Extremwetterkongress-Log – Teil 4 – All zu Menschliches und Intimes

Ja, heute lasse ich es raus, meine lieben Leser. Das Menschliche möchte ans Tageslicht, denn es hat sich ereignet und möchte, dass ich darüber berichte. Eigentlich möchte ich es in erster Linie, doch auf Details kommt es momentan nicht an. Was hat sich also Intimes auf dem Extremwetterkongress zugetragen?
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Bevor wir uns jedoch in die Tiefen der Menschlichkeit begeben, möchte ich mich dafür entschuldigen, dass das Log erst von Berlin aus weitergeführt werden muss. Eigentlich wäre mir das Tippen im Hotel lieber gewesen. Aber die Aktivitäten bei Tag und Nacht hatten eines gemein, sie brauchten Zeit. Und so musste ich Sie etwas warten lassen, um über unser tageslichtiges Guttun und den nächtlichen Übermut zu berichten.
Abend des 19.02.09: Moderatoren-Stammtisch
Dabei möchte ich am Ende des dritten Teils des Extremwetterkongress-Logs anknüpfen. Mit einem Bericht über einen Abend zu beginnen ist psychologisch geschickt, wie ich mir dabei gerade einrede.
Ein lasziver Beginn lässt uns gleich in die richtige Stimmung geraten, die mich durch den 2. Tag des Extremwetterkongresses getragen hat. Doch im Detail: Kopf der Organisation und Leiter des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation Frank Böttcher hatte zum abendlichen Essen im Atlantic-Hotel Sail City geladen, das sich direkt im Anschluss an das Klimahaus befindet.
Dies hat sich vor allem für ihn als extremer Vorteil herausgestellt, zehrten die Vorbereitung und die Ausführung des Extremwetterkongresses doch sichtbar an seiner Kondition. Geladen waren von Frank Böttcher und Alexander Hübener unter anderem die Moderatoren des ZDF Inge Niedeck und Gunther Tiersch, Mitarbeiter des SF METEO Teams, unter anderem Thomas Jordi, außerdem Silke Hansen, Leiterin der Wetterredaktion des HR und weiteren Moderatoren von DWD und meteomedia.
Abendessen wie im Stadion
Die Stimmung an diesem Abend war, ohne weiter auf Details eingehen zu wollen, vergleichbar mit dem Sitzplatz im Fußballstadion, auf dem ich am Wochenende zuvor saß. Bayern München verlor dort gegen Hertha BSC, ich saß dabei direkt am Rand des Münchner Fanblocks. Ich fand also auf meinem einen Ohr mit Anekdoten gewürztes Gutlaunetum vor, während von der anderen Seite zeitweise nur Stille, zeitweise aber auch Gegrummeltes und Unterstelltes zu mir kam. Und genau so war es auch an diesem Moderatoren-Tisch, wobei das Essen tatsächlich sehr hochwertig war. Die Laune der Mehrzahl der Gäste sowie meine eigene war jedenfalls die beste, als ich gegen Mitternacht mein Hotel aufsuchte.
Und schon beginnt jetzt das Menschliche. Denn als ich dort ankam und mich auf mein Bett setzte, riss die Hose meines Anzugs. Schön in der Naht im Schritt. Glück im Unglück also, dass man erst jetzt die Farbenpracht meiner Unterhose bewundern hätte können und nicht schon ein paar Stunden vorher. Der nächste Programmpunkt war jedenfalls klar: Morgen Früh musste es zu einer professionellen Näherin gehen, am besten in das Columbus-Center.
20.02.09, Tag 2: Menschliches und Intimes
Nun haben Sie also einen Vorgeschmack davon bekommen, wie man zu schnell in Details von Personen eingeweiht wird, die man nicht unbedingt wissen möchte. Da Sie aber bis hierhin gelesen haben, möchten Sie bestimmt auch die nächste Stufe hin zum Intimen nicht missen wollen.
Als ich also nach einem sehr verkürzten Frühstück in unserem Hotel unseren Geschäftsführer Dennis Schulze, Kollege Jan Hoffmann und die hilfreiche und – wie sich herausstellen sollte unverzichtbare – Conny Trautmann zum Kongress fuhr, hieß es für mich ab in das Columbus-Center.
Es war etwa 08:30 Uhr, als ich dort ankam, voller Vertrauen aus dem aus Berlin gewohnten Überangebot an Serviceleistungen, wurde mir erschreckend klar, dass in anderen Städten längst nicht alles ab 7 Uhr verfügbar ist. Dort stand ich also in einer Passage, in der nur die Cafés schon geöffnet waren, nicht einmal im “Plus” konnte man vor 9 Uhr einkaufen.
In dem Moment, wie ich so mit der Hose über dem Arm da stand und mir die Situation klar wurde, regte sich in mir ein Drang, den ich bis dahin nur unbewusst wahrgenommen hatte: Das üppige Mahl des Vorabends machte sich durch eine deutliche Zunahme rektaler Peristaltik bemerkbar. Mit anderen Worten: ein Klo musste her, in dem einige Pfunde abzulegen waren.
An dieser Stelle muss ich mich jetzt an die Verantwortlichen des Columbus-Center Bremerhaven wenden: Widersprüchliche Hinweisschilder auf Toiletten in weitläufigen und verwinkelten Einkaufspassagen sind die Hölle, insbesondere wenn sie zu verschlossenen Türen leiten.
Jeder Toilettenschildaufhänger sollte sich einmal in seinem Leben mit verdauungsfreudiger Nahrung versorgen und etwa 20 Minuten nach Erreichen des ersten Druckgefühls im Darm seine eigenen Schilder überprüfen. Denn ein Mensch mit einem derartigen Drang denkt und läuft nicht wie ein normaler Mitbürger. Jeder Schritt ist eine Gefahr und der Storchengang dazu eine Entwürdigung dazu!
So ging es also von Tür zu Tür, mit Schweißperlen auf der Stirn, die Zeit vergessend. Zeitweise dachte ich an äußerst unhygienische Entsorgungsmethoden im Treppenhaus als Notlösung. Bis ich dann endlich an diese rettenden Türen kam, die das folgende Foto zeigt:

