Die Omegalage im April 2007
Der April 2007 war der wärmste, der trockenste und der sonnigste in Deutschland seit Aufzeichnungsbeginn des DWD. Dass ein Monat gleich alle drei Rekorde auf einmal bricht, ist ein absolutes Novum. In Fachkreisen und in den Medien wird diskutiert: die eine Position: der Klimawandel und die globale Erwärmung werden damit endgültig offensichtlich. Die Gegenseite entgegnet: nun, wir haben es einfach nur mit einer Hochdruck-Blockade zu tun, genannt Omegalage. Vielleicht ist ja an beidem etwas richtig:
Überblick
Bei Omegalagen wird ein in sich abgeschlossenes Hoch im Osten und Westen von (idealerweise gleich kräftigen) Höhentiefs flankiert:
Abb. 1: Das Omega ist bei der Vorhersage für den 28.04.07 gut zu erkennen. (Quelle: Wetter 24)
Dabei befindet sich in dem Hoch bis in große Höhen die warme Luft, in den Tiefs die kalte. Auf der Höhenkarte (Abbildung 1) erkennt man daher am besten die Form des Namensgebers, des griechischen Großbuchstabens Omega. Durch diese Strömung bleibt das Hoch eingekeilt, es kann sich kaum bewegen, daher bleiben sowohl Hochs als auch Tiefs über längere Zeit ortsfest oder bewegen sich kaum. Praktisch für die Wettervorhersage, denn so eine Wetterlage ist meist über Tage oder sogar Wochen hinweg stabil. Je nachdem, ob man sich nun unter dem eingekeilten Hoch oder unter einem der Tiefs befindet, hat man also um diese Jahreszeit über Tage oder Wochen hinweg Sonne, oder man hat im Bereich der Tiefs ständig Wolken und Regen, dabei ist es dann auch kühl (Dies ist im Moment auch der Grund, warum in Mallorca deutlich ungemütlicheres und kühleres Wetter herrscht als bei uns, es gab sogar einen Todesfall nach starken Regenfällen).
Am vergangenen Freitag und Samstag lag das Hoch nahezu ideal für sehr warmes und störungsfreies (von einzelnen wärmebedingten Schauern und Gewittern abgesehen) Wetter in Deutschland mit Temperaturen bis 30°C im Südwesten.
Jetzt teils deutlich kühler
Wie hier zu sehen ist, hat sich das Omega nun westwärts verschoben:
Abb. 2: Höhenströmung, Quelle: Wetterzentrale
Das Zentrum des Hochs liegt heute etwa bei den Shetland-Inseln, während an seiner Ostflanke kühlere Luft aus polaren Breiten über Skandinavien und der Nord- und Ostsee nach Deutschland gelangt. Dies ist der Grund für den im Moment besonders in Richtung Mecklenburg-Vorpommern ziemlich spürbaren Temperaturrückgang, wobei es am Kap Arkona nicht viel wärmer als 10°C wird.
Bis hierhin haben wir die hohen Temperaturen also einfach nur mit einem speziellen Strömungsmuster erklärt.
Also wirklich nur Wetter?
Diese Wetterlage ist beachtenswert, aber grundsätzlich nichts Neues. Um diesen Wärme-Sonnen-Trockenheitsrekord zu erreichen, bedarf es allerdings noch etwas mehr. Und hier kommt ein längerfristiger Aspekt, nämlich die Vorwitterung ins Spiel. Die letzten acht Monate in Folge fielen deutschlandweit die Temperaturen überdurchschnittlich aus. An der Station Berlin-Dahlem (und auch bei einer Überzahl der anderen Wetterstationen) waren nun zwölf der vergangenen dreizehn Monate zu warm, teils deutlich zu warm. Seit dem April 2006 fiel dabei nur der August etwas zu kühl aus. Der Winter hat quasi nicht stattgefunden, dementsprechend sind die Wassertemperaturen von Nord- und Ostsee deutlich über den Normalwerten:
Abb. 3: Abweichungen der Wassertemperaturen der Nordsee von den Normalwerten, Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
Ein Beispiel: in der Ostsee bei Koserow auf Usedom beträgt die mittlere Wassertemperatur im April 5,7°C, im Moment werden 11°C gemessen. Das Regelventil unserer Klimaanlage ist also bildlich gesprochen bis obenhin aufgedreht, und Luft, die in diesem Frühjahr über Nord- und Ostsee zu uns gelangt, ist daher wesentlich wärmer als üblich. Ein anderes Indiz hierfür ist die Eisbedeckung im Bottnischen Meerbusen (nördlicher Teil der Ostsee zwischen Schweden und Finnland)
Aktuelle Situation (grau = eisbedeckt):
Durchschnittliche Vereisung:
Abb.:4.1 und 4.2: Vereisung aktuell und als Mittel. Quelle: Finnish Institute of Marine Research
Auch hier zeigt sich der enorme Unterschied bei den Wassertemperaturen.
Würden wir nun eine ähnliche Wetterlage wie jetzt nach einem durchschnittlich temperierten Winter antreffen, so wären die Temperaturen zwar auch dann generell überdurchschnittlich, aber doch deutlich kühler als in diesem April. An der Südkante des Hochs wäre der Ostwind empfindlich kalt. Es kommt nach solchen Lagen auch normalerweise häufig vor, dass polare Luft von der Nordsee die Wärme abdrängt und vorübergehend für Regen-, Schnee- und Graupelschauer sorgt (Aprilwetter).
