Klimawandel aus historischer Sicht (1948)

Jul 30, 2008 @ 03:19 pm by Frank Wettert
Bookmark and Share

Sie meinen, die Diskussion um den Klimawandel und der drohenden Katastrophe in der Zukunft ist neu? Ich empfehle Ihnen, sich diesen Auszug aus der Zeitschrift Athena durchzulesen. Sie erschien in Berlin nach dem Ende des zweiten Weltkriegs für etwa zwei Jahre, nachdem sie wieder eingestellt wurde.

Dabei möchte ich mich sehr bei Thomas bedanken, der mir diesen Text zur Verfügung gestellt hat. Sein Blog finden Sie hier. Und nun folgt der Text:

Beitrag bewerten bei:
YiGG
Webnews

 

 

Joachim Hausen

Langfristige Wetterprognosen

In: Athena, Jg. 2 (1947/48), Heft 5, S. 15-19.

Kein Zweifel: das Wetter tanzt seit geraumer Zeit so aus der Reihe, daß man wohl kaum mehr von einer bloßen Laune des Wettergottes reden kann. Die sibirische Kälte des verflossenen Winters, die ungewöhnliche Wärme und Trockenheit des vergangenen Sommers, der ungewöhnliche Niederschlagsreichtum dieses Winters. — sie sind so augenfällig, daß wir kaum die genauen meteorologischen Beobachtungsdaten zu Hilfe zu nehmen brauchen, um uns von dem Umfang dieser Abweichungen vom Normalzustand zu überzeugen. Gleichwohl dürfte es auch für den, der dem Wetter nur als „Normalverbraucher“ gegenübersteht, nicht uninteressant sein, daß im verflossenen Sommer in Mitteldeutschland nur halb so viel Regen gefallen ist wie im Durchschnitt der vergangenen siebenundzwanzig Jahre und daß der Sommer 1947 über 100 Tage mit Temperaturen über 25 Grad, gegenüber 30 bis 40 solchen Tagen in normalen Sommern, und mehr als 50 Tage mit über 30 Grad gegenüber einigen wenigen solchen Tagen in normalen Sommern gebracht hat. Hinzu kommt, daß schon im vergangenen Winter die Niederschlagsmenge um fast vierzig Prozent unter dem Normalwert lag. Dies alles und die ungleichmäßige Verteilung der Niederschläge hat zusammen mit der starken Sonneneinstrahlung den verflossenen Sommer für Pflanzenleben und Ernte zu einem der ungünstigsten seit Generationen werden lassen.

KREISLAUF-STÖRUNGEN

So wenig nun die Meteorologen diese ungewöhnlichen Wetterverhältnisse vorauszusagen vermochten, so wenig können sie uns sagen, ob wir mit diesen Abweichungen nicht vielleicht sogar einer grundlegenden Änderung unseres Klimas gegenüberstehen. Einigkeit besteht nur darüber, daß die anormale Wetterentwicklung durch Vorgänge in der Erdatmosphäre bedingt ist. Veränderungen auf der Erdoberfläche, wie Dränagen, Kanalisierung von Flußläufen, Abholzung von Wäldern, kurz Veränderung von Faktoren, die die Wirkung der Sonneneinstrahlung und der durch sie hervorgerufenen Luftströmungen beeinflussen, mögen zwar eine gewisse Rolle spielen, doch liegen die tieferen Ursachen des ungewöhnlichen Wetters zweifellos in Störungen der allgemeinen Zirkulation der Erdatmosphäre. Diese Zirkulation zeigte im letzten Sommer eine deutliche Schwächung, deren letzte Ursachen schwer zu bestimmen sind, weil in ihr so viele Einflüsse sich verstärkend und schwächend überlagern, daß wir mit unseren Mitteln nicht herausfinden können, welcher davon der eigentlich steuernde ist. Möglicherweise sprechen hier Sonnenflecken oder andere Erscheinungen des Kosmos mit. Man weiß aber, daß solche Schwankungen des atmosphärischen Kreislaufs in bestimmten Rhythmen auftreten. Die letzte große unter den Trockenperioden, die jeweils zugleich Perioden verstärkter Temperatur- und Klimagegensätze zwischen Sommer und Winter sind, lag um 1860; um 1930 war eine maritime Feuchtigkeitsperiode mit vermindertem Sommer-Winter-Gegensatz festzustellen, und seitdem steigen die Temperaturgegensätze zwischen Sommer und Winter wieder an. Die Erkenntnis, daß es sich hier um Klimaschwankungen handelt, wie sie auf der ganzen Erde nachzuweisen sind, bedeutet die Gewißheit, daß wir kaum mit einer weiter fortschreitenden Verschlechterung unseres Klimas zu rechnen haben. Nach der Meinung Dr. Loßnitzers, des Leiters der bioklimatischen Abteilung des Deutschen Meteorologischen Dienstes in der französischen Besatzungszone, haben wir zwar noch mehrere Jahre lang mit zunehmendem Kontinentalklima zu rechnen, doch dürften sich so starke Schäden wie 1946/47 kaum wiederholen, weil sie durch das Zusammentreffen besonderer ungünstiger Faktoren bedingt waren.

