Braucht Wetter Show?
Die Frage, über die ich immer wieder stolpere: Wie präsentiert man das Wetter? Im Meteorologendeutsch als Beamtenausgabe? Bunt flickernd und wild animiert mit allerlei poppigen Sprüchen garniert? Beide Extreme sind meines Erachtens nicht erstrebenswert. Ins Grübeln bin ich jetzt wieder wegen eines Beitrags bei Stern Online von Stephan Maus gekommen.
YiGG
Zuerst möchte ich mich aber über die Erwähnung meines Blogs an erster Stelle der Blogschau in der Wetterkategorie bedanken (wobei ich gleich etwas arrogant nachschieben möchte, dass ich so etwas auch insgeheim erwarte).
Inhaltlich muss ich dem offenen Brief ans Wetter an einigen Stellen beipflichten, einige Argumente kann ich nicht nachvollziehen und zu anderen habe ich noch gar keine Meinung. Falls Sie eine haben, lassen Sie es mich per Kommentar wissen, bitte. Der Brief richtet sich in erster Linie an das Wetter nach den Tagesthemen, präsentiert von Jörg Kachelmann.
Wie wir wissen, geht schon bei der bloßen Erwähnung dieses Namens die Aufspaltung in die zwei Lager los: Während die einen immer noch begeistert davon sind, dass Jörg Kachelmann und seine Kollegen, die für meteomedia arbeiten, so volksnah und in einfachem Deutsch mit flauschigen Einlagen das Wetter erklären können, so wirken die anderen eher genervt oder besser übersättigt von den manchmal sehr häufig eingesetzten Vergleichen wie die berühmten “Blumenkohlwolken”, wie auch offenbar Stephan Maus. Zitat:
Bei dem beknackten Strömungsfilm oder Begriffen wie “Blumenkohlwolke” möchten viele am liebsten abschalten.
bereits im Jahr 2002 gemacht hat, ist das Wetter von meteomedia aber nicht mehr “Tuttifrutti”, sondern normaler geworden. Dennoch nehme ich, das mag subjektiv sein, eine zunehmende Übersättigung in meiner Umgebung wahr, wenn diese über Kachelmann sprechen. Was die Wetterpräsentation angeht, kann ich persönlich auch keine Wende hin zu “nüchternerem” Wetter feststellen, wenn ich mir zum Beispiel diese Aufnahme vom 1. Januar 2006 ansehe:
“Kommt ein neues Tief morgen hier reingekringelt…”
Damit man mich nicht falsch versteht: An sich kann ich noch nichts Negatives an derartigen Formulierungen feststellen, solange sie der Sache dienen…Vielleicht liegt es ja daran? Dass man bei Jörg Kachelmann den Eindruck hat, dass es eben eher der Person als der Sache dienlich sein soll, wenn er allzu juvenil formuliert?
Gibt es nur Kachelmann?
Was mir bei dem offenen Brief noch auffällt: Wo sind all die anderen Meteorologen, die im Namen von meteomedia auftreten? Nach wie vor scheinen sie im Schatten Kachelmanns zu stehen, wenn man an das Tagesthemen-Wetter denkt. Gegenüber einem Sven Plöger oder einer Claudia Kleinert habe ich selbst bisher gar keine Anfeindungen gehört oder gelesen, und ich muss sagen: zu Recht. Höchstens in den Momenten, in denen wieder der “Tagesthemen Strömungsfilm” genannt wird kommt ein leichtes Magenblubbern auf, denn dessen Informationsgehalt ist für Laien klein und selbst für Meteorologen höchstens als Randinformation wertvoll.
Wollen wir Beamten-Wetter?
Wir sind uns also einig, dass man mit allzu buntem Treiben bei der Wettervorhersage vielleicht eher der Sache schadet. Sollte es also wieder so werden, wie es Herr Maus so anhimmelt?
An die 2700 Beamte spürten Dir in Berg und Tal nach, und sämtliche Redaktionen verkündeten die staatlichen Ergebnisse in staubtrockenen Behördenbulletins. Herrliche Zeiten…
War es denn früher wirklich besser? Machen wir ein Experiment: Schauen Sie sich folgende Präsentation aus dem Jahr 1986 an, nur ein Mal. Dann versuchen Sie aus dem Kopf zu wiederholen, wie das Wetter sein sollte:
“Sonst nach Auflösung von Frühnebelfeldern heiteres und niederschlagsfreies Wetter, das später auch auf den Südosten übergreift…”
Ich weiß nicht, ob das Wetter so präsentiert werden sollte. Mir als Meteorologe geht es dabei gut, weil ich mich in der Abfolge und in dem typischen Vokabular “zu Hause” fühle. Meteorologen und Hobbymeteorologen wird die Präsentation also gefallen (auch wenn einem manchmal heiß und kalt werden kann). Aber ich gehe eher davon aus, dass ein Wetterbericht die Schnittstelle von meteorologischen Fakten hin zur verständlichen Veranschaulichung ist: Sind die Gewitter nun harmlos oder decken sie mir das Haus ab?
