BILD-Käse über Tornados in Hamburg
Was habe ich gelacht: wieder einmal vielen Dank, liebe BILD. Bisher kannte ich keine Witze für Meteorologen, aber mit dem heutigen Bericht wäre die erste Grundlage geschaffen. Also, zur Sache. Bild berichtet heute:
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Wong it!
Es soll also ein Tornado über Hamburg gesichtet worden sein. Hm hm, aha. Ich lese interessiert weiter, während sich auf meinem Mund ein breites Grinsen breit macht. Hier meine Lieblingszitate:
Starke Böen drückten den Mini-Tornado Richtung Kiez
…”Obwohl es eigentlich keine typische Tornado-Wetterlage war, hingen Wolken-Schläuche über Hamburg heraus. Zum Glück für die Stadt hat keiner dieser Tornado-Schläuche den Boden erreicht!”
Brüll, kreisch, Gelächter. Den Kollegen gezeigt, noch mehr Gelächter. Warum? Weil ein “Tornado, der den Boden nicht erreicht”, eben gar kein Tornado ist. Mögen die Herren von BILD wenigstens bei Wikipedia nachlesen:
Der Wirbel erstreckt sich hierbei durchgehend vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Diese Definition geht auf Alfred Wegener (1917) zurück und ist in dieser Form heute noch allgemein anerkannt.
Das, was irgendjemand in Hamburg fotografiert hat, war eine so genannte Funnel-Cloud oder Trichterwolke. Hier geht es also um eine Wolke, nicht um den Wirbel. Denn dieser Wirbel muss gar nicht durch eine Wolke bis zum Boden sichtbar sein. Das einzige, was hier gesehen worden ist, war eine Wolke, die auf eine Rotation hindeutet. Die kann in der Höhe “abbiegen” und gar nicht den Boden erreichen, genannt Blindtrombe. Oder sie erreicht den Boden, bis dahin ist der Luftwirbel aber so schwach, dass gar nichts oder nur Unwesentliches passiert. Dieses nennt man dann einen unterkritischen Tornado. Was hier gezeigt wird, ist eine Wolke, wo ein Luftwirbel durch das Kondensieren von Wasser sichtbar wird. Mehr nicht.
Für BILD-Redakteure der Vergleich:

Hilfe für BILD-Redakteure. Links: Trichterwolke ohne Luftwirbel bis zum Boden, hier ungefährlich. Rechts: Trichterwolke mit Luftwirbel bis zum Boden=Tornado, gefährlich.
Bilder von sourtoe (bestimmte Rechte vorbehalten) und NOAA
BILD hätte genau so gut schreiben können:
- Zum Glück ist bei diesem Gewitter kein Schauer aufgetreten
- Zum Glück wurde bei der Sturmflut die mittlere Hochwassermarke nicht überschritten
- Zum Glück wurde bei der Hitzewelle nur 20°C erreicht
All das ist in etwa genau so logisch. Fazit: Viel “Wirbel” um nichts, wie auch andere Wetterbegeisterte sagen.

So ein Schwachsinn. Es hätten Menschen umkommen können
Kommentar by Gewitterloch — 4. Juni 2008 @ 10:27
[...] einem Tornado entkommen ist. Dramatisch! Und was muss ich gleich danach bei Frank lesen? Dass der Tornado in Hamburg gar keiner war, sondern nur eine relativ harmlose Trichterwolke! Geht denen der Stoff [...]
Pingback by “BILD sprach mit den Toten” » — 4. Juni 2008 @ 10:31
Gewitterloch: Durch die Gewitter vielleicht, aber nicht durch den Funnel.
Kommentar by Frank Wettert — 4. Juni 2008 @ 10:33
[...] habe ein bisschen rumgesucht und jetzt gesehen, dass der Hamburg-Tornado gar keiner war, sondern eine Trichterwolke, die man wohl bei jedem kräftigeren Gewitter mal [...]
Pingback by Hamburg: Gefahr oder nicht? » — 4. Juni 2008 @ 10:45
Aber weiß man denn bestimmt, dass es nicht irgendwo doch Schäden gibt?
Kommentar by Gewitterloch — 4. Juni 2008 @ 10:53
Man weiß bestimmt, dass durch diese Trichterwolke kein Schaden entstanden ist, weil sie nicht den Boden erreicht hat. Dadurch ist hier keine Rotation entstanden und demnach auch nichts passiert. Noch einmal ganz klar: Funnel Clouds entstehen bei vielen organisierten Gewittern. Sie könnten bedeuten, dass ein Tornado sich bildet, aber eben auch nicht. Man müsste dann also eigentlich über jedes kräftigere Gewitter so eine Titelseite drucken.
Dass Schäden durch Hagel oder Starkregen entstanden ist, kann man natürlich nicht ausschließen. Aber darum geht es hier ja nicht.
Kommentar by Frank Wettert — 4. Juni 2008 @ 11:00
Woher weiß man, dass der Funnel keinen Schaden angerichtet hat? Vielleicht war dieser nicht überall auskondensiert? Hat man den Funnel von der Geburt bis zum Tod verfolgen können?
Ich habe übrigens auch gelesen, dass es für Funnel gar keine Gewitter braucht.
Kommentar by Gewitterloch — 4. Juni 2008 @ 11:16
Wenn wir jetzt so weiter argumentieren, dann droht die Sache wegen Kleinlichkeit an der Sache vorbeizuschießen. Die Sache ist die, dass man aus einer Funnel-Cloud Sichtung keine große Schlagzeile machen sollte, weil man sonst die wahrhaft bedrohlichen Lagen aus dem Auge verliert.