Fazit: An sich ist eine Omegalage nichts Ungewöhnliches. Nach solch einer extrem lang anhaltenden Periode mit zu warmen Monaten sorgt sie aber insbesondere im Zusammenhang mit der zu warmen Nord- und Ostsee für extreme Wärme, wobei die zwischenzeitlichen Temperaturrückgange weniger ausgeprägt sind. Diese Kombination aus Wetterlage und Vorwitterung sorgte im Wesentlichen für den nun anstehenden Dreifach-Rekord aus Wärme, Sonne und Trockenheit im April 2007. Inwiefern die globale Erwärmung an der Vorwitterung beteiligt ist, ist Untersuchungsgegenstand der Klimatologie.





Was muss noch alles an neuen Rekorden und Daten zusammenkommen, bevor diese Diskussion NICHT dazuführt, dass alle Maßnahmen, die die errechneten und befürchteten FOLGEN des Klimawandels, UNABHÄNGIG von welchen Einflüssen, AUFHALTEN helfen, NICHT auf ÜBER-morgen verschoben werden.
Wenn die Menschheit vor zwei Alternativen steht, von denen die Eine den wahrscheinlichen Zusammenbruch der Zivilisation, wie wir sie heute kennen und immer noch lieben, bedeutet, ist es dann nicht “Pokern mit dem Schicksal”, es darauf ankommen zu lassen ???
Dipl.-Ing. Johann J. Fonfara
Erster u. geschäftsf. Vorsitzender DUGI e.V. (www.dugi-ev.de)
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Kommentar von Deutsche Umwelt- und Gesundheits-INITIATIVE e.V. (DUGI e.V.) — 2. Mai 2007 @ 8:42
Die Fragen sind zwar rhetorisch, dennoch möchte ich sie beantworten:
Aus klimatologischer Sicht müssen noch einige Daten gesammelt werden, denn es gibt viel zu viele Unsicherheiten. Lesen Sie dazu auch Expertenmeinungen abseits der medialen Hauptstraße.
Zur zweiten Frage: Wenn die Menschheit vor nur zwei Alternativen stünde (wobei nur eine hier aufgeführt ist, die andere würde mich sehr interessieren), dann gäbe ich Ihnen Recht. Bemerken Sie den Konjunktiv?
Kommentar von Frank Wettert — 2. Mai 2007 @ 10:03
Das Klima auf unserem Planet war noch nie eine Konstante. Es gab Eiszeiten und sehr warme Zeiten lange bevor es Menschen gab. Und es gab dramatische Massensterben von Tierarten - ebenfalls lange bevor es Menschen gab.
Haben sich die Dinosaurier auch nicht CO2 neutral verhalten?
Mir schleicht sich der Verdacht auf, dass der Mensch als solches sich zu wichtig nimmt. Natürlich sollten wir mit unserer Umwelt pfleglicher umgehen - damit es UNS besser geht. Aber wenn die Natur als solches das Ende der Menschheit auf dem Plan hat, dann haben wir gelitten. Wir sind es nicht, die am längeren Hebel sitzen.
Kommentar von Tina — 3. Mai 2007 @ 8:12
[...] der jetzigen. Denn das ehrgeizige Projekt “Wochenwettervorhersage” wurde nur aus dem Omega heraus geboren, einer äußerst stabilen Wetterlage, bei der man auch mit einer Wochenvorhersage [...]
Pingback von Frank Wettert » Wettervorhersage für eine Woche (19. KW) — 7. Mai 2007 @ 11:53
[...] auf den öffentlichen Nerv: erst der milde Winter, dann der Rekordfrühling mit dem heißen und trockenen April. So trocken, dass Bild schon die Wüste nach Deutschland holen wollte. Genau in diese [...]
Pingback von Globale Erwärmung macht soviel Angst wie Arbeitslosigkeit » Frank Wettert — 8. Juni 2007 @ 9:00
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Entdecken Sie mit uns die Schönheiten der Insel zu einer Zeit, wo die Natur ihren Winterschlaf beendet und das Wunder des Blühens beginnt. Entfliehen Sie für ein paar Tage dem hektischen Alltag und tanken Sie Ruhe und Kraft. Bei ausgedeh…
Trackback von Insel Rügen Express — 8. Juni 2007 @ 14:25
Kommentar Frank Wettert v. 02.05.07
Wenn die Menschheit vor zwei Alternativen steht, von denen die Eine den wahrscheinlichen Zusammenbruch der Zivilisation, wie wir sie heute kennen und immer noch lieben, bedeutet, ist es dann nicht “Pokern mit dem Schicksal”, es darauf ankommen zu lassen ???
Sehr geehrter Herr Frank Wettert,
hier die Anwort auf Ihre Frage nach den 2. Alternative:
Die Menschheit rettet sich und ihre Zivilisation in eine neue Form, die sie nicht mehr mit dem selbstverschuldeten Untergang bedroht. Erfordert eine Wandlung der Menschen in ihrem Wesen. Sie müssen anders aufwachsen und andere Werte VORGELEBT bekommen als zur Zeit - Wettbewerb, Rivalität, eigener “Aufstieg” mit Inkaufnahme des “Untergangs” anderer MIT-Menschen usw. usw.
Der nächste Übergang in der Evolution des Menschen
Mit gebremst hoffnungsvollen Grüßen
Dipl.-Ing. Johann J. Fonfara, Dugi e.V. (www.dugi-ev.de)
Kommentar von Fonfara, Johann J. — 8. Juli 2008 @ 21:06
[...] Traumhaftes Wetter zu Christi Himmelfahrt Denn es wird wirklich für die meisten von uns phantastisch an diesem Feiertag. Und das darf ich im Brustton der Überzeugung sagen, denn die Wettervorhersage ist trotz der doch heute noch sechs Tage relativ sicher. Das liegt an etwas, das Ihnen, lieber Stammleser, hier schon mal in groß angelegter Form begegnet ist: Das Omega: [...]
Pingback von Das Wetter am Vatertag 2009 » Frank Wettert — 15. Mai 2009 @ 14:43