“Was man versteht, das ist nichts”
Wir Deutschen sind immer schnell dabei, umgangssprachliche Formulierungen als “unseriös” oder “unwürdig” zu bezeichnen. Ich finde diese Verurteilung vorschnell und bin auch kein Freund des “früher war alles besser”. Nehmen wir das Beispiel USA: Die Meteorologen sprechen in verständlichem, straßentauglichen Englisch. Sie benutzen häufig bunte Visualisierungen und genießen trotzdem einen weitaus besseren Ruf als die Meteorologen der deutschen Medien. Vielleicht liegt es daran, dass es bisher nur wenige Alternativen zwischen Behörden- und Kachelmanndeutsch gibt.
Vielleicht liegt es auch daran, dass man Visualisierungen mit größerem Informationsgehalt als einen Strömungsfilm einsetzen kann. Und zwar, indem man sich Gedanken macht, welche Grafik oder welche Animation zur Wettervorhersage passt.
DWD? Ich läge gerne irgendwo dazwischen. Es geht darum, das Wetter in den Mittelpunkt zu stellen und so zu erklären, dass es jeder versteht. Und dass Computergrafiken und -filme so arbeiten, dass sie der Erklärung der Sache dienen und nicht dem Selbstzweck. Diesen gekonnten Mittelweg gilt es zu finden, und darum warte ich gespannt darauf, bis jemand so ein Tool wie MeteoEarth das erste Mal auf diese Weise im Wetterbericht einsetzt. Wenn die Zuschauer oder Zuhörer danach denken “Aha, also so ist das!” statt “Hö?”, dann ist die Wettervorhersage gut und verdient auch ihre drei Minuten.
Oder haben Sie eine andere Meinung? Dann her damit!

Hallo Frank.
Was die” Kachelmänner angeht” finde ich die Interpretationen des Wetters eigentlich ganz gut gelungen .Besonders Thomas Globig ist ziemlich locker.Was nun garnicht geht ist dieser Ben Wettervogel vom DWD im ZDF-Morgenmagazin.Langweilig ,unsicher und manchmal überhaupt nicht verständlich bei dem Rumgestottere.Dann lieber Radio SAW hören;).Oder sehen wir Dich irgendwann mal im TV??
Gruss Andre
Kommentar by andre — 9. Mai 2009 @ 9:12
Wie präsentiert man das Wetter?
Frank ,von Wetter kann wohl schon lange nicht mehr die Rede sein ,…denn das wären natürliche Abläufe.
Was über unseren Köpfen abgeht ist nur manipuliert,..durch Chemie und Haarp.
Und was Du uns als Wetter präsentierst ist eine zum Himmelschreiende Lüge,..von der Du mit sicherheit weist.
Es hätte niemals passieren dürfen das am Wetter manipuliert wird.
Haarp funktioniert schlicht gesagt in Wellenform (Elfwellen ) und eben die zeichnen sich am Himmel eben so wieder.
Also Frank wenn Du mal in den Himmel schaust und Dir dein” Wetter” nicht im Auftrag von Vorgesetzten verbreitest,…kommst du selber darauf.
Aber ich denke Du belügst bewusst.!
Kommentar by alles nur gelogen — 10. Mai 2009 @ 12:17
“alles nur gelogen”. Ich stimme lediglich Deinem Pseudonym zu. Lass’ mich mal in Ruhe mit diesem Unfug. Dazu ist bereits alles gesagt.
Kommentar by Frank Wettert — 11. Mai 2009 @ 9:28
Hallo André,
Thomas Globig ist in der Tat auch eine Kapazität, was die Vorhersagequalität angeht, muss man neidlos anerkennen.
Zum Thema Fernsehen: Momentan binich mit Radio voll ausgelastet und glücklich. Fernsehauftritte gab es bereits, aber ob das regelmäßig der Fall sein wird: Wer kann das schon sagen?
Gruß
Frank.
Kommentar by Frank Wettert — 11. Mai 2009 @ 9:30
Was habt Ihr nur alle gegen den Strömungsfilm ?
Der Wind, insbesondere die Windrichtung ist für mich als Drachenflieger die wichtigste Info der Wettervorhersage!
Im Radio wird er aber oft totgeschwiegen. Da ist der Strömungsfilm das beste was es gibt, weil auch eine Entwicklung im Tagesgang erkennbar wird.
Von den “Kachelmännchen” ist mein uneingeschränkter Star Claudia Kleinert. Gut aussehend, immer passend zum Wetter angezogen, die richtige Mischung aus kühler Sachlicheit und Leidenschaft (“… die Atmosphäre brodelt…- für uns Meteorologen spannend”).
Und Kachelmanns Verdienst liegt nicht in seinen (kasperhaften) Auftritten in den Medien, sondern dass er ein eigenes Meßnetz mit einem vernünftigen Rechenmodell kombiniert, deren Vorhersagen sehr häufig (für unsere Region Mainz-Bonn) eintreffen.
Frank, auch Eure Wetternews sind meistens interessant. ´hoffe sehr, dass ein Bruchteil davon im Radio ankommt. Greetz, W.
Kommentar by winDfried — 11. Mai 2009 @ 15:49