Gartenwetter bei globaler Erwärmung (?)
Guten Morgen,
ich bettete das Fragezeichen in Klammern, damit dieses nicht bis zum Gartenwetter strahlt. Denn mit der Diskussion um den Klimawandel sind wir ja noch längst nicht am Ende.
Von der klimatologischen Zukunft unseres Vorgartens wissen wir also zu wenig; es wäre ja auch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Bleiben wir also bei unseren Leisten. Sie stimmen mir zu, dass es deutlich zu warm ist? Kopfnicken. Prima, dann kann ich mich ja auch einem Aufruf aus dem Gärtner-Blog widmen.
Wir führen also ein Gespräch, das thematisch vom Garten ausgehend zum Wetter führt. Um diese Szene atmosphärisch passend zu verpacken, sollten wir uns jetzt virtuell in eine Bäckerei begeben:
Dienstagmorgen, 6 Uhr 30. Szene: eine kleine Bäckerei, die sowohl ihren Charme als auch ihre Einrichtung aus den 70er Jahren nicht erneuern wollte. Die hölzernen Brotregale reflektieren das Licht der von der Decke hängenden Neonröhre. Von dieser wiederrum hängt eine An-Ausschalt-Kette frei im Raum.
Auf der Schaufensterfront ist “Bäckerei Klöppermann” in Schreibschriftimitat zu lesen. Die aufgeklebten Buchstaben sind bereits leicht angekratzt.
Innenraum: die Tür öffnet sich und berührt eine Klingel mit ihrem typischen Geräusch. Frau Oschak, gute 70 Jahre tritt langsam herein mit einem milden, aber gequälten Gesicht.
Frau Oschak: Das ist ja wie in der Waschküche…guten Tag, Frau Klöppermann! Ich hätte gern einmal 3 einfache Brötchen, 4 Weltmeister und ein halbes Eifler Roggen, ach ja, können Se mir das in Scheiben schneiden?
Frau Klöppermann: Aber gerne. Holt eine braune Tüte und steckt Brötchen hinein. Ich tu Ihnen noch n Weltmeister mehr inne Tüte. Sind heute n bisschen klein geworden, Frau Oschak. Und wie geht’s Ihnen sonst?
Die Tür öffnet sich abermals. Frank W., etwa Mitte 30, übernächtigt, tritt ein
Frau Oschak: Ach, wissen Se, Frau Klöppermann, blickt zur Seite: Morgen, blickt zurück: das is ja ne Luft heute! Das drückt, sag ich Ihnen. Das ist aber auch alles nich mehr normal mit dem Wetter, das merke ich sofort anner Pumpe. Gucken Se mal, hier, meine Narbe, die tut auch weh. Wenn das so weitergeht…ich kam heute echt schwer aus dem Bett.
Frau Klöppermann: lächelt beschwichtigend: ach, solche Tage gibt’s immer mal, das wird schon wieder…Darf’s sonst noch was sein?
Frau Oschak: Neee, danke. Aber mal im Ernst: das ist alles so früh dieses Jahr. Ich hab da ja so schöne Petunien und Lobelien zu stehen. Ich überleg die ganze Zeit, ob ich die raussetzen soll. Die alte Dame dreht sich zu Herrn W. um: Sie machen da doch irgendwas mit Wetter. Kommen die Eisheiligen noch oder nicht?
Frank W.: stand bisher noch reglos an. Offensichtlich überrascht von der Frage und deutlich beeinflusst von der frühen Uhrzeit benötigt er eine Weile, um antworten zu können. Er räuspert sich: Nun ja, so weit kann ich selbstverständlich keine Wettervorhersage machen. Je nach Wetterlage kann man ab drei bis fünf Tagen nur noch von Trends sprechen, wissen Sie. Wenn ich so überlege: also bis zum Monatsende sehe ich da eigentlich nichts Frostiges. Und auch zum Monatswechsel gibt’s nur ein Vorhersagemodell, das Nachtfrost in Aussicht stellt. Aber das ist ja nur eine Nacht, und da kann man Ihren Petunien ruhig was drüberstülpen. Zeigt auf die Brottüte.
Frau Oschak: Näääää, meinen Se wirklich? Also ich weiß nich, mit diesem ganzen Computergedöns. Meine Mutter, ne? Die hat immer bis zur kalten Sophie gewartet, ne? 15. Mai, ich sag Ihnen. Die Eisheiligen stimmen immer!
Frank W.: druckst Na jaaa, also da gibt’s ja nun auch Untersuchungen. So was wie einen immer wiederkehrenden Kälterückfall zu den Eisheiligen kann man da eigentlich nicht beobachten. Das hat Prof. Dr. Horst Malberg mal in einer Studie überprüft. Und da kam raus, dass Nachtfrost im Mai eigentlich immer unwahrscheinlicher wird. Also auch so, wie man’s erwartet. In den ersten fünf Mainächten liegt die Bodenfrostwahrscheinlichkeit bei 39%, zu den Eisheiligen bei 18% und sinkt dann danach auf unter 5%. Das ist eher eine psychologische Sache. Denn je mehr es grünt und blüht, desto eher bemerkt man die schmerzlichen Folgen, wenn’s dann doch mal frostet.
Frau Oschak: nüchtern Also ich weiß nicht. Ich glaub ja an die Bauernregeln.
Frank W.: Wie Sie meinen. An Ihrer Stelle würde ich aber Ihren Garten auf Sommer einstellen. So schlimm wird’s schon nicht. Und falls Nachtfröste drohen, dann gebe ich Ihnen ja in meinem Blog bescheid. Für die Blümchen ist übrigens auch das Gärtnerblog interessant. Oder Sie klicken einfach auf einen der Links im vorangegangenen Dialog.
Frau Oschak: Ichmussweg. Verlässt hastig und verwirrt die Bäckerei.
15-Tage-Vorhersage: Quelle: Wetter24 News
Wie über eine Tagetes würde ich mich übrigens über eine Beachtung in den Webnews und YiGG freuen.


Köstlich! Danke für die Ausführungen. Und: Ich kenne Frau Oschak. Persönlich.
Kommentar von Gärtnerin — 24. April 2007 @ 18:03