Für die langfristige Wettervoraussage darf man sich von solchen periodischen Erscheinungen aber nicht allzuviel erhoffen. Die Meteorologen haben nämlich eine ganze Reihe von Perioden verschiedener Längen erkennen zu können geglaubt — solche von sechs, von elf, von fünfzehn, sechzehn, achtzehneinhalb, vierundzwanzig Jahren, von dreiunddreißig bis sechsunddreißig, von vierundvierzigeinhalb, ja von neunundachtzig Jahren –, und wenn sie alle zutreffen, so bringen sie eine vielfältige Überschneidung mit sich, die teilweise die Einflüsse einer jeden von ihnen wieder aufheben.

ACHTHUNDERTJÄHRIGE PERIODEN?

Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch noch viel längerdauernde Klimaperioden hier eine Rolle spielen. Und hier hat nun die Vorgeschichtsforschung Feststellungen gemacht, die von geradezu bestürzendem Charakter sind. Sie glaubt nämlich in der ganzen überschaubaren Geschichte des europäischen Raumes Klimaperioden von achthundertjähriger Dauer erkennen zu können.

Landeskonservator D.O. Paret, Ludwigsburg, geht von der Erkenntnis aus, daß die im Bodensee und in anderen Voralpenseen erhaltenen Pfähle, die irrigerweise auf Pfahlbauten zurückgeführt werden, nur die Wand- und Eckpfosten ebenerdiger Hütten und Siedlungen auf trockenem Boden waren, daß es also an diesen Seen einmal eine hundert bis zweihundert Meter breite Randzone mit Strandsiedlungen gegeben hat und der Wasserspiegel offenbar mindestens fünf Meter niedriger gelegen hat als heute. Das setzt aber eine Trockenzeit von mehreren Generationen Dauer voraus. Da es solche „Pfahlbauten“ zweimal gegeben hat, einmal um rund 2000 vor Christus und später wieder um 1200 vor Christus, haben offenbar zwei große Klimaschwankungen bestanden, die um etwa achthundert Jahre auseinanderlagen. Beide haben zu großen Völkerbewegungen geführt: die verödeten Steppen zwangen ihre Bewohner, in feuchtere, fruchtbarere Gebiete vorzudringen.

Aber auch für andere Völkerwanderungen waren nach Dr. Paret Trockenzeiten die Ursache. Um 400 vor Christus die Keltenwanderung, um 400 nach Christus die große germanische Völkerwanderung, und wieder achthundert Jahre später war erneut eine trockene und warme Zeit zu verzeichnen. In Skandinavien hat man nun bei der Erforschung der Vegetation von Mooren ähnliche Feststellungen gemacht. In solchen Mooren sind ausgeprägte „Trockenhorizonte“ zu verzeichnen, das heißt Ablagerungen aus Zeiten der Erdgeschichte, in denen Trockenheit herrschte und die Flora sich den veränderten klimatischen Verhältnissen angepaßt hatte. Solche Horizonte finden sich nun nach den Feststellungen skandinavischer Forscher für die Zeiten um 3700, 2900, 2300, 1200 und 600 vor Christus sowie für 400 und 1200 nach Christus. Auch hier prägt sich also — mit gewissen Schwankungen — ein etwa achthundertjähriger Rhythmus aus. Man hätte also für die Zeit um das Jahr 2000 die nächste große Trockenzeit zu erwarten. Wobei ein Spielraum von einigen Dutzend Jahren in Rechnung zu stellen und auch zu berücksichtigen wäre, daß eine Trockenzeit in diesem Sinne nicht nur aus niederschlagsarmen oder -freien Jahren und Jahrzehnten zu bestehen braucht, sondern bereits eine geringfügige Verringerung der jährlichen Niederschläge, ja sogar ihre veränderte Verteilung über die Monate, bei gleichbleibender Höhe die Wirkungen einer Trockenperiode hervorzubringen vermag.

