009 @ 14:12

  5. Antwort auf IPCC-Leser:
    Sehr geehrter Leser, es ist es nicht nur angebracht, sich über solche
    Auswüchse, wie die genannten von Herrn Prof. Dr. Schellnhuber, sich
    Gedanken zu machen, sondern es muss auch darauf reagiert werden. Denn,
    Schweigen bedeutet im allgemeinen Zustimmung und die kann aus
    wissenschaftlicher Sicht nun wahrlich nicht gegeben werden, abgesehen
    davon, dass es sich bei den Aussagen von Herrn Prof. Dr. Schellnhuber nicht
    um wissenschaftliche Arbeiten, sondern im vorliegenden Fall um
    Hollywood-Panikmache, basierend auf Effekthascherei handelt. Insofern haben
    Sie recht, dass dies alles mit Klimaforschung nichts zu tun hat. Die
    offiziell veröffentlichten Statements des IPCC für politische
    Entscheidungsträger, die i.ü. nicht mir den vielen Wissenschaftlern im IPCC
    abgestimmt werden/wurden, übrigens auch nicht. Zu Ihrer Information, der
    von Ihnen so oft verwendete Begriff „Klimaforscher“ gibt es in der
    Wissenschaft gar nicht, dies ist ein Kunstbegriff von Politik und Medien,
    mit dem Ziel, dem ganzen Gebilde, das die IPCC verbreitet, einen
    wissenschaftlichen Background zu geben. Da das Klima selbst keine
    physikalische Größe, sondern eine willkürliche Definitionsgröße darstellt,
    nämlich die Integration von Einzelwettergeschehen über einen Zeitraum von
    z.B. mindestens 30 Jahren, ist es sehr wohl auch ein Thema für
    Meteorologen. R.L.

    Kommentar by Leistenschneider Raimund — 10. Juli 2009 @ 12:26

  6. Ich denke mal nicht, dass wir auf den Weltuntergang zusteuern ;) Niemals :-)

    Kommentar by Geldanlage — 16. Dezember 2009 @ 16:29

  7. Der Weltuntergang wird es nicht ;)

    Kommentar by Tagesgeldanlage — 27. Januar 2010 @ 18:46

  8. Kann es sein, dass irgendjemand mit dem “Klima-Wandel” irre viel Geld verdient?
    Lasst euch nicht veräppeln!

    Kommentar by M.Sörensen — 25. Februar 2011 @ 10:39

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