Rechts kaputt, links gerettet: Das Ende einer Peristaltik-Odyssee. Für 50 Cent.
Eine Toilette! Einfach so stand sie da, in diesem Treppenhaus. Stillschweigend und bescheiden, um für nur 50 Cent einen Menschen von einem Leiden zu befreien. Man kann diesen “Weg zum Glück” nur schwer in Worte fassen. Das möchte ich jetzt auch gar nicht mehr. Nun konnte ich meine Hose der netten Näherin abgeben und Notwendigkeiten im “Plus” einkaufen, um dann endlich ins Klimahaus zu fahren.
Vorträge
Leider habe ich wegen der vorangegangenen Aktion den Vortrag von Dennis Schulze verpasst, immerhin war ich aber schnell genug für Jan Hoffmanns interessante Ausführungen über ein so genannte CellMOS, das Prognosen für Gewitterzellen genauer machen soll. Anschließend folgte noch Donnerwetter mit einer kontroversen Diskussion, wie denn Unwetterwarnungen von der Bevölkerung verstanden und verarbeitet werden. Mehr zu den Vorträgen gibt es aber in eigenen Postings, ich möchte Sie hier und heute noch mit flockiger Seichtigkeit erfreuen.
Das Mittagessen
Nach den Vorträgen ging es also zunächst wieder einmal zum 8,50 Euro teuren Menü (angesichts der Tatsache, dass die Teilnahme am Extremwetterkongress selbst bequem weit weg davon ist, kostenlos zu sein). Die Scholle, die auszuwählen eine Pflicht war, schmeckte aber sehr gut, was wohl auch an der Anwesenheit von Kollege Jan Hoffmann und Annett Spillmann, jetzt beim DWD, lag.
Folgenden Gesichtsausdrücken ist doch das gesamte emotionale Spektrum dieses Mittagessens zu entnehmen:

Jan Hoffmann schockiert, amüsiert und pikiert. Mit Scholle.
Schön war auch dieses Mal die unterbeschäftigte Bedienungsabteilung: vier oder fünf Servicekräfte warteten während des Essens am Tischrand darauf, ob man denn fertig gegessen hat. Und noch bevor die Erdbeschleunigung den letzten Krümel aus dem Mundwinkel des Gesättigten auf den Teller fallen lassen konnte, war dieser schon eingesammelt. Etwas zu bemüht, aber nett.
MeteoGroup – Stehvermögen am Stand
Zurück ging es an den Stand, der, wie man hier leicht sehen kann, mehr als attraktiv von unserer Administratorin Conny Trautmann geführt wurde.
Da Dennis Schulze an diesem Morgen seinen Vortrag über Extremwetter und Winterdienste gehalten hatte, kamen nun viele Interessierte an unseren Stand, um nähere Informationen abzufragen, die entsprechend engagiert beantwortet wurden. Journalisten wie der von Zeit Wissen wurden dementsprechend
mit Informationen und bunten Radarbildern versorgt und staunten nicht schlecht, dass wir etwa für Winterdienste auch ein Niederschlagsradar anbieten, das zwischen Regen, Schneeregen, Schnee und gefrierendem Regen unterscheiden kann.
Zum Glück sind wir in unseren Kisten noch fündig geworden und konnten per UMTS-Karte in von mir altbekannter Frust-Geschwindigkeit wenigstens unsere Produkte vorstellen.
Noch mehr Menschliches wird folgen
Der Abend stand dann ganz im Zeichen der Vorfreude, denn es stand die Medienpreis-Verleihung im neu gebauten und nie getesteten Kinosaal an. Fotos und Videos hierzu werde ich Ihnen im nächsten Teil mitbringen, so kann ich dann wieder ähnlich leger beginnen wie in diesem Teil. Die Substanzvermisser unter Ihnen muss ich dann auf die Vortragszusammenfassungen vertrösten, die ebenfalls im Laufe der kommenden Tage hier folgen wird.
Der fünfte Teil des Logs wird jedenfalls wieder mit Gelächter und mit Entgleisungen zu tun haben und dürfte für “meine” Chemtrail-Verschwörungstheoretiker ein herber Rückschlag werden. Freuen Sie und ich mich darauf!
Mehr Fotos von diesem Tag gibt es übrigens in dem entsprechenden Facebook-Album

[...] die unglaubliche Verleihung des Medienpreises für Meteorologie. Dieser fand, wie ja bereits im 4. Teil des Extremwetterkongress-Logs angedeutet, im Kinosaal des Klimahauses statt. .yiggbutton { float:left; padding:3px 5px 5px 5px; [...]
Pingback by Extremwetterkongress-Log - Teil 5 - Medienpreis als Comedy » Frank Wettert — 25. Februar 2009 @ 15:02