IM NORDEN WIRD ES WÄRMER

Für eine umfangreichere und längerdauernde klimatische Veränderung in unseren Breiten sprechen auch Beobachtungen, die in den Ländern und Meeren des hohen Nordens seit einer Reihe von Jahren gemacht worden sind. Dazu gehört zum Beispiel, daß die sogenannte nordöstliche Durchfahrt, das heißt die Fahrt vom europäischen Eismeer um Sibirien herum nach dem Stillen Ozean, seit fast zwanzig Jahren immer häufiger und ungefährdeter zurückgelegt werden konnte, während sie früher nur in ganz wenigen Jahren im Sommer möglich war. Die Gletscher auf Spitzbergen, in Franz- Josefs- Land, auf Nowaja Semlja sind erheblich zusammengeschmolzen, im Eismeer sind Fischarten aufgetreten, die sonst nur in wärmeren Gewässern zu finden waren, bei Spitzbergen ist die Wassertemperatur in den letzten Jahren ständig um einige Zehntel Grad im Jahr gestiegen. Nach Prof. Dr. B. Hennig lassen alle diese Anzeichen auf eine Verlagerung der Klimazonen schließen. Insbesondere drückt sich darin die Verschiebung des sonst in der Gegend der Azoren liegenden Hochdruckgebietes bis nach Nordeuropa und über die Ostsee hin aus, die in Deutschland die fast ständige Neigung zu östlicher Luftströmungen mit heiterem Himmel, eisigen Ostwinden im Winter und starker Sonneneinstrahlung im Sommer, im hohen Norden dagegen stärkere Luftströmungen aus Süd und West zur Folge hatte.

UND DER HUNDERTJÄHRIGE KALENDER?

Es wäre wirtschaftlich von hoher Bedeutung, auf Grund solcher und anderer Anzeichen genauere Voraussagen über das Wetter der kommenden Jahre machen zu können; denn es könnte vieles geschehen — man denke an künstliche Bewässerung, an die Züchtung trockenfester Getreide- und Gemüsearten und dergleichen mehr –, um einer Katastrophe jenes Umfanges, wie sie zur Zeit der Völkerwanderung nach obigen Annahmen eingetreten war, vorzubeugen. Ja schon die Voraussage auf einige Wochen oder Monate wäre von unschätzbarem Wert. Die Meteorologen aus Neigung und vom Fach haben sich oft um die Langfristprognose bemüht. Der berühmt gewordene „Hundertjährige Kalender“ ist nur einer ihrer Versuche. 1701 erschien er unter dem Titel „Kurioser Kalender, welcher auf das Jetzige Säkulum 1701 bis 1801 abgestellt ist“. Später entstand dann die Auffassung, die Witterung werde sich nach jeweils hundert Jahren genau wiederholen. Daß der Verfasser dieses Kalendariums, wenigstens der zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschienenen neuen Ausgabe, diese Auffassung selber nicht teilte, geht daraus hervor, daß er sich Tiehrhawnu nannte, womit er allen, die seinen Namen rückwärts lasen, keinen Zweifel an seiner eigenen Meinung ließ. Das Jahrhundert ist eine vom Menschen gewählte Zeiteinheit, und es ist nicht einzusehen, warum sich die Natur in ihrer Periodizität dieser aus praktischen Gründen gewählten Periode anpassen sollte. Wie bereits dargetan, spielt denn auch in den von den Meteorologen aufgefundenen Wetter- und Klimaperioden die Zahl 100 keine Rolle. Tatsächlich ist es heute trotz eines ausgedehnten Netzes von Wetterdienststellen, trotz Einbeziehung der höheren Luftschichten in die meteorologischen Beobachtungen, trotz Nutzbarmachung der modernen Nachrichtentechnik und Anwendung einer größeren Anzahl von Erfahrungsregeln, die es gestatten, aus der Diagnose einer gegebenen Wetterlage auf die künftige Entwicklung zu schließen, nicht möglich, eine einigermaßen zuverlässige Voraussage für länger als vierundzwanzig Stunden zu machen, und selbst diese ist nicht vor Fehlprognosen sicher.

