Das Wetter im Herbst 2007
(Alle Jahreszeiten-Prognosen)
Untertitel: wie man auf die Nase fallen kann, wenn man Langfristprognosen mit der Wettervorhersage für morgen verwechselt.
Wie auch in der Sommerprognose, so werde ich auch hier ein Stop rufen müssen, bevor Sie weiterlesen.
Denn Sie dürfen nicht den Fehler machen, eine Prognose, die drei Monate in die Zukunft blicken möchte, auf die gleiche Stufe zu heben wie das, was Sie im Radio für den kommenden Tag hören.
Die Luft um uns herum wabert und bewegt sich, und je nachdem, wohin Sie sich bewegt, verändert Sie etwas. Das letzte Mal, als Sie gehustet haben, oder als Sie mit Ihren liebsten gegen Ende August ein Lagerfeuer entfachten, weil Ihnen so kalt war, haben Sie etwas verändert. Von dem viel bemühten Schmetterling, der mit seinem Flügelschlag einen Hurrikan auslöst, wollen wir gar nicht erst reden.
Die Auswirkungen sind von den Modellen für den nächsten Tag noch genau vorhersehbar, mit jedem weiteren Tag wird unser Wetter aber immer schwieriger zu berechnen. Und so kann man bei Jahreszeit-Prognosen wirklich nur noch von Tendenzen sprechen. Man kann also versuchen zu prognostizieren, ob sich etwas wärmer oder kälter als normal entwickeln wird, oder ob etwas zu nass oder zu trocken ausfällt.
Und selbst dabei gibt es schon große Schwierigkeiten. Das möchte ich Ihnen an zwei Herbstprognosen zeigen. Die eine stammt vom 16. August 2007, die andere vom 27. August.
Die Herbst-Prognose von Mitte August (gleiches Datum wie die BILD-Prognose)
Vielleicht hat jemand das, was die BILD natürlich gerne verbreitet, gelesen:
BILD vom 27.08.2007: So wird der Herbst
Klar, dass BILD weiß, wie der Herbst wird. In diesem Zusammenhang übrigens lustig, dass das Regenschirmbild mit “im Herbst macht Strand wieder Spaß” untertitelt wird, während im Text der DWD richtigerweise mit den Worten zitiert wird, dass detaillierte Prognosen nur maximal zehn Tage im Voraus möglich sind.
Jedenfalls stammt diese so genannte “ECMWF Seasonal Forecast”, die nicht öffentlich verfügbar ist, aus dem gleichen Zeitraum (Mitte August) wie folgende Jahreszeiten-Vorhersage der Columbia-Universität nach dem IRI-Modell:

Der warme Bruder: Temperaturabweichungen für die Monate September, Oktober, November nach dem IRI
Selbst, wenn ich jetzt nicht auf jedes Detail eingehe, sehen Sie: alles rot, besonders in der Nordhälfte Deutschlands. Und Ihre Intuition stimmt: zu diesem Zeitpunkt wurde noch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (55%) von einem zu warmen Herbst für Norddeutschland ausgegangen.
Wo die 70% der BILD herkommen, ist mir allerdings nach wie vor schleierhaft. Die Kategorie “Super-Herbst” ist mir jedenfalls dort noch nicht untergekommen.
Die Herbst-Prognose von Ende August
Nun liegt sowohl dem ECMWF als auch anderen Modellen schon wieder ein anderer Ausgangszustand unserer Atmosphäre zugrunde. Nun zeige ich Ihnen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, als ich die aktuellere Prognose des amerikanischen CFS-Modells sah. Dieses Modell versucht sogar, Aussagen bis April 2008 zu machen. Für uns ist das jeweils erste Bild aber am interessantesten:

Prognosen der Temperaturabweichung nach dem CFS-Modell bis April 2008 (das erste Bild zeigt die Herbstmonate)
Färbt man jetzt nur die Flächen, die auch mit einer nennenswerten Wahrscheinlichkeit einen Trend erkennen lassen, sieht es dann so aus:

Temperaturabweichungen nach CFS mit “Skill Mask”
Das Ergebnis sieht jetzt doch etwas anders aus, oder? Mir ist dabei natürlich klar, dass man nicht zwei Modelle miteinander vergleichen kann. Aber es demonstriert doch ganz gut, wie weit verschiedene Vorhersagen voneinander abweichen können. Übrigens ist auch die ECMWF-Prognose, auf die sich die BILD stützt, leicht umgekippt.
