Klima ist kein Wetter: offener Brief an die Rundschau

Jan 10, 2008 @ 05:52 pm by Frank Wettert

Es ist unglaublich, wie weit das Unwissen mittlerweile voranschreitet. Grundsätzlich verfolgt ja jeder Journalist das Ziel, die Menschheit aufzuklären. Sollte man meinen. Insbesondere kann ich doch dabei voraussetzen, dass jemand, der über Klima schreibt, auch weiß, was Klima ist. Und was lese ich da gerade in der Kölnischen Rundschau?

Mildes Klima am Freitag

Bochum – Im Grenzbereich zwischen einem Tiefdruckkomplex über Nordwesteuropa und hohem Luftdruck im Südosten muss man sich…

Lassen Sie mich es bitte genau so schreiben, wie ich mich fühlte, als ich das las:

Bewertungsabteilung:
YiGG
Webnews

 

 

Ächz!

 

Daher erlauben Sie mir, folgenden offenen Brief an die Rundschau-Redaktion zu richten:

 

 

Kölnische Rundschau
Neven DuMont Haus
Amsterdamer Straße 192
50735 Köln

Klima ist nicht Wetter: Ihre Meldung vom 10.01.08, 13:17

Lieber Journalist, der für die dpa oder die Rundschau arbeitet und der Sie in einem Anfall von Ehrgeiz versuchten, das medienwirksame Wort Klima in die Pressewelt zu schleudern, bitte lassen Sie sich erklären, was Stammleser meines Blogs sehr wahrscheinlich schon wissen:

Klima ist nicht Wetter, hat nichts mit Wetter zu tun und wird nie Wetter sein.

Als Recherche-Tool habe ich noch einmal einen Eintrag aus Meyers Lexikon herausgesucht, der den Begriff Klima einfach definiert:

Klima [griechisch-lateinisch clima »Neigung (zum Äquator)«] das, der mittlere Zustand der Atmosphäre über einem bestimmten Gebiet und der für dieses Gebiet charakteristische (durchschnittliche) Ablauf der Witterung. Wegen der Schwankungen ist das Klima nur für bestimmte Zeiträume, z. B. für die als Normalperiode angenommene Zeit von 1961 bis 1990, streng definiert.

Witterung wiederum ist ein Begriff für alle möglichen Wettererscheinungen über einen bestimmten Zeitraum. Damit schraubt mir die Überschrift “Mildes Klima am Freitag” förmlich die Augen aus dem Kopf.

Um Ihnen, lieber Herr Schreiberling, einmal einen Eindruck zu geben, wie weh mir das tut, gebe ich Ihnen eine Parallele: stellen Sie sich vor, Sie haben einen Volontär, der einen Wirtschaftsbeitrag schreiben soll. Mit siegessicherer Miene legt er Ihnen folgende Überschrift vor:

Diesen Samstag Weltwirtschaftskrise im Eiscafé Müller, Ecke Langstraße

Würden Sie diese Überschrift so durchgehen lassen?

Ich frage mich ernsthaft, wie ernst wir eine Berichterstattung zu Klima- und Wetterthemen nehmen sollen, wenn es alleine am Verständnis der Grundbegriffe schon hapert.

 

Mit mittlerweile amüsiertem Gruß,

Frank Abel.

1 Kommentar »

  1. Ein amüsantes sowie erschreckendes Beispiel zu dem Tiniff, den die Medien tagtäglich von sich geben.

    Schön, wenn das “Web 2.0″ den “old media” ‘was beibringen kann :)

    In diesem Sinne * es lebe der User Generated Content *

    Grüße aus Berlin ^^

    Kommentar by AlexK — 11. Januar 2008 @ 11:34

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