DIE DETERMINISTISCHE AUFFASSUNG

Es fragt sich, ob diese Unvollkommenheit der Prognose grundsätzlicher Art oder nur auf Mängel der Meß-, Beobachtungs- und Berechnungsmethodik zurückzuführen ist. Schon vor vierundzwanzig Jahren hat der bedeutende norwegische Meteorologe V. Bjerknes die Bedingungen für eine rationelle Lösung des Prognoseproblems formuliert: man muß erstens den Zustand der Atmosphäre zu einem gegebenen Zeitpunkt genügend genau kennen, und man muß zweitens die Gesetze hinreichend genau kennen, nach denen sich ein atmosphärischer Zustand aus dem anderen heraus entwickelt. Die erste dieser Bedingungen läßt sich mit Hilfe der heutigen „synoptisch- aerologischen Diagnose“ wenigstens für Teilgebiete der Erde erfüllen. Zur Erfüllung der zweiten steht ein im Prinzip universelle Geltung beanspruchendes System von sieben Gleichungen der Hydro- und Thermodynamik für die Bestimmung der sieben Wetterelemente (Druck, Temperatur, Luftdichte, Leuchtfeuchte und die drei Windkomponenten) zur Verfügung. „Durch diese Gleichungen … werden die Probleme der dynamischen Meteorologie in mathematischer Hinsicht bestimmte Probleme, die von theoretischer Seite her mit Aussicht auf Erfolg nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ angegriffen werden können“, äußerte Bjerknes später. Die atmosphärische Idealzirkulation sei in ihrem gesetzmäßigen Verlauf ein Gegenstück zu der Keplerschen Planetenbewegung, die Störungen dieser Zirkulation bedingten die Wetterveränderungen — das war seine Auffassung, und er gelangte zu dem Schluß, das Prognoseproblem sei zwar mathematisch schwierig, aber grundsätzlich lösbar. Dieser Betrachtungsweise haben andere bedeutende Meteorologen Zweifel entgegengestellt, die dahin gehen, die Prognose enthalte auch objektive Unsicherheiten.

DIE „RANDBEDINGUNGEN“ FEHLEN

Was- die heutige theoretische Meteorologie zu der skizzierten deterministischen Auffassung vom Prognoseproblem zu sagen hat, geht aus einer vertieften Analyse dieser Frage hervor, die wir dem Direktor des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität Berlin, Prof. Dr. Hans Ertel, verdanken. Seine Untersuchungen zeigen, daß man zwischen einer Voraussage für die ganze Erde, beziehungsweise die ganze Atmosphäre und einer solchen, die sich auf ein Teilgebiet der Erde, beziehungsweise der Atmosphäre beschränkt, unterscheiden muß. Während nämlich im ersten Fall nur die natürlichen Grenzflächen des Luftmeeres zu berücksichtigen sind, nämlich die Erd- oder Meeresoberfläche als untere Begrenzung und der Übergang von der Atmosphäre in den Weltenraum als obere Grenze, kommen bei der Voraussage für ein begrenztes Teilgebiet noch die willkürlichen Grenzen hinzu, die durch die Kartenränder des betrachteten Gebietes gegeben sind. Um eine Prognose für ein begrenztes Gebiet geben zu können, benötigt man aber außer dem Ausgangszustand noch die sogenannten Randbedingungen, das heißt man muß die atmosphärischen Verhältnisse an den Rändern des betrachteten Gebietes kennen, und zwar nicht nur für den Anfangszeitpunkt, sondern auch für das gesamte Zeitintervall, für das die Prognose gelten soll. Die Prognose für das Innere eines begrenzten Gebietes wird damit also abhängig von der Voraussage der an seinen Rändern für den Prognosezeitraum herrschenden atmosphärischen Zustände. Für eine solche Voraussage stehen uns aber grundsätzlich keine Möglichkeiten zur Verfügung. Eine sichere Wettervoraussage ist also für ein Teilgebiet der Erde, beziehungsweise der Atmosphäre nicht möglich.

EIN WELT-WETTERINSTITUT?

Anders liegen die Dinge, wenn man die ganze Erde, beziehungsweise Atmosphäre betrachtet. Hier fallen alle willkürlichen Grenzen fort, und man braucht nur die natürlichen Begrenzungen der Atmosphäre nach unten und oben zu berücksichtigen. Für diese natürlichen Grenzen gibt es aber eine Reihe von zeitlich unveränderlichen „Randbedingungen“, wie etwa die, daß der Wind der unteren Begrenzung stets tangential gerichtet sein muß (da er nicht in die Erde hinein- und nicht aus ihr herauswehen kann), oder die, daß an der oberen Grenze Luftdruck und -dichte verschwinden. Grundsätzlich sind dann alle Wetterelemente berechenbar, wenn man die Sonnenstrahlung im voraus kennt und der Strahlungsaustausch zwischen Atmosphäre und Erdboden, beziehungsweise Ozean bekannt ist. Das Prognoseproblem wird zum Teil ein geophysikalisches, zum Teil ein astrophysikalisches Problem.

