Hochnebel: warum “Hoch” nicht immer Sonne heißt
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Vielleicht hören Sie es in den kommenden Herbst- und Wintermonaten wieder häufiger in den Wetterberichten von Radio und Fernsehen: “nach Auflösung von Nebel- und Hochnebelfeldern scheint gelegentlich die Sonne…”
Hochnebel? Ich habe bemerkt, dass viele dieses Wort zwar gehört haben, sich aber keine genaue Vorstellung davon machen. Es mag vermutlich daran liegen, dass diese Wettererscheinung so ziemlich die unspektakulärste ist, die es gibt.
1. Hochnebel: Wie sieht er aus?
Sollte ich beschreiben, wie ich mir die perfektionierte Langeweile ausmalen sollte, so wäre Hochnebel garantiert bei den erstgenannten (womit mein allgemeiner meteorologischer Schädigungsgrad ebenso hinreichend beschrieben wäre). Hochnebel ist eine graue, beinahe strukturlose Wolkenpampe, die an Herbst- und Wintertagen einfach über dem Land liegt:

Hochnebel über dem Palomar Mountain, Kalifornien, USA, aufgenommen am 6. Januar 2005 von Abraxas3d und gefunden auf Flickr
Ah! Jetzt haben Sie ein Bild dieses Graus vor Augen, oder? Ich assoziiere damit sofort den Tageshimmel über dem Weihnachtsmarkt. Komischerweise konkretisiert sich gerade das Bild, wie ich meinen traditionellen Glühwein schlürfe, nachdem der letzte Geschenkeinkauf geklappt hat. Entschuldigen Sie, ich schweife ab.
Es gibt nämlich auch sehr hübschen Hochnebel, der besonders bei den Bergsteigern bekannt ist:

Hochnebel über Grindelwald in der Schweiz von M@rcel1, gefunden auf Flickr
2. Hochnebel: wie entsteht er?
In der Überschrift war ich so frei, Ihnen bereits zarte Andeutungen zu machen: es hat häufig mit einem Hochdruckgebiet zu tun. Heute ist so ein Hoch bei uns, es heißt Paula. Sie möchten Paula kennen lernen? Dann sagen Sie ihr “guten Tag”:
Normalerweise erwartet man bei so einem kräftigen Hoch natürlich, dass der Goldene Oktober Bahn bricht und unsere Herzen gar zweitfrühlingshaft aufflimmern lässt. Dies ist heute aber nicht überall der Fall. Gerade in der Nordhälfte hat sich eben diese graue Pampe gebildet, die von der Nordsee hereinsickert. Das sieht vom Weltraum übrigens so aus:

Satellitenaufnahme des Hochnebels am frühen Morgen des 9.10.07. Ein Klick auf das Bild zeigt eine aktuelle Version. © NOAA
Sehr schön sehen Sie das dichte Wolkenfeld, das von der Nordsee über Norddeutschland bis nach Polen reicht. Wie kommt es aber dazu? Nun, im Hochdruckgebiet sinkt die Luft aus der Höhe ab. Dabei erwärmt sie sich. Irgendwo gibt es also einen Bereich, wo die Temperatur mit der Höhe nicht mehr sinkt, sondern steigt. Das nennt man Inversion.
Die Inversion sieht ein bisschen aus wie ein Deckel, oder? Genau so können Sie sich das auch vorstellen: die Luft kann nicht mehr aufsteigen, sondern so eine Inversion funktioniert wie eine Trennschicht. Werden die Nächte dann noch im Herbst immer länger, so kann sich die Luft vom Boden her abkühlen. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo die Luft so kalt ist, dass das Wasser kondensiert, genau wie an einer Coladose, die Sie aus dem Kühlschrank holen. Mit anderen Worten: es bildet sich Nebel oder Hochnebel. Genau so sah die Lage in der vergangenen Nacht aus:

Radiosondenaufstieg vom 9.10.07, 2 Uhr MESZ an der Station Lindenberg © WetterOnline
Das geht übrigens besonders einfach, wenn dazu noch Feuchtigkeit nachgeliefert wird, wie in diesem Fall von der Nordsee.
3. Warum Hochnebel vorherzusagen einfach doof ist
Sie sind nun also geläutert. Sie springen nicht gleich voller Vorfreude durch Ihr Wohnzimmer, verkündet der Nachrichtensprecher ein kräftiges Herbst- oder Winterhoch. Apropos Winter: da kann sich Hochnebel auch über mehrere Tage halten, und der ist dann so dicht, dass Sie auch dazu schönen Sprühregen oder Schneegriesel gratis geliefert bekommen.
Hochnebel vorherzusagen ist eins der schwierigsten Dinge, die es überhaupt gibt. Ein paar kleine Änderungen reichen aus, dass diese dünne Wolkendecke aufreißt, dann kann ziemlich schnell ziemlich viel Sonne scheinen. Genauso kann er sich nach schönen Wintermorgen aus dem Nichts heraus bilden.
Ich erinnere mich da noch sehr genau an die Anekdote eines Kollegen: es war ein Wintersonntag, alle Vorhersagemodelle versprachen eitel Sonnenschein, draußen ein stahlblauer Himmel. Besagter Kollege schwärmt dem Radiomoderator von all den schönen Dingen vor, die an einem solchen Tag möglich sind: Spaziergänge, Fahrradfahrten, die Euphorie brach sich bahn. Kaum war das letzte Interview am Vormittag gesprochen, bildete sich binnen Minuten eine Hochnebeldecke, die den gesamten Sonntag in eine graue Suppe verwandelte. Natürlich lag dann auch die Höchsttemperatur mehrere Grad unter der vorhergesagten.
Sie können sich vorstellen, dass der Nachmittag dieses von mir geschätzten und befähigten Menschen nicht gerade in Sektlaune auf dem Wannsee verbracht wurde…




Guten Tag Paula
, guten Tag Frank,
na ja, ich wollte der grauen, beinahe strukturlosen Wolkenpampe (ich will ja jetzt nicht sagen, was sich darauf reimt *völligentsetztguck*) auch mal guten Tag sagen.
Vielen Dank für diese nicht strukturlosen Erklärungen zum Hochnebel.
Ist denn nicht über jedem Hochnebel auch blauer Himmel und Sonne? Man muss doch nur Berge in der Nähe haben, die hoch genug sind, um darauf zu klettern, um den blauen Himmel auch zu sehen. Oder etwa nicht???
Habe solch tollen Hochnebel übrigens auch schon mal von oben gesehen. Unbeschreiblich, der Anblick. Nur das Durchwandern des Nebels war nicht so angenehm, irgendwie feucht.
Lieben Gruß,
Martina
Kommentar by Mamü — 10. Oktober 2007 @ 11:51
Ja, Martina, meist stimmt das. Die Höhe des Hochnebels variiert allerdings ziemlich, sodass besonders in diesem Monat noch manchmal die Alpen notwendig sind, um wirklich darüberzusteigen.
Mit der Beschreibung des unbeschreiblichen Anblicks kann ich Dir nur zustimmen…
Kommentar by Frank Wettert — 11. Oktober 2007 @ 7:12
[...] Oktober 2007: Nebel und Hochnebel in Deutschland Ein schönes Foto aus Untereisesheim in Baden-Württemberg von Michael [...]
Pingback by Wetter-Shortcuts 6. bis 12. Oktober 2007 » Frank Wettert — 12. Oktober 2007 @ 13:51
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Pingback by Wetter in Deutschland für die ganze Woche (KW 47, 19.11. bis 25.11.) » Frank Wettert — 19. November 2007 @ 10:07
[...] Luft (Hochnebel) in einem Hochdruckgebiet (über den Wolken wird die Luft dann [...]
Pingback by Industrie-Schnee, oder: warum es gestern im Ruhrgebiet weiß wurde » Frank Wettert — 21. Dezember 2007 @ 9:16