Woher kommen die Unsicherheiten?
Das kann ich nur kurz zusammenfassen: Langfristmodelle sehen sich meist nicht nur die Luft an, sondern auch den Zustand der Ozeane. Denn je nachdem, wo warmes oder kaltes Wasser fließt, verändern sich auch Temperatur- und Druckverhältnisse.
Wichtig sind also Ungereimtheiten bei Strömungen. Zwei sehr bekannte Kandidaten, die für Unruhe in den Ozeanen sorgen und immer aufeinanderfolgen, sind dabei El Niño und La Niña. Ändern sich diese Strömungen oder deren Stärke, so ändert sich auch das, was wir in Zukunft vom Wetter erwarten dürfen.
Übrigens sind die genauen Mechanismen dieser beiden Unruhestifter immer noch nicht klar. Wie soll es dann eine Vorhersage sein, die damit verknüpft ist?)
Die Herbstprognose: was ist denn nun damit?
Können Sie mit Enttäuschungen leben? Die wahre Antwort ist: man weiß es nicht. Vom jetzigen Standpunkt aus erahne ich normale, im Norden auch leicht unterdurchschnittliche Temperaturen im September.
Die Modelle sind sich darüber hinaus aber einfach nicht einig, was passieren wird. Es gibt eine kleine Tendenz zu überdurchschnittlichen Temperaturen. Diese ist aber so klein, dass man damit meines Erachtens gar nichts anfangen kann.
Immerhin gibt es etwas, über das sich die Modelle im Moment einig sind: Regen (später ja auch Schnee) soll ungefähr durchschnittlich viel fallen.
Ob Sie nun glücklicher oder weiser sind, kann ich nicht beurteilen. Sie haben die harten Fakten bunt über die Augen geliefert bekommen. Und werden jetzt so in den Herbst entlassen. Vielleicht fällt neben einem Blatt ja auch noch ein YiGG- oder Webnews-Punkt vom Baum.

Äh, wenn der ECMWF Seasonal Forecast nicht öffentlich verfügbar ist, wie kommt dann die Bild-Zeitung zu den Daten? Oder ist das eine Frage des finanziellen Spielraums?
BTW: Es wäre für uns Amateure interessant zu wissen, ob es eine Möglichkeit gibt an genauere Wetterdaten, historisch und Prognosen, heranzukommen um eigene Vermutungen zu testen. Wäre das nicht mal ein Thema für einen Beitrag?
Kommentar by Erik — 28. August 2007 @ 9:12
Hallo Erik,
eine schöne Idee, ich werde solche Links einmal zusammenstellen.
Die BILD-Zeitung hat diese Aussage via DWD, der natürlich ECMWF-Modelldaten kauft.
Interessant wäre, die komplette Aussage des DWD zu lesen. Ich denke, da dürfte es zu einer gewissen Schwerpunktverschiebung kommen.
Kommentar by Frank Wettert — 28. August 2007 @ 10:20
Ja sicher, die Bild-Zeitung darf zwar wie alle anderen Presseobjekte nicht lügen, aber übertreiben, und obwohl ich die Bild-Zeitung gutheisse, ein “Super-Herbst” wird es wahrlich mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht werden!
Ich bin zwar “nur” Hobby-Meteorologe beschäftige mich aber schon seit meinem 5. oder 6. Lebensjahr mit dem Thema!
Letztes Jahr (also 2006) habe ich im Januar, als ich gerade mal Zeit hatte, eine langfristige Vorhersage erstellt, die alles bisher da gewesene weit in den Schatten stellt. Sie griff über das gesamte Jahr 2006 hinweg, und das für eine enge Region um Rückersdorf! Jetzt denken Sie sicher, der ist doch verrückt?! Noch dazu für eine einzige, eng geschnürte Region.