Wenn es genialen Mathematikern gelänge, das sich hieraus ergebende System von mathematischen Gleichungen zu lösen, so müßte man also die Wetterentwicklung auf der ganzen Erde für alle künftigen Zeiten vorausberechnen können. Da aber die dafür erforderlichen Voraussetzungen, das heißt eine von Beobachtungsfehlern freie Ermittlung des Anfangszustandes, unmöglich völlig genau erfüllt sein könnte, wäre das Ergebnis immer nur für eine begrenzte Zeit gültig und müßte mit neuen Anfangszuständen immer wieder neu berechnet werden. Die umfangreichen Rechenarbeiten derartiger Prognosen würden ein „Welt-Wetterinstitut“ mit Millionen von Rechnern erfordern, an dessen Verwirklichung nicht zu denken ist.

Glücklicherweise sind aber die Forderungen des praktischen Lebens großzügiger als die der Wissenschaft. Sie lassen eine gewisse Schwankungsbreite der prognostizierten Werte zu. Das bedeutet: die prinzipielle Unmöglichkeit wissenschaftlich exakter Prognosen für Teilgebiete der Erde schließt nicht aus, daß man einmal für die Praxis genügend genaue regionale Prognosen wird aufstellen können. Das Netz der meteorologischen Stationen in der Arktis wird immer dichter, und wenn schließlich das Nordpolargebiet mit genügend Stationen überzogen sein wird, wird die Meteorologie die Atmosphäre über der ganzen nördlichen Erdkugel beherrschen, ein Teilgebiet, das nur noch einen Rand, die Subtropen, aufweist. Wenn dann noch eine aerologische Kontrolle der Subtropen hinzukommt, wird man vermutlich auch ohne Welt-Wetterinstitut in der Lage sein, für die Gebiete unserer Breiten kurzfristige Prognosen aufzustellen, die den Forderungen des praktischen Lebens immer besser entsprechen.

4 Kommentare »

  1. Hallo Herr Abel,

    ich bin durch einen Link bei Telepolis auf diesen Artikel gestoßen! Der Zeitungsartikel hat eine fachliche Tiefe, die man im heutigen Zeitungswald so nicht mehr findet. Schön, das alles mal aus der Sicht von 1948 dargestellt zu bekommen! Welche Theorien konnten sich denn bis heute halten, welche gelten als widerlegt?

    Comment by Andreas Imhoff — 30. Juli 2008 @ 21:01

  2. Hallo Herr Imhoff,

    nun ja, man kann auch in dem heutigen Zeitungswald Artikel mit entsprechend fachlicher Tiefe finden, nur sind sie nicht mehr so leicht zu finden.

    Das Erstaunliche ist, dass hier beinahe alle Theorien auch in der heutigen Meteorologie noch angewendet werden können. Nur den 800-jährigen Zyklus kann man nicht wirklich nachweisen, wenn man noch weiter in der Klimageschichte zurückblickt (was mittlerweile durch Bohrkernuntersuchungen im Eis ja wesentlich besser machbar ist). So fehlt zurzeit noch die Trockenheit um das Jahr 2000 und wird wohl demnächst auch nicht eintreten.

    Dennoch sind die restlichen Ansätze auch heute noch in der Meteorologie zu finden und haben durchaus Existenzberechtigung.

    Comment by Frank Wettert — 31. Juli 2008 @ 5:43

  3. Klimawandel aus historischer Sicht (1948)…

    Sie meinen, die Diskussion um den Klimawandel und der drohenden Katastrophe in der Zukunft ist neu? Ich empfehle Ihnen, sich diesen Auszug aus der Zeitschrift Athene durchzulesen. Sie erschien in Berlin nach dem Ende des zweiten Weltkriegs für etwa zw…

    Trackback by newstube.de — 31. Juli 2008 @ 12:15

  4. […] von morgen eingepasst werden. Nicht so lang natürlich, denn so lang schrieb man anno 1948, das Jahr, in dem der Artikel in der Zeitschrift “Athena”, Heft 5, S. 15-19, erschien. … Quelle: […]

    Pingback by Readers Edition » Immer Ärger mit dem Wetter — 1. August 2008 @ 3:15

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

Hinterlasse einen Kommentar