Das Geheimnis deutscher Läden

Mai 19, 2007 @ 02:30 pm by Frank Wettert

Mangels Zeit möchte ich Sie heute einfach mit einem entlehnten Text erfreuen, der Sie bestimmt nicht weniger beglücken wird. Er stammt von Dietmar Wischmeyer, einem Wortakrobaten, der vor allem aus dem Frühstyxradio bekannt ist, aber auch auf radioeins wöchentlich “Wischmeyers Schwarzbuch” in geradezu anbetungswürdiger Weise vertont. Hier aus aktuellem Anlass ein Auszug aus seiner Frühstyxradio-Zeit:

Meine Name ist Dietmar Wischmeyer und dies ist das Logbuch einer Reise
durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten. Hier ist mein Bericht.

Zwischen den Regalen schleichen mürrische Mannsweiber herum und
bewachen die Ware. Läden in Deutschland.
“Nur was da steht”, keift es gelegentlich aus der
Warenlagerkommandantin, wenn ein Kunde die Frechheit besaß, sich nach

nicht aufgebahrtem Mumpitz zu erkundigen. Gefällt der feilgebotene
Krempel nicht auf Anhieb, folgt ein harsches “wird aber sonst gern
genommen”. Nichts geht dem Deutschen derart ab wie normale
Freundlichkeit hinterm Tresen. Herrenmenschen bei Banken und
Sparkassen behandelten den insolventen Kunden schon immer als
kreditunwürdiges Leben. Da will nun auch der Ladenschwengel hinten
anstehen und hat sich ein paar Formeln zurechtgelegt, um die Kundschaft
zu verprellen.
“Kann sein, dass wir das mal wieder reinkriegen”
“Da muesste ich erstmal meine Kollegin fragen, die ist in anderthalb
Jahren wieder hier”
Beliebt ist auch die Abschiebehaft in unbewohnte Regionen des
Geschäfts: “3. Gang hinter den dreizölligen Muffelösen, gleich
rechts, Kollege kommt dann dahin”
“Kommt dann dahin”, am Arsch! Ein Haufen verblichener Kundengerippe
liegt unordentlich zwischen den Muffelösen herum. Doch nicht immer
ist der Laden groß genug, um die Kundschaft in eine Ecke zu
verklappen, dann hilft nur noch das bewährte “Kann ich helfen?”,
schnarrend vorgebracht, wie auf preußischem Kasernenhof. Übersetzt
heißt die Formel “Nimm Deine Griffel von den Auslagen, Du Drecksau”.
Wer da noch die Stirn hat zu sagen:”Nein Danke, im Moment nicht”
wird von den Regalkapos so lange mit Blicken durchschossen, bis er
gesenkten Hauptes des Geschäft wieder verlässt. Denn nur eines ist
dem analfixierten Ladenschwengel wichtig: Er will sich nicht von
seiner Ware trennen. Niemand von dem hergelaufenen Geschmeiß dort
draußen ist es wert, seine Schätze zu erwerben. Und um den
Kundenkontakt möglichst gering zu halten, beharren die kleinen
Scheißer in ihren Läden darauf, nur eingeschraenkte Öffnungszeiten
zuzulassen. Nur dann, wenn ALLE Kunden keine Zeit haben, wird
aufgesperrt, damit sich höchstens ein paar leicht zu demütigende
Rentner ins Warenmausoleum verirren. Sind die Ladenkröten schon durch
den einfachen Verkauf ihres Krempels völlig überfordert, gibt es
zwei Dinge, die sie komplett aus der Bahn werfen. Beratung und
Bestellung.
Beratung erschöpft sich zumeist in der unschuldig gemeinten Formel
“Hähähähä, ich bin auch neu hier…”, oder aber sie überschlaegt
sich in einer oberlehrerhaften Zurechtweisung, die den Kunden auf den
Status eines unwissenden Halbaffen degradiert, nur weil er nicht weiß,
dass die linksdrehende Schlingenware besser und damit auch 100x teurer
ist als der toupierte Rattenfilz. Schlimmer noch wird’s, kommt man mit
einer konkreten Vorstellung vom zu erwerbenden Gegenstand in den Laden,
statt sich mit dem angebotenen Restmüll zu bescheiden. “Guten Tag, ich
hätte gerne einen Rasenmaeher mit 4 Takt Benzinmotor”, verblüfftes
Erstaunen beim Gegner, dann die Antwort: “Da könnte ich Ihnen diese 2
Takt Fräse günstig überlassen”.
Der Wunsch des Kunden ist für den deutschen Warenlagerkommandanten
der Feind Nr.1, der vernichtet werden muss, damit der eigene Dreck in
dessen Haushalt endgelagert werden kann. Trotz allem: Hoffentlich
bleiben die deutschen Läden noch lange bestehen, denn wer weiß, was
sich die Heinis sonst einfallen lassen, wenn sie nicht mehr ihren
Warenknast zum Spielen haben.

Vielen Dank an die FSR-Abtipper.

1 Kommentar »

  1. Didn’t know the forum rules allowed such brlilaint posts.

    Kommentar by Connie — 31. Januar 2012 @ 23:48

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