Warum ist es im Südwesten so mild und im Nordosten so kalt?

Reif in den Niederlanden
Reifbildung in den Niederlanden, Quelle: pxhere.com

Ich wünsche einen wunderschönen guten Morgen! Je nachdem, in welcher Ecke Deutschlands Sie diesen verbracht haben, dürfte dieser sehr unterschiedlich temperiert gewesen sein. Hier eine kleine Erklärung, wieso der Temperaturunterschied so groß ist inklusive einer kleinen Warnung zum Schluss:

Denn viel imposanter als die absoluten Tiefstwerte, die bislang von letzter Nacht feststehen, ist der Unterschied zwischen Nordost und Südwest. Sollten Sie in den letzten Tagen auf diesem Blog vorbeigestolpert sein, wissen Sie es ja vielleicht schon: Wir befinden uns im Moment in einem Battle. Der Winter, bisher scheinbar abgeschlagen, hat mit dem Hoch ADAM über der Ostsee einen schüchternen Versuch unternommen, kalte Luft anzuzapfen und nach Deutschland zu bringen. Mehr als „nett gemeint“ kann man diesen Anlauf allerdings nicht bezeichnen. Aber immerhin:

Wetterlage verstehen – Halten Sie Hände und Füße bereit!

Da die Luft aus einem Hoch ja mit dem Uhrzeigersinn bei uns ausströmt, können Sie sich, wenn Sie jetzt mit Händen und Füßen vor folgender Abbildung fuchteln, vielleicht nachvollziehen, wie die kalte Luft nach Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin, etc. kommen konnte:

Temperatur 850 hPa Europa 08.01.2018 12 UTC Quelle: MeteoGroup
Temperatur in etwa 1,5 km Höhe am Mittag des 08.01.2018 um 13 Uhr. Quelle: Profi-Karten von MeteoGroup

Das Hoch liegt unter der grünen, die weite Teile der Nordsee, Ostsee sowie den Nordosten Deutschlands und Polen bis weiter östlich überdeckt. Noch weiter im Nordosten, über Russland, sehen Sie deutlich das klirrend-tiefe Blau eines Tiefs. Für uns allerdings ist die Lage des Hochs wichtig, das zumindest schon mal knapp über dem Boden Kaltluft aus Osteuropa heranpustet.

Auf der anderen Seite sehen Spanien und Portugal, die ebenfalls Besuch von Kaltluft bekommen haben, weswegen es auch dort grün aussieht. Dort liegt am Boden allerdings kein Hoch- sondern ein Tiefdruckgebiet. Und dieses dreht sich nun einmal anders herum, also gegen den Uhrzeigersinn. Und wenn Sie jetzt noch einmal Ihre Fuchtelfähigkeit unter Beweis stellen würden, dann können Sie nachvollziehen, wieso dieser gelb-orange-rote Bereich vom Mittelmeer kommend über den Osten Frankreichs bis in den Südwesten Deutschlands reicht! Denn genau dieses Tief über dem frischen Spanien ist dafür verantwortlich, dass es afrikanische Warmluft über das Mittelmeer bis in den Südwesten Deutschlands schafft!

Dies alles bringt uns dann zu den höchst unterschiedlichen Temperaturen in Deutschland heute Morgen. Wobei verschärfend hinzu kommt, dass die Wolken in der trockenen Luft im Nordosten fehlten (und dankenswerterweise immer noch fehlen) und deswegen die Luft von unten her noch mehr auskühlen konnte als unter den dichten Wolken, die Sie im Süden in diese montagstypische Grundstimmung zu versetzen versucht haben. Diese Wolken haben die Temperaturen unter ihrer wärmenden Decke ebenfalls höher gehalten. Das bedeutet:

In Barth an der Ostsee ging es heute Morgen bis -9,4°C runter, dort war es die kälteste Nacht dieses Winters bisher. In Fellbach dagegen wurde es nicht kälter als +6,9°C. Und nun rechnen Sie mal: 16,3 Grad Unterschied zwischen Südwest und Nordost! Nicht schlecht, oder? (Weitere Werte, falls Ihnen zu warm ist: Frankfurt/Oder: -7,3°C, Rostock, -7,2°C.) Falls Sie aktuelle Temperaturen suchen, so klicken Sie einfach auf diese Deutschlandkarte.

Gefrierender Sprühregen möglich

Ach, übrigens: Wenn es doof läuft, dann könnte im Übergangsbereich dieser beiden Luftmassen durchaus mal die unangenehme Kombination von Sprühregen auf gefrorenem Boden auftauchen. Das wäre in Sachen Glätte dann einigermaßen kritisch, also schauen Sie ab und zu mal bei den Warnungen der Unwetterzentrale vorbei, ob es dort Glättehinweise gibt. Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in die Woche!

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