Nun, hierzu kann ich nur sagen, DAS erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Zutreffens der Prognose enorm! Denn, welche Region kennt man wohl am besten, vom Wetter- und Klimaverhalten? Natürlich seine eigene! UND: In jeder Region sieht das anders aus, wie will man da bitte eine sichere Prognose für GANZ Deutschland errechnen können? Natürlich habe ich mit der Zeit, also je weiter die Prognose vorhersagte, auch vom Zeitraum her immer größere Distanzen genommen. Was mich aber selbst überraschte, und nur als ein “Zusatz-Gag” gedacht war, ich habe das Kirchweih-Wetter für Rückersdorf 2006 vorher gesagt. Das ist ja kein Problem, wie die allgemeine Wetterlage in dem Zeitraum halt so ungefähr ist. Aber jetzt kommts, ich habe etwas gewagt, das bisher noch kein Diplom-Metorologe überhaupt zu träumen gewagt hätte! Ich habe ganz ohne elektronische Computerberechnungen, nur durch mein eigenes Wissen, eine Prognose für JEDEN EINZELNEN TAG in einem EINZIGEN VORORT von Nürnberg teilweise sogar mit vermutlicher Uhrzeit am 2. Juli-Wochenende vorhergesagt – und das Mitte Januar! UND: Ich sollte Recht behalten! Aber ganz genau, ich habe vorher gesagt, dass am dritten Tag (Sonntag) so zwischen 13:30 und 15:30 Uhr ca. ein Gewitter kommt und so 2 bis 3 Stunden darauf nochmals ein Schauer gut möglich ist und der gesamte restliche Zeitraum des Kirchweihbetriebes bleibt auf jeden Fall trocken und meist auch sehr sonnig! Und: Kirchweihsonntag, die vergangen Tage waren alle sehr schön und auch heute verspricht es ein sehr schöner Tag zu werden! Bis jetzt ist keine Spur von Gewittern hab ich mir so um 13 Uhr gedacht. Doch um ca. viertel nach zwei… zog auf einmal ein Gewitter auf dass es nur so gedonnert und geschüttet hat! Und pünktlich 2 1/2 Stunden später kam der vorhergesagte Schauer, danach sollte es wieder schön sein bis die Kirchweih am Dienstagabend ausklang!
Also ich denk mal… das ist eine Leistung die noch nie zuvor erbracht wurde.
Zu Rate ziehe ich für meine Prognosen natürlich eigene, regionale Bemerkungne und Aufzeichnungen und Vorkommnisse, dann viele ander Langfristprognosen, Bauernregeln und das Buch “Abendrot, Schönwetterbot´ – Wetterzeichen richtig deuten” von Bernhard Michels, ershinen unter der ISBN 3-405-16459-1 bei BLV (www.blv.de) und setze das alles zusammen und ziehe mir da dann einen Schlussstrich raus setz den auf meine Erstprognose, als Abgleich sozusagen und wenn die Modelle zueinander passen – weitgehenst zumindest – habe ich eine Prognose, natürlich ist es nicht alles was ich mache um meine Prognose zu erstellen, aber das möchte ich hier auch nicht sagen. Danke für das Verständnis! Ich erstelle heute im Laufe des Tagens eine Langfristprognose für die Minate Oktober, November, Dezember und Januar, weil die mich jetzt in erster Linie interessieren. Allerdings natürlich wieder nur für den Raum Rückersdorf, also falls gewünscht werde ich diese aber trotzdem hier rein setzen! Mit gegebener Zeit (Meist Mitte Oktober bis Mitte November) setze ich auf meine Homepage auch eine Weihnachtswetterprognose für Mittel und Süddeutschland im Flachland und niedirigen Gebirgen, wie der Fränkischen Schweiz und den tieferen Mittelgebirgen. Diese ist bald auch wieder unter der Kurzadresse http://www.santas.beep.de erreichbar (“santas” fü Santa`s Homepage, Santa`s Rezepte, Bilder etc.)!
Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Daniel S. alias Santa Clause! HoHoHo!
Kommentar by Daniel S. (Santa Clause) — 22. September 2007 @ 15:08
Schönen gruß aus der fränkischen Schweiz, das Wetter bei uns ist jedenfalls immer komplett anders als vorhergesagt…
Kommentar by Hotel fränkische Schweiz — 15. April 2010 @ 17:59