Extremwetterkongress: Naturkatastrophen in den Medien

Mrz 26, 2007 @ 06:23 pm by Frank Wettert

Dieser Beitrag folgte am zweiten Tag des zweiten Extremwetterkongresses und galt berufstechnisch selbstverständlich voll meinem Interesse. Vortragender war Prof. Dr. Peter Peters vom Forschungszentrum Jülich.

Mein Eindruck von diesem Vortrag war in gewisser Weise “Ying-Yang”:

Der erste Teil gab ein gutes Beispiel davon ab, dass man als Wissenschaftler einfache Vorgänge auch kompliziert ausdrücken kann. Es wurde nämlich anhand von Grafiken dargelegt, dass das öffentliche Interesse an einem Extremwetter-Ereignis bei der Prognose derselben allmählich ansteigt, um unmittelbar nach Eintreten sprunghaft emporzuschnellen, um genau so schnell wieder abzuflauen. Es folgen zu den Jahrestagen noch ein paar deutlich schwächere Interessen-Peaks an dem Thema, insbesondere natürlich zum 5- bzw. 10-Jahres-Tag. Für diese Aussage hätte wegen seiner Banalität allerdings auch eine Randbemerkung genügt. Wenn überhaupt.

Der zweite Teil war dagegen schon deutlich interessanter. Zunächst einmal komme es etwa bei der öffentlichen Diskussion um den Klimawandel gar nicht auf diesen selbst an, sondern auf seine Wahrnehmung in der Bevölkerung und durch die politischen Entscheidungsträger. Diese Wahrnehmung wird von den Medien größtenteils vorgegeben.

Wie sorgt man dafür, dass die Öffentlichkeit die Naturkatstrophe als solche begreift? Und in diesem Wort steckt “begreift” steckt schon ein wichtiger Anhaltspunkt: sie muss es auch inhaltlich und sinngemäß erfassen; die Gefahr wahrnehmen, ohne panisch zu reagieren. Wichtig dabei ist es, einen Bezug zu etwas Bekanntem aus dem Alltag herzustellen. Als Beispiel zeigte Prof. Dr. Peters Überschriften. Beispiel Golfstrom:

Europas Fernheizung stockt

Hier wird sofort ein Bild erzeugt, dass jeder aus dem Alltag kennt. Gleichzeitig enthält diese Überschrift aber auch die Bedrohung: wenn die Fernheizung stockt, so wird es kalt, man friert. Allein durch diese erste Zeile kann der Artikel also in ein auch für die Bevölkerung schnell erfassbaren Rahmen gebracht werden. Auch ein gern bemühtes Bild ist das vom “sterbenden Patienten Erde”. Schnell begreiflich, und auch die Bedrohung ist erkennbar.

Fazit: ein interessanter Vortrag, bei dem ich persönlich keine durchgreifend neuen Erkenntnisse gewann, es aber sehr hilfreich fand, alle wichtigen Punkte bei der öffentlichen Präsentation von (Un-)wetterereignissen noch einmal strukturiert zu bekommen.

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