Industrie-Schnee, oder: warum es gestern im Ruhrgebiet weiß wurde

Dez 21, 2007 @ 09:15 am by Frank Wettert
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“Kannze ma sehen”, höre ich den von mir exemplarisch immer gern herangezogenen Rentner an der Bushaltestelle sagen, “dass de Heinis im Radio und Fernsehen vons Wetter überhaupt keine Ahnung haben. Die erzähln Dir inne Wettervorhersage wat von blauen Himmel, ne, und wat is nu? Hier bei uns hasse auf einma Schnee anne Zeche.”

Tatsächlich fielen gestern im Ruhrgebiet bis zu 5 Zentimeter Schnee. Das Niederschlagsradar hat ihn nicht gezeigt, er wurde nicht angekündigt, trotzdem sah es zum Beispiel in Bochum so aus:

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Industrieschnee in Bochum am 20.12.07, Fotos aus dem Wetterzentrale-Forum

Diesen Schnee kann kein Vorhersagemodell vorhersagen, denn er fällt aus sehr geringer Höhe, etwa aus 100 bis 200 Metern. In dieser Höhe bleibt er also dann auch “unter dem Radar” im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie entsteht Industrieschnee?

Dieser Schnee braucht vier Komponenten, um zu Boden zu sinken:

  1. Ordentlichen Frost am Boden
  2. Feuchte Luft (Hochnebel) in einem Hochdruckgebiet (über den Wolken wird die Luft dann wärmer)
  3. In 200 Metern Höhe eine Temperatur zwischen -5 und -7°C.
  4. Industrieanlagen, die ordentlich Wasserdampf aus den Schornsteinen pusten

Diese Winterüberraschung wird ungefähr so produziert: aus dem Wasserdampf, der aus Kühltürmen oder sonstigen Fabriken qualmt, werden an der Schornsteinspitze Tropfen, die dann ein bisschen vom Wind abtransportiert werden. Ist noch genug Staub in der Luft, so wird dieses Wasser zu kleinen Eiskristallen, die dann langsam zu Boden sinken.

So entsteht Industrieschnee. Quelle: MeteoSchweiz

Der Industrieschnee kommt also nie in dicken Flocken vom Himmel auf Sie, sondern ist sehr fein und pulverig und pappt höchstens auf der Erde wieder zusammen. Denn richtige Schneeflocken mit ihren typischen Kristallen brauchen einen Fallweg von mehr als einem Kilometer, um diese Struktur zu bekommen. Übrigens funktioniert eine Schneekanone ziemlich ähnlich, mit dem Unterschied: hier wissen Sie vorher, wann Sie Ihre Schnee-Tischdecke bestellen.

5 Kommentare »

  1. Ich geh Kaputt, was das alles gibt. Und das ist von Menschenhand gemacht. Wieso ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen damit die drohende Klimaerwärmung zu verhindern. Wäre doch eine alternative zu nuklearen Winter, und nicht so ungesund!

    Comment by HmBob — 22. Dezember 2007 @ 2:10

  2. Schneefall im Bochumer Norden (und nicht im Süden)…

    Vorgestern gab es in Bochum ein kleines Wetterphänomen – in zahlreichen Stadtteilen schneite es, in vielen anderen aber nicht. Witzig waren dahingehend diverse “Zwitschereien” via Twitter, wo einzelne Bochumer eben vom Schneefall bzw. …

    Trackback by Pottblog — 22. Dezember 2007 @ 11:09

  3. Ciao Frank, da gibbet ma Schnee im Pott und ich bin nicht mehr da :-( Daher Grüße anne Familie und frohes Fest sowie n gutes Neues. Jenseits der Alpen grüßt Dein Ex-Kollage Dennis

    Comment by Dennis — 22. Dezember 2007 @ 16:38

  4. “Wieso ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen damit die drohende Klimaerwärmung zu verhindern.”

    Das kapiere ich jetzt nicht. Wie soll das funktionieren?

    Comment by Jens — 6. April 2008 @ 13:10

  5. Berechtigte Frage, Jens. Die einzige Abkühlung, die ich mir vorstellen könnte wäre die, die durch die erhöhte Refklektion der Sonnenstrahlen am Schnee entstehen würde (die so genannte Albedo). Allerdings muss es ja für die Entstehung von Industrieschnee schon kalt sein. Also alles eine sehr konstruierte Angelegenheit ;)

    Comment by Frank Wettert — 6. April 2008 @ 15:07

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