Extremwetterkongress: Ewa Wisnierka

Mrz 26, 2007 @ 01:31 pm by Frank Wettert

Manch einer, auch ein Meteorologe, wird sie nicht kennen. Sie ist Vize-Europameisterin im Gleitflug. Wenn ich nun sage, sie ist diejenige, die mit einem Gleitschirm in einer Cb auf knapp 10 km Höhe befördert wurde und überlebte, klingelt vielleicht schon ein Glöckchen mehr.

Am Donnerstagabend auf dem Extremwetterkongress in Hamburg, kurz vor der Preisverleihung des Medienpreises Meteorologie, saß sie in einer Sofaecke mit Organisator Frank Böttcher auf der Bühne und stand ihm Rede und Antwort. Sie war sportlich gekleidet, weißes Oberteil und so weit ich weiß in Jeans, ihre Aufregung legte sich schnell, und ihr Erzählstil war fesselnd.

Ich kann mich erinnern, wie wir uns bei MC-Wetter damals ansahen und uns fragten, wie man bei so einer Lage überhaupt so wahnsinnig sein kann, sich an einen Schirm zu hängen. Das wurde erst im Interview klarer (und hätte meines Erachtens auch in den Medien plastischer dargestellt sein müssen). An dem Flugtag existierte nämlich eine kräftige Sperrschicht, und auch die eingeholten Prognosen zeigten kaum Signale für genügend kräftige Überentwicklungen.

Dazu kam ungünstiges Timing: Wisnierka war genau zu dem Zeitpunkt im Aufwindbereich einer Cb, als diese dann doch die Inversion durchbrach. Diese Koinzidenz an sich ist denkbar unwahrscheinlich, wenn es aber passiert, dann sind die Auswirkungen um so dramatischer: zu dem Zeitpunkt, wo die Inversion durchbrochen wird, treffen hohe Taupunkte mit großer Labilität zusammen. Dementsprechend wurde zu der Zeit einiges an Energie “kinetisch”.

Ewa Wisnierka berichtete, dass sie irgendwo bei 4000 Metern Höhe bemerkte, dass sie zum einen nicht mehr aus dem Aufwind herauskommt und konnte noch den Funkspruch absetzen, dass sie es nicht mehr nach unten schafft. Auf ihrem Anzeigegerät wurde eine Vertikalgeschwindigkeit von 25 m/s (nach oben, wohlgemerkt) angezeigt. Da würde, so Wisnierka, auch das Zerstören des Gleitschirms nicht helfen, denn der Notschirm sinkt “nur” mit 5 m/s.

Der weitere Weg war nur mit ihren Instrumenten zurückzuverfolgen. Bis auf knapp 10 km ging es aufwärts, dabei hat sie wahrscheinlich nur ihrer Bewusstlosigkeit das Leben zu verdanken. Irgendwann bei etwa 7 km auf dem Weg nach unten machte sie wieder die Augen auf, um bei rund 5 km Höhe so langsam die Hoffnung zu bekommen, mit Hilfe von Steilspiralen sicher landen zu können. Erstaunlicherweise hat auch ihr Gleitschirm durchgehalten, und das, obwohl eine schwere Hagelkornschicht darauf lag. Mit vereisten Fingern konnte sie mit dem Handy Meldung machen, dass sie es vielleicht doch noch nach unten schaffen könne. Bei einem Kollegen von ihr verlief die Sache dramatischer: er wurde später gefunden mit Brandflecken unter einer seiner Achseln. Ein Blitz hatte ihn getroffen.

Sie selbst überlebte mit ein paar Erfrierungen, die gleich im Krankenhaus behandelt wurden, und wirkte auf der Bühne wieder sehr fit und gesund.

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1 Kommentar »

  1. Zitat: “Wisnierka war genau zu dem Zeitpunkt im Aufwindbereich einer Cb, als diese dann doch die Inversion durchbrach.”

    Das ist doch quatsch. Eine Wolke wird erst zum Cb, wenn sie die Inversion schon lange durchbrochen und hinter sich gelassen hat. Der Tag in Australien an sich war aber von der Inversionslage geprägt. Neben vereinzelten Gewittertürmen (die also schon durch die Inversion waren) gab es nur flache Cumuli (unterhalb der Inversion). Allerdings war stets zu erwarten, dass dort, wo mal die Inversion durchstoßen wird, das Pulverfass hochgeht. Die Piloten, die dort in der Nachbarschaft von Cbs geflogen sind, haben die Situation halt grottenfalsch eingeschätzt. Ein Cb kann durch den Downwash kalter Höhenluft einer Inversion in der Umgebung schnell den Garaus machen. Dann wird aus der süßen Cumulus vor einem ganz schnell auch ein dicker Trümmer…

    Kommentar by lu-glidz — 5. April 2007 @ 10:34

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