“Kachelmann kennt sich einfach nicht aus”

Okt 23, 2007 @ 09:35 am by Frank Wettert

Bewertungsabteilung:
YiGG
Webnews

Thomas Bucheli ist Meteorologe des öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehens und Leiter der Wetterredaktion SF Meteo. Nach heftiger Kritik, die er sich vor allem von Jörg Kachelmann anhören musste, wetterte er nun in der aktuellen Ausgabe der Fernsehzeitschrift TV-STAR zurück. Da diese Zeitschrift hierzulande nur schwer erhältlich ist, ein paar Auszüge.

Thomas Bucheli: Angekachelt von Sturmtief “Jörg”. Titel der TV-Star Nr. 43/2007

 

[...]

TV-STAR: SF Meteo arbeitet ja mit Meteo Schweiz zusammen. Jörg Kachelmann von Meteomedia sagt, dass Meteo Schweiz zu wenig Wetterstationen hat, um eine verlässliche Prognose abzugeben. Hat er Recht?
Thomas Bucheli: Diese Aussage von Kachelmann ist falsch – offenbar kennt er sich einfach zu wenig aus. Oder er will die Leute für dumm verkaufen. Einerseits gibt es heutzutage viel bessere Messverfahren als nur jene über die klassische Wetterstation. Andererseits steht die Schweiz hinsichtlich Wettermessung und Beobachtung im internationalen Vergleich hervorragend da. Wenn Kachelmann seine Wetterstationen medienwirksam dem Publikum verkaufen will, dann soll er das. Doch ich habe etwas dagegen, wenn er die Öffentlichkeit mit fachlich inkorrekten Informationen in die Irre führt – das widerspricht meiner Ethik als Wissenschaftler und Meteorologe.

Es braucht also keine zusätzlichen Wetterstationen?
Wer wirklich gute und zuverlässige Prognosen machen will, braucht dazu ein möglichst fein aufgelöstes Wettermodell, ein sogenanntes Fine-Mash-Modell. Deshalb setzen die großen Wetterdienste heute primär und mit großem Ehrgeiz auf solche Lokalmodelle. Wetterstationen dienen vor allem noch zur Kontrolle der Prognose. Also im Nachhinein. Natürlich kann man sie auch für eine automatische Erstellung von Punktprognosen verwenden, für sogenannte Model Output Statistics (MOS-Prognosen). Aber selbst diese sind höchstens so gut wie das ihnen zugrunde liegende Wettermodell. Kurzum: Wetterstationen spielen nur eine sekundäre Rolle bei der Erstellung von Wetterprognosen.

Wie stark verfolgen Sie denn die Prognosen von Jörg Kachelmann?
Spätestens seit dem “Lothar“-Sturm wissen wir, dass sich Herr Kachelmann gerne als der beste Wetternachhersager in Szene setzt. Ganz nach dem Motto: “Ich habe zuerst gewarnt!” Was jeweils unkritisch von den Medien übernommen wird, notabene, da diese es offenbar weder genauer wissen noch kontrollieren wollen. Also verfolgen wir weiter alle seine Prognosen und sein Warnsystem – vor allem bei Unwettern. Und haben festgestellt, dass er praktisch immer irgendwo vor irgendetwas warnt. Und das ist natürlich praktisch, denn damit ist die Chance groß, dass es irgendwann einen Treffer gibt. Von all den überflüssigen Warnungen spricht ja nachher keiner mehr.

Warum diese Emotionen bei Ihnen, wenn es um Kachelmann geht?
Schauen Sie, seit dem Abschluss meines Studiums setze ich mich dafür ein, den Leuten zu zeigen, wozu die moderne Meteorologie in der Lage ist. Aber ich will auch zeigen, wo – selbst heute noch – die Erwartungen zu hoch angesetzt sind. Da kann ich es einfach nicht gut finden, wenn irgendein begnadeter Selbstdarsteller daherkommt und verkündet, er habe das Geheimnis für die 100-Prozent-Trefferquote gefunden. Wir wissen ja aus anderen vergleichbaren Branchen, wie unseriös solche Versprechen letztlich sind. Das gilt eben auch für die Meteorologie.

Sie haben ja früher für Kachelmann gearbeitet. Haben Sie seit seinen massiven Vorwürfen wieder mal persönlichen Kontakt gehabt?
[...]

Mehr von Thomas Bucheli im Meteo Blog von SF Meteo. Das komplette Interview ist in der TV-Star Nr. 43/2007 zu lesen (Hier der Link auf die aktuelle Ausgabe).

9 Kommentare »

  1. Der Webnews-Link unter “Bewertungsabteilung” scheint nicht zu funktionieren.

    Kommentar by Marco — 23. Oktober 2007 @ 10:28

  2. who the f*** cares?
    Auch “schlechte” Presse ist wirksam. Watt ein Glück für “he who must not be named” dass selbst die sauersten Ex-Weggefährten ihm noch in die Hände spielen :o )))

    Fazit: Kindergarten

    Kommentar by Katharina — 23. Oktober 2007 @ 10:35

  3. Vielleicht spielt ihm “schlechte” Presse Leute zu.

    Aber welche Art von Leuten wird denn dort angespült? Sollte meine finanzielle Zukunft davon abhängen, werde ich meinen Schlitten bestimmt nicht an die Hunde hängen, die am lautesten kläffen.

    Fazit: Dieter Bohlen.

    Kommentar by Frank Wettert — 23. Oktober 2007 @ 10:46

  4. Danke, Marco. Der Link ist jetzt korrigiert.

    Kommentar by Frank Wettert — 23. Oktober 2007 @ 10:47

  5. Leute? wohl kaum

    Kommentar by Katharina — 23. Oktober 2007 @ 11:23

  6. Das mit den Unwetterwarnungen habe ich als Laie auch schon selbst festgestellt. Seit Kachelmann weiß ich: eine Unwetterwarnung in den Nachrichten bedeutet – es wird ordentlich regnen und dabei etwas Wind geben.

    Kommentar by Beatrix — 23. Oktober 2007 @ 11:39

  7. [...] Jörg Kachelmann ist man ja schon einiges gewohnt. Er versteht es aber immer noch eins drauf zu setzen. Jetzt meldet [...]

    Pingback by Wetter-Center.de Blog » Blog Archiv » Kachelmann’s Sexgeschichten: Wie tief kann man sinken? — 3. November 2007 @ 13:15

  8. [...] Sie mal, Herr Kachelmann, Medien-Experte: macht man so Schlagzeilen? Previous post / Kategorie Wettert kurz [...]

    Pingback by Kachelmanns Sex-Geschichten: unten angekommen? » Frank Wettert — 3. November 2007 @ 19:53

  9. [...] “Kachelmann wirft Wetterdienst Versagen vor” (25.02.08) Der DWD habe vor dem Orkan in der Nacht zum Samstag, der sich zum schwersten Sturm des Jahres im Norden Deutschlands entwickelte, nicht gewarnt, so Kachelmann […] Der Sturm über der Ostsee hatte am Freitagabend in Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Bäume, Strom- und Telefonmasten umgeknickt sowie Dächer abgedeckt. Von großflächigen Stromausfällen und Verkehrsbehinderungen wie in Schweden und Polen blieb Deutschlands Norden jedoch verschont. [...]

    Pingback by Was Kachelmann Wetterdiensten alles so vorwerfen kann » Frank Wettert — 26. Februar 2008 @ 8:00

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