Übrigens stimmt es, dass man dafür keine Gewitter braucht. Das linke Foto in meinem Beispiel ist etwa eine “Cold Air Funnel Cloud”.
Kommentar by Frank Wettert — 4. Juni 2008 @ 11:39
also ich hatte schon ganz schön angst als ich das ding gesehn habe
Kommentar by Katy — 4. Juni 2008 @ 13:14
Dann sollte man dem Meteorologen Hans-Joachim Möller vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg wohl mal einen (Funnel-)Einlauf machen, wenn es so einen Käse daherläuft.
Obwohl, vermutlich wird es sich beim Lesen wieder wundern, was er alles gesagt haben soll. Kennt man ja von BILD.
Kommentar by Daniel W. — 4. Juni 2008 @ 15:31
“Das, was irgendjemand in Hamburg fotografiert hat, war eine so genannte Funnel-Cloud oder Trichterwolke. Hier geht es zwar um eine Vorstufe eines Tornados, diese ist an sich aber noch ungefährlich und wird auch wesentlich häufiger gesehen. Natürlich kann sich aus so einem Funnel ein Tornado bilden, aber das muss längst nicht passieren.”
Das ist so nicht richtig. Die Trichterwolke zeigt nur den sichtbaren Teil der rotierenden Luftsäule. Auch ein nicht vollständig durchkondensierter, rotierender Wirbel kann bereits Bodenkontakt aufweisen (= Tornado). Es ist dafür nicht notwendig, dass die Trichterwolke den Boden berührt.
Eine Trichterwolke kann demnach definiert werden als:
“Eine Trichterwolke (auch Funnel Cloud oder Funnel) ist der auskondensierte Teil einer rotierenden, von einer hochreichend konvektiven Wolke herabhängenden Luftsäule, unabhängig davon ob Bodenkontakt des sichtbaren oder unsichtbaren Wirbels besteht.”
Beispiel für eine nicht bis zum Boden reichende Trichterwolke mit Bodenkontakt des Wirbels :
http://www.wetteran.de/knowledge/tornados/falke.jpg
(Helgoland, 28.9.03)
MfG
F.W.
Kommentar by Felix Welzenbach — 4. Juni 2008 @ 20:37
Danke, Felix, für die Richtigstellung. Das ist selbstverständlich richtig. Ich habe den nicht korrekten Teil jetzt etwas angepasst. Wir sind uns aber einig, dass es keine “Tornado-Schläuche gibt, die den Boden nicht erreichen.”
Kommentar by Frank Wettert — 4. Juni 2008 @ 20:51
gut erkannt ,…ist mir auch sofort aufgefallen…
allerdings hat die bild es immer mit windhose abgeschwächt…weil tornados bilden sich aus superzellen (comulunimbuswolken ,welche rotieren)…und eine windhose ensteht mit viel wind und comulus wolken…
trotzdem ein beeindruckendes Phänomen…
Kommentar by Philipp Reinhardt — 5. Juni 2008 @ 21:56
ach ausserdem :
Es gibt Landtornados,Wasserhosen,Staubteufel und Windhosen…
viele vermagen das nicht zu unterscheiden..
Kommentar by Philipp Reinhardt — 5. Juni 2008 @ 21:59
Hallo Philipp,
das ist nicht ganz korrekt. Der Begriff “Tornado” im engeren Sinne, bei Ihnen als “Landtornado” fälschlich bezeichnet, ist zur “Windhose” völlig synonym. “Windhose” wird nur nicht (mehr) so gerne benutzt, da er durch die Medien für andere Dinge missbraucht worden ist.
Genauere Information, um die ganzen Begriffe besser voneinander abzugrenzen, findet man in meiner GEIL in der Gewitter- und Tornado-Abteilung.
Kommentar by Frank Wettert — 6. Juni 2008 @ 8:38
Hallo Leute
Das ist die Wahrheit von Tornado und Windhose, Vergleichten aus Amerika.
Das ist eine letzte Warnung zu gefahr, Wenn du jeder nicht glaube?
Die Gott auf die Himmel, Jeder Menschen böses kommt Tornado alle zerstörnung oder sterben, was dann, hm?
Alle zerstörnung das bebeute, Strafbar muss bezahlen, weil böse Mensch.
Das ist kein Witz, Geil, Super usw. Das ist kein Gesundheit, DAS ist Krankheit, Kannst du nicht zu fühlen, Was du glaubst Gesund, Das ist stimmt nichts, Gar nichts?
Wenn alle jeder Menschen missbraucht, könne vielleicht kommt keine Windhose oder Tornado, besonders kommt einmal Blitzschlag können verbrannt, hm?
Vielleicht kannst du vorstehlen, Das ist die Wahrheit, Wenn du nicht glaubst, Was dann, könne vielleicht passiert?
Alle müssen Gute Menschen, Kommt keine Gefahr gewitter.
Nicht passiert.
Grüße David Heide
Kommentar by David Heide — 3. Juli 2008 @ 2:37
[...] Mini-Tornado?? Der Tornado war offenbar so “mini”, dass er Menschenleben forderte! Auch meteorologisch gesehen, macht dieser Ausdruck absolut keinen Sinn, eine Verharmlosung ist hier völlig fehl am Platze. Tornados sind offenbar ein gutes Thema für die Presse, um sich zu blamieren: Die BILD-Zeitung kennt zum Beispiel Tornados, die den Boden nicht berühren. [...]
Pingback by Tornados in Frankreich und die Presse : Wetter-Center.de Blog — 4. August 2008 @ 23:58