Klimawandel: ein bisher unbekannter Vergleich

Aug 14, 2007 @ 09:42 am by Frank Wettert

Wie schön einfach ist doch das Leben, wenn man selbst aussuchen kann.

In vielen Supermärkten setzt sich beispielsweise die arbeitsplatzun-, dafür aber die rationalisierungsfreundliche wie unpersönliche Selbstbedienungstheke durch. Sie wissen schon: neben sorgfältig aufgebauten Käse-Arrangements, die sich hinter der Fassmichnichtan-Glasscheiben auf Dekorationssalatblättern räkeln, findet sich ein Bereich, in dem das Frontglas fehlt. Dafür kann man sich die bereits abgepackten, abgewogenen und etikettierten Portionen einfach in den Einkaufskorb legen.

Ich gebe zu, obwohl es aus ideeller Sicht sinnvoller wäre, sich zunächst in Ruhe beraten zu lassen, ziehe ich den Direktkontakt mit dem Abpackkäse dem mit der Verkäuferin vor. Mit anderen Worten: schnell aussuchen und in den Einkaufskorb. Denn dann habe ich selbst ausgesucht und esse meinen Lieblingsemmentaler, anstatt den von Frau Meier-Kröppenstädt aus dem real,- Azubiprogramm. Die mit den Überredungskünsten.

Selber aussuchen hat also gewisse Vorteile. Zum Beispiel auch am Kiosk. Man kann sich für die Frankfurter Allgemeine oder für die BILD entscheiden.

Für die Freunde der martialischen Rumpelinformation gibt es im Rheinland dann noch die Wahl zwischen der BILD und dem Express. Dabei haben Sie seit gestern noch etwas auszusuchen:

Wählen Sie Ihren eigenen Klimawandel

Meine Vermutung, dass das Horrorszenario, was uns in den Medien prophezeit wird, von der Witterung abhängt, hat dabei neues Futter gefunden. Schauen Sie und suchen Sie aus:

 

April 2007:

Sahara Deutschland: BILD vom 25. April 2007 Kernaussagen der Bild vom 25.04.2007 (Dokument-Titel: “Sahara-Sommer kommt!“):

- Schwere Gewitter und trockene Böden führen zu Überschwemmungen.
- Vor allem die Bauern im Süden leiden unter höheren Temperaturen, im Osten fehlt Regen.

Oder folgendes Zitat bitte ich zur Brust zu nehmen:

Wenn es jetzt schon so heiß ist, wie wird dann erst der Sommer?

Klimaforscher Professor Mojib Latif (52), Leibniz-Institut, Kiel: “Die Wahrscheinlichkeit für einen extrem heißen Sommer steigt.” Die Wärme und der fehlende Regen – für Professor Latif “Indizien dafür, dass die globale Erwärmung in Deutschland angekommen ist.”

Gefällt Ihnen das nicht so? Passt es vielleicht nicht so ganz zu Ihrem Eindruck der letzten Monate? Dann empfehle ich Ihnen die gestrige Express-Ausgabe:

August 2007:

Express vom 13. August 2007Kernaussagen des Express vom 13. August 2007:
Wetter-Chaos
GIBT ES JETZT JEDEN SOMMER HORROR-REGEN?
Deutschland im Wetter-Chaos: Plötzlicher Starkregen, Überschwemmungen und überflutete Keller. Gibt’s jetzt jeden Sommer diesen Horror?

Werden wir mehr Starkregen-Tage bekommen? Ja. Brandt: “Solche Sommer wie in diesem Jahr werden häufiger. Das sagen die Klimamodelle bevor.”

Aha, soso. Wobei er doch in seinem eigenen Buch nachgewiesen hat, dass die Anzahl der Starkregentage in den letzten Jahren abgenommen hat. Das steht sogar in dem gleichen Bericht einen Absatz darüber. Und woran liegt das?

Auch an der Erderwärmung. Brandt: “Wärmere Luft nimmt mehr Wasser auf. Das regnet natürlich ab. Das kann man nachvollziehen. Das führt aber nicht immer zu solchen Starkregen-Ergüssen.”

 

 

Natürlich, das kann man nachvollziehen. Nur: wieso hat das in den letzten Jahren nicht funktioniert? Nicht alles, was einleuchtet, muss eintreten. Denn unsere Natur ist doch ein paar Stufen komplexer.

Zwei Mal Klimawandelberichte, zwei Mal in diesem Jahr. Der trockene April ließ die Sahara Deutschland auferstehen, der nasse Rest lässt uns auch in Zukunft ersaufen. Welche Klimakatastrophe hätten’s denn gern?

 

Ach, und noch eine Auswahl hätte ich an der 2.0-Theke für Sie: YiGG oder Webnews? Nehmen Sie doch einfach beides.

2 Kommentare »

  1. Wenn man den statistischen Ansatz verfolgt, dann bleibt es wie es ist.

    BTW: Frank und ich haben gerade eine halbe Tasse Earl Grey getrunken. ;)

    Kommentar by Erik — 14. August 2007 @ 10:56

  2. [...] unspektakulärer, als es der Diplom-Kaufmann und jetzige Doktor der Wirtschaftswissenschaften Karsten Brandt sehen [...]

    Pingback by Wetter-Beeinflussung bei Galileo auf Pro7 » Frank Wettert — 13. November 2007 